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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Gegen die „Verspargelung der Natur“

16.02.2019

Grabstede Das Turmmodell ist einen Meter hoch, gebaut aus Holz und Pappe. Hans-Uwe Hillen (77) hält ein weiteres Stück Pappe in der Hand, wedelt damit ein wenig herum und das Innenleben des feingliedrigen Turms – ein Vertikalrotor – setzt sich in Bewegung. „Mit dem Turm kann man gleichzeitig die Sonnen- und die Windenergie nutzen“, konstatiert Hillen begeistert und wedelt schneller – doch der Rotor hält beständig seine Geschwindigkeit. „Das ist der Vorteil. Ich brauche kein Getriebe, so wie ein normales Windrad. Sobald die höchste Drehzahl erreicht wird, steigt die Geschwindigkeit nicht mehr weiter an, weil der Wind keine Angriffsfläche mehr hat“, erklärt der Grabsteder.

Der H-U-H Energieturm ist beileibe nicht die erste Erfindung, an der Hillen in seiner Freizeit getüftelt hat. Der gelernte Maurer beschäftigt sich seit vielen Jahrzehnten mit verschiedenen technischen Entwicklungen. Energieversorgung, Klima, Umweltschutz – alles große Schlagworte. Und für Hillen sind es eben nicht nur Worte. „Diese Themen sind für mich schon immer interessant. Als 1973 in Deutschland die erste Energiekrise kam, wusste ich: Es muss etwas passieren“, erzählt der Erfinder. Schon 1975 baute er also in seinem Heimatort Grabstede ein kleines Windrad. „Da gibt es noch Fotos, die Schwalben sind auf den Blättern immer mitgefahren“, erzählt er und lacht. Doch gleich darauf verdunkelt sich seine Miene. „Heute gibt’s ja leider kaum noch Schwalben. Alle Kreisläufe in der Natur hängen eben zusammen.“

Hillen und seine Lebensgefährtin Dora Frankemöller sind deshalb in Sorge. „Wir werden noch klarkommen bis zu unserem Lebensende“, vermutet die 78-Jährige. „Aber unsere Enkel? Wir müssen kämpfen für die folgende Generation“, darin sind sich beide einig. Hillen kann nicht still sitzen: Das Windrad in 1975 war nur der Anfang, es folgte ein Blockheizkraftwerk, „aus dem Motor eines R4-Autos“, denkt Hillen zurück und wirkt stolz. Ganze zehn Jahre lief diese außergewöhnliche Konstruktion. 1999 hatte er dann eine Idee im Kopf, wie es möglich wäre, eine Abgas- und Neutralisierungsanlage zu bauen. Außerdem doktert er daran herum, wie man innerstädtischen Verkehr vereinfachen könnte...

Andere Energien nutzen

In den vergangenen paar Jahren trieb ihn aber vor allem ein Oberthema um: Stromerzeugung und wie diese effizienter werden könnte. „Derzeitige Windkraftanlagen haben leider einige Nachteile: Sie sind unglaublich teuer, riesig, stören die Vögel. Sie machen Lärm, werfen Schatten und nehmen vor allem enorm viel Platz weg“, befindet Hillen. „Wenn das so weiter geht, haben wir bald keinen Acker mehr“, befürchtet der 77-Jährige. Überall stünden die Windräder und „verspargelten“ die Landschaft.

Er verfolgte die technischen Entwicklungen in der Energiebranche. „Da tut sich was. Das gefällt mir. Es gibt inzwischen zum Beispiel Photovoltaik-Anlagen, die beidseitig nutzbar sind – das ist mal eine gute Erfindung“, freut er sich und leitet dann über zu der Entwicklung seines H-U-H-Energieturms. „Auf den Namen kam meine Tochter. Es sind einfach meine Initialen.“

Das Modell ist konzipiert in einem Maßstab von 1:10. Aber auch bei größeren Bauhöhen sei der Turm sehr stabil. Bei den klassischen Windrädern ist das meiste Gewicht oben. „Bei meinem Turm ist der Generator unten, damit auch das Gewicht. So steht er sehr fest.“

Auf den Windleitflächen, die den Wind zum Rotor hinführen, könnten später im echten Turm beidseitig Solarzellen aufgebracht werden. „So hat man einen gleichmäßigen Ertrag“, ist sich Hillen sicher. Damit die Anlage in einer gewissen Höhe platziert werden kann, steht sie auf einem Sockel. „Den kann man beliebig nutzen. Als Gewächshaus, als Geräteraum, als Unterstand für Tiere“, macht Hillen einige Vorschläge. Denn die Anlage, die Hillen aus Aluminium konzipieren würde, um den Brandschutz zu gewährleisten, macht kaum Geräusche. Und der Ertrag? „Also ich denke, so 200 Watt pro Quadratmeter könnten wir bestimmt rausholen“, mutmaßt der 77-Jährige. Um das zu überprüfen, müsste sein Modell in die Realität umgesetzt werden. „Das ist mein großer Wunsch. Man kann ja klein anfangen. Dafür bräuchte man eigentlich nur einen guten Statiker.“ Naja, und Geld. Was würde der Bau etwa kosten? „Ich vermute, dass sich das im Bereich eines Kleinwagens bewegt“, schätzt Hillen. Zum Vergleich: Bei den richtig großen Windrädern, wie in Norddeutschland häufig zu sehen, sind nach Hillens Schätzung „Millionen im Spiel“.

Idee geschützt

Seine Erfindung hat Hillen bereits der Öffentlichkeit präsentiert, unter anderem bei der Arbeitsgemeinschaft 60+ der SPD, in der er selbst aktiv ist. Das Feedback sei durchweg sehr positiv gewesen. Verdeutlicht hat Hillen dabei das Potenzial seiner Entwicklung. Doch wem würde sie nutzen? „Gerade im privaten Bereich kann der Turm interessant sein. Vielleicht könnte man Energiegenossenschaften gründen“, wagt Hillen ein Gedankenexperiment. Mehr noch: „Man könnte die Anlage auch in Hochspannungsmasten einbauen. Dann würde man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“

Damit diese Idee von niemandem kopiert werden kann, hat Hans-Uwe Hillen vorsichtshalber ein Gebrauchsmuster-Schutz angemeldet. Übrigens auch nicht das erste. Stolz auf ihn ist seine Partnerin schon jetzt: „Ist doch klasse, welche Gedanken er sich macht, und diese technische Raffinesse...“ Aber manchmal, das gibt sie zu, muss sie ihn bremsen. „Dann sage ich ihm, dass er ab und zu auch mal an etwas anderes denken soll“, sagt sie und lacht. Na, ob sich Hans-Uwe Hillen davon aufhalten lässt?

Imke Harms Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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