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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

„Ganz ohne Lärm geht es nicht“

22.08.2015
Frage: Herr Taddigs, die Feriensaison ist halb rum. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?
Johann Taddigs: Wir hatten in der vergangenen Saison 600 000 Übernachtungen, 85 000 Gäste und 250 000 Tagesgäste. Diese Zahlen werden wir am Ende dieser Saison optimistischerweise wieder erreichen. Aber das ist kein Ruhekissen.
Frage: Inwiefern?
Taddigs: Tourismus ist eine permanente Dienstleistung. Täglich sollten die Gäste nicht nur zufrieden gestellt, sondern begeistert werden. Das betrifft sowohl die öffentlichen Aufgaben für den Tourismus sowie alle privaten Initiativen und Investitionen. Das fängt mit einem freundlichen „Moin“ am Morgen an und hört mit einem freundlichen „Moin“ am Abend nicht auf.

Seit 2011 im Amt

Johann Taddigs bekleidet seit dem 1. Januar 2011 das Amt des Kurdirektors in Dangast. Erfahrung hat der 54-Jährige reichlich: Von 1991 an arbeitete der Diplom-Kaufmann 18 Jahre lang als Kurdirektor von Bensersiel (Esens).

In Dangast stehen große Veränderungen an. So soll auf der ehemaligen Kuranlage Deichhörn eine Ferienwohnanlage entstehen. Im ersten Segment nördlich des Kursaals sollen fünf dreigeschossige Gebäude mit 45 Wohneinheiten entstehen. Anstelle des maroden Kurmittelhauses sind vier Gebäude mit 28 Wohnungen geplant. Südlich dahinter sollen fünf Häuser mit 25 Wohneinheiten gebaut werden. Im Bereich der Sandkuhle sind 63 anderthalbgeschossige Apartments mit insgesamt 225 Betten vorgesehen (die NWZ  berichtete).

Frage: Bald soll in Dangast ein Ferienpark gebaut werden. Befürchten Sie dadurch einen Einbruch der Besucherzahlen?
Taddigs: Im Gegenteil. Dangast qualifiziert sich mit diesen Baumaßnahmen weiter, und die Gäste wissen sehr wohl, dass für sie gebaut und investiert wird. Wir sprechen da aus unseren Erfahrungen bei der Realisierung der neuen Promenade und des Weltnaturerbeportals. Wir hatten sehr viele interessierte Anfragen und Gespräche mit unseren Gästen und Zuwächse bei den Besucherzahlen.
Frage: Wie wirkt sich die Lärmbelästigung auf die Vermieter aus?
Taddigs: Wir werden durch detaillierte Vereinbarungen und Abstimmungen mit den Bauherren die Lärmemissionen auf das unvermeidbare Maß reduzieren. Ganz ohne Lärm geht es nicht, und wir setzen auf ein gegenseitiges Verständnis.
Frage: Das wird die Betroffenen wenig trösten . . .
Taddigs: Die Baumaßnahmen auf dem Grundstück der Kuranlage haben einen großen Abstand zu benachbarten Gebäuden, so dass dort die Belastungen eher gering sein werden. Und in der Sandkuhle sind die geplanten Objekte von der Größe her mit Einfamilienhäusern zu vergleichen. Solche Häuser wurden in den vergangenen Jahren an verschiedenen Stellen hier in Dangast gebaut, ohne dass es zu Einbrüchen der Zahlen bei Vermietungen in der Nachbarschaft geführt hat.
Frage: Durch die Baufahrzeuge wird es zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen kommen. Kann der Ort das überhaupt verkraften?
Taddigs: Dangast ist ein lebendiger Ort, in dem permanent gebaut und investiert wird. Baufahrzeuge sind durchaus keine neue Erscheinung auf den Straßen von Dangast.
Frage: Moment mal: Beim Bau eines neuen Ferienparks ist der Verkehr doch um einiges größer, als bei dem Bau eines Einfamilienhauses . . .
Taddigs: Auch hier werden wir die Abstimmung mit den Bauherren suchen, damit unnötige Spitzen oder auch das Aufeinandertreffen von Spitzenbelastungen der Verkehrsströme weitgehend vermieden werden. Analysen des Verkehrsaufkommens in Dangast haben festgestellt, dass es im Wesentlichen an Wochenenden Belastungsspitzen gibt. Zu diesen Zeiten findet normalerweise kein Baustellenverkehr statt. Auch da kann ich wieder vom aktuellen Beispiel der Bauphase des Portals berichten: Wir hatten nicht eine Beschwerde unserer Gäste über die Baufahrzeuge, obwohl ja so einiges Material an den Besucherschwerpunkt Strand und Quellbad-Parkplatz transportiert werden musste.
Frage: Wo soll der Verkehr langlaufen?
Taddigs: Da sind die Planungen noch nicht abgeschlossen. Auf jeden Fall werden die Materialien ins Dorf müssen. Wie viel dann davon zum „Alten Deich“ abbiegt oder schon vorher „Auf der Gast“ abzweigen kann, hängt vom Projektablauf ab.
Frage: Es gibt Widerstände gegen die Bebauung. Haben Sie Verständnis für die Kritiker?
Taddigs: Bei einer so großen Veränderung, wie sie durch das Entwicklungskonzept für das Nordseebad Dangast herbeigeführt wurde, kommt es zwangsläufig zu Kritik. Je nach Betroffenheit und Blickrichtung entstehen selbstverständlich unterschiedliche Sichtweisen, und ich wäre schlecht beraten, wenn ich diese Kritiken nicht verstehen und aufnehmen würde.
Frage: Und was haben die Kritiker davon?
Taddigs: Ich habe viele Gespräche mit Beteiligten geführt und viele gute Anregungen mitnehmen können. Wenn Kritiker jede Weiterentwicklung blockieren wollen und darauf bestehen, dass sich nichts ändert und nichts weiterentwickelt wird, dann stoßen sie bei mir auf Unverständnis.
Frage: Verliert Dangast durch die neue Ferienanlage nicht seinen dörflichen Charme und Charakter?
Taddigs: Nein. Die Grundstärken und Säulen für den Tourismus in Dangast sind definiert, und an denen wird auch nicht gerüttelt. Wir haben unsere Kultur- und Kultstätten, die von diesen Maßnahmen nicht beeindruckt werden – das Nationalparkhaus, die starken Infrastrukturangebote wie das Quellbad und die neue Sauna, die Dienstleistungsangebote entlang der Edo-Wiemken-Straße. Sie bleiben wie gehabt erreichbar und frequentiert. Ebenso die Wegeverbindungen. Diese werden sogar verbessert. Der einmalige Charme des Kurhauses und des Geestwaldes bleiben zudem unberührt.
Frage: Wo sehen Sie Dangast in zehn Jahren?
Taddigs: Wir werden sehr darauf achten, dass die Grundstärken und der Charakter von Dangast erhalten bleiben – allerdings kompatibel mit den Ansprüchen und Wünschen der Gäste von heute und morgen. Aus heutiger Sicht sehe ich keinen Bedarf für einen Ausbau weiterer touristischer Angebotskapazitäten, sondern sehe eine Chance darin, vorhandene Angebote in der Region weiter zu vernetzen.

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