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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Das „Stuttgart 21“ des Nordwestens

04.03.2017

Ellenserdammersiel Es ist vorbei mit der Ruhe zwischen Wiesen und Weiden in Ellenserdammersiel. In dem 100-Seelen-Ort ist eigentlich nur viel los, wenn im Sommer die Fahrradtouristen durch das Dorf zum Petershörner Siel fahren, über das gemächlich dahinfließende Tief, zwischen Schafen und Kühen entlang dem Horizont entgegen.

Jetzt ist Ellenserdammersiel bis zum Ortskern eine einzige Baustelle, und überall laufen Männer in orangefarbenen oder gelben Reflektorjacken herum. „Für uns ist das wie Stuttgart 21“, sagt Jörg Steinker, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft. Nur in den Ortskern dürfen die Lastwagen nicht fahren – doch so ganz haben das noch nicht alle Fahrer verstanden.

Das macht die

Schnellere Züge sollen auf der Strecke von Oldenburg nach Wilhelmshaven fahren können. Damit das möglich ist, müssen die Gleise und Gleisbetten erneuert werden. Die Deutsche Bahn rechnet außerdem damit, dass in Zukunft mehr Güterzüge auf der Strecke von Oldenburg nach Wilhelmshaven unterwegs sind.

Die Strecke von Oldenburg nach Wilhelmshaven soll auch elektrifiziert, also mit Oberleitungen versehen werden. Dafür werden jetzt schon die Voraussetzungen geschaffen.

In Ellenserdammersiel ist das sehr aufwendig, weil der Marschboden mit Moorlinsen durchsetzt ist und der Untergrund erst richtig befestigt werden muss. Das wird zum Teil mit einer sogenannten Fahrwegtiefgründung geschehen – es werden 15 Meter tiefe Pfähle in die Erde gerammt.

Der Bahnübergang wird deswegen ab Mitte März zeitweise verlegt. Dafür hat die Bahn extra eine Umgehungsstraße gebaut. Zur Zeit wird der Bahnübergang jedes Mal per Hand geschlossen, wenn ein Zug kommt. Tag und Nacht sind Mitarbeiter dafür im Einsatz.

Wenn alles fertig ist, wird die Umgehungsstraße wieder entfernt. Dann sollen auch die Schranken und Signalanlagen am Bahnübergang erneuert werden. Außerdem werden Schallschutzwände gebaut.

Die Deutsche Bahn baut die Strecke von Oldenburg nach Wilhelmshaven aus. Und das ist in Ellenserdammersiel ein aufwendiges Unterfangen: Weil der Marschboden von Moorlinsen durchsetzt ist, muss auf einem Teilstück ein komplett neuer Gleiskörper gebaut werden. Deswegen werden Pfähle bis in 15 Meter Tiefe gerammt, darauf soll dann eine Betonplatte gegossen werden, die die Gleise trägt.

Auf anderen Teilstücken wird der Boden mit einer Fräs-Misch-Injektionsmaschine, einer riesigen Kettensäge, komplett umgewälzt und mit Zement gemischt, damit das neue Gleis einen festen Untergrund hat.

Damit das alles gemacht werden kann, muss die Bahn den Bahnübergang sperren, und hat extra dafür eine Umgehungsstraße im Ort gebaut. Ab Mitte März soll der Verkehr über diese Straße geleitet werden. Und auch für die Züge wird für die Zeit der Bauarbeiten auf einem Teilstück ein zweites Gleis gebaut, auf das die Züge umgeleitet werden.

„Das Landschaftsbild hat sich schon erheblich verändert“, sagt Jörg Steinker. Es wird noch Jahre dauern, bis alles fertig ist. Dann soll die Umgehungsstraße wieder entfernt werden.

„Im Augenblick ist auf der Baustelle richtig viel los. Wir merken in den Häusern extreme Erschütterungen“, sagt Jörg Steinker. Zurzeit ist der Kampfmittelräumdienst damit beschäftigt, Löcher zu bohren und mit Sonden nach Metall zu suchen – denn wenn die Arbeiten am Gleisbett erst richtig losgehen, sollten keine Bomben aus den Weltkriegen im Weg sein.

Im Ort sieht man mehr Bauarbeiter als Einwohner: Tag und Nacht wird an den Gleisen gearbeitet, und der Bahnübergang wird von Mitarbeitern per Hand geöffnet und geschlossen – die Schranken sind außer Betrieb.

Auf die Erschütterungen haben sich die Dorfbewohner eingestellt, und damit müssen sie wohl auch leben. Aber dass Lastwagenfahrer sich mit ihren Sattelschleppern immer wieder in den Ortskern verirren und die Straßen kaputtfahren, will Jörg Steinker nicht hinnehmen. Aus dem Büro seiner Zimmerei sieht er die Lastwagen auf ihren Irrfahrten durch den Ort. Die Deutsche Bahn habe sich gut darum gekümmert, dass Schilder aufgestellt werden, die den Baustellenverkehr regeln und eindeutig die Einfahrt in den Ort verbieten. Aber so mancher Lastwagenfahrer ignoriere die Verbotsschilder einfach. „Die Bahn informiert jeden Subunternehmer mit Fahrplänen, und die Fahrer müssen das schriftlich bestätigen“, sagt Steinker. Und es funktioniert trotzdem nicht.

Dass die Lastwagenfahrer das größte Problem sind, meint auch der Bockhorner Bauausschussvorsitzende Heiko Haschen. „Seit Beginn der Bautätigkeiten macht insbesondere der Baustellenverkehr Probleme, der sich zum Teil nicht an die vorgegebene Verkehrsführung hält. Wir stehen aber in gutem Austausch mit der Deutschen Bahn, diese hat bereits weitere Maßnahmen zur Verbesserung angekündigt“, so Haschen.

Rund vierzig Sattelzüge hat Jörg Steinker im Ortskern schon vor seiner Zimmerei wenden sehen – weil es dort für sie nirgendwo weiter geht. „In den nächsten Wochen werden erhebliche Mengen Schotter angefahren. Dann will die Bahn extra Personal freistellen, das die Lastwagenfahrer einweist. Ich hoffe, das klappt.“