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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Varelerin glücklich auf Farm in Afrika

04.04.2015

Varel /Namibia „Ein merkwürdiger Mann“, dachte sich Etta Sagemüller. Sie bediente in der Zeteler Apotheke die Kunden und wunderte sich über den jungen Mann, der alle anderen vorließ und sie unentwegt ansah. Als alle anderen Kunden weg waren, bat er um ein Mittel gegen Bauchschmerzen. Was Etta Sagemüller damals noch nicht wusste: Theodor Schwarting hatte keine Bauchschmerzen, sondern war aus Namibia in seine alte Heimat gekommen, um eine Frau zu finden, und Etta Sagemüller war die Auserkorene.

Dünn besiedelt

Namibia liegt im südlichen Afrika; der Name leitet sich von der Wüste Namib ab, die den gesamten Küstenraum des Landes einnimmt. Das Gebiet des heutigen Namibia kam 1884 unter die Herrschaft des Deutschen Reiches und wurde zur Kolonie Deutsch-Südwestafrika. 1990 erlangte das Land die Unabhängigkeit von Südafrika.

Das Land ist nur sehr dünn besiedelt, etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der internationalen Armutsgrenze. Infolge der Missionierung während der deutschen Kolonialzeit sind 87 Prozent der Namibier Christen. Es gibt in Namibia sehr viele deutsche Traditionen. In Windhuk feiert man Karneval mit Kappensitzung und das Oktoberfest auf einer namibischen Wiesn. Man kann in Namibia Bier nach deutschem Reinheitsgebot trinken und Schwarzwälderkirschtorte essen.

Vier Tage später verlobten sich die beiden, drei Monate später heirateten sie. Das war 1957. Heute, mit 83 Jahren, blickt Etta Sagemüller auf ein bewegtes Leben auf ihrer Farm in Afrika zurück.

Die Farm im Westen Namibias, auf die sie 1957 mit ihrem Mann Theodor zog, war von dessen Vater Anton Schwarting aufgebaut worden, der 1930 nach Afrika ausgewandert war. Seine Frau und der 1921 geborene Sohn Theodor blieben zunächst in der Wesermarsch wohnen.

Als 1949 das erste Schiff mit Neueinwanderern in Namibia anlegte, war Theodor an Bord. Er übernahm nach einigen Lehrjahren auf anderen Farmen die Schwarting-Farm in Omaruru. 1957 zog es ihn erstmals wieder in die Heimat – um eine Frau zu suchen. Er fragte im Bekanntenkreis herum, wer eine Frau nach seinem Geschmack kennt. Kräftig, dunkelhaarig, intelligent und auswanderungswillig sollte sie sein.

Er bekam einen Tipp und fuhr zur Apotheke nach Zetel. Drei Monate später wurde in Varel geheiratet, und Etta Sagemüller ging mit ihrem Mann nach Namibia. Neun Monate später kam Tochter Hille zur Welt, es folgten Eilert, Gerd, Almuth, Jan und Dirk.

„Meine Mutter wusste ungefähr, was sie erwartet“, berichtet Hille Schwarting, die derzeit bei ihrem Onkel Alfred Eden in Accum zu Besuch ist, „sie hatte eine Freundin, die dort als Kindermädchen gearbeitet hat“.

Das Leben der damals 25-jährigen Etta Schwarting änderte sich radikal. Fortan lebte sie in einem kargen Land, in dem es auch im Winter tagsüber selten kälter als 25 Grad ist. Die Gegend ist dünn besiedelt, der nächste Nachbar zehn Kilometer entfernt, der nächste Ort 60 Kilometer, und Selbstversorgung ist angesagt.

„Meine Mutter musste sich alles selber beibringen“, weiß Hille Schwarting. Aber sie war anpassungsfähig, lebte sich schnell auf der 9000 Hektar großen Farm mit Milchwirtschaft und Schweinen ein, baute eine Schafzucht auf und lernte das Land lieben.

Etta Schwarting genießt die Wärme, die Weite und das freie Leben in Afrika, Heimweh hatte sie nie. Erst 30 Jahre später kehrte sie das erste Mal zu Besuch nach Varel zurück. Nur eines fiel ihr in Afrika schwer: Sie musste ihre sechs Kinder ab dem sechsten Lebensjahr aufs 100 Kilometer entfernte Internat geben. Nur einmal im Vierteljahr kamen die Kinder nach Hause.

Sie haben alle eine deutsche Schule besucht, deutsche Sitten und Gebräuche wurden gepflegt. „Noch mehr als in Deutschland selber“, weiß Hille Schwarting. Deutsches Essen wie Bratkartoffeln kommt auf den Tisch, es wird Karneval und Weihnachten gefeiert. Allerdings mit einem Weißdornbaum statt einer Tanne. „Nur mit Kerzen gibt’s bei 40 Grad Probleme“, berichtet die Namibierin. Auch Ostereiersuchen kennt sie aus ihrer Kindheit. Lediglich auf Osterfeuer wird in der afrikanischen Hitze verzichtet.

35 Jahre lang waren Etta und Theodor Schwarting verheiratet, nach seinem Tod bewirtschaftet Sohn Gerd den Hof weiter. Etta Schwarting lebt mittlerweile in Windhuk, schaut aber noch regelmäßig auf ihrer Farm in Afrika nach dem Rechten.

Traute Börjes-Meinardus
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2502

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