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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Gegenwart einfach abgeschafft

20.08.2013

Schillig Die Gegenwart haben sie kurzerhand mal abgeschafft: Bannerschwenkend, in feinen Gewändern, Kettenhemden und mit geschulterten Lanzen bricht die wilde Horde auf, den Ort zu erobern. Einer schlägt auf einer Trommel den Takt, andere fletschen die Zähne und recken Beile und Schilder, als jemand einen Fotoapparat auf die Gruppe richtet.

Dann zieht die Karawane weiter, der Rundgang der verkleideten Mittelalter-Fans ist ein Höhepunkt beim Spectaculum in Schillig. Zwei Tage lang hatte hier ein bunter Haufen seine Zelte aufgeschlagen. Manche sind gekommen, um mit Ständen mit mittelalterlichen Produkten Geld zu verdienen, die meisten jedoch, um für eine Weile dem Alltag zu entfliehen. Das vermeintlich so finstere Mittelalter – am sonnigen Strand von Schillig ist das eher eine familienfreundliche Mischung aus Lagerfeuerromantik und Rollenspiel.

So ähnlich sehen das wohl auch Jan-Hendrik Remmers und Insa Schepker. Der Wilhelmshavener Remmers steckt in einem Ork-Kostüm, das sind die meuchelnden Vollstrecker des Bösen im „Herr der Ringe“. 40 Kilogramm wiegt die Monster-Montur aus Kettenhemd, Stahlschonern und Maske, alles einzeln verschnürt. Seit sechs oder sieben Stunden schon schleppt sich der Rollenspiel-Fan so über Markt und Strandwege.

Was das mit dem Mittelalter zu tun hat? Eigentlich wenig, aber die Grenzen zum Bereich „Fantasy“ sind fließend. „Feuer riechen, Menschen erschrecken“, nennt Remmers nicht ganz ernsthaft sein Anliegen beim Besuch des Mittelalter-Treffens. „Man kann einfach mal in eine andere Welt abtauchen.“

Ähnlich dürfte das der Mann sehen, der gerade glockenschwingend seine Frau und ein paar Helfer mit einem Schubwagen vor sich hertreibt. „Zackig, sonst gibt’s die Peitsche“, raunzt er.

Die Gruppe zieht langsam in Richtung Bühne weiter, hier gibt es später Schaukämpfe und Aktionen. An einem Stand werden Met und Bier verkauft, unter Zeltplanen glühen die Feuerstellen, es riecht nach Fleisch, Holzkohle und Stockbrot.

Nicht ganz authentisch dem Mittelalter zuzuordnen dürfte allerdings die Bratwurst mit Curry-Soße sein, die etwas weiter vorn gereicht wird. Zeitgenössischer geht es am Stand des Schmieds zu. Beowulf Isenrant ist allerdings gerade nicht da. Gemahlin Wisibada, beide aus Bremen-Nord, wacht derweil über die Glut.

Noch ein paar Meter weiter sitzen Ulrike Bitterlich-Nietsch und Ralph Damke aus Warendorf. Strickwaren und Stoffe verkaufen die beiden an ihrem Stand, bereisen regelmäßig Mittelalter-Treffen. „Es hat immer etwas von einer Rückkehr zur Natur“, sagt sie.

Auch Tochter Johanna und Freundin Antonia, beide 15 Jahre, sind mit dabei. Beide sind standesgemäß mittelalterlich gewandet. Ganz ohne die Moderne geht es aber dann doch nicht: Beide tragen Turnschuhe. „Es war morgens so kalt an den Füßen“, erklärt Johanna.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/friesland 
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Tim Gelewski
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965312

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