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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Graf lernte Heilkraft des Seebadens schätzen

02.01.2010

Diese NWZ-Serie schildert Zusammenhänge und Hintergründe zu Varels Geschichte und Gegenwart.

Dangast/brw Drei Dinge fallen Einheimischen und Gästen zu Dangast spontan ein: Rhabarberkuchen, Franz Radziwill und der nahe Jadebusen. Den Rhabarberkuchen gibt es bekanntlich im Kurhaus Dangast, und das ist zugleich die Keimzelle des modernen Tourismus im Nordseebad Dangast. 1804 gründete dort der Graf Wilhelm Gustav Friedrich von Bentinck (1762 bis 1835) das Seebad Dangast und ließ ein Konversationshaus errichten. Er war Graf von Kniphausen und Varel. Bentinck hatte die „Balneologie”, die Heilkraft des Seebadens, in Südengland schätzen gelernt.

Das Gründungsjahr 1804 ist zumindest durch das amtliche Brandkassenregister belegt. Am 16. Juli des selben Jahres stand zudem in den „Jeverischen wöchentlichen Anzeigen und Nachrichten” zu lesen: „Daß diese Anstalt noch neu ist und erst im Entstehen ist; so kann man zwar noch nichts vollkommenes erwarten, indessen sind die Anstalten doch schon so, daß sie dem Zwecke entsprechen.” Die Werbetrommel hatte Wirkung: Schon im Jahr 1830 sollen sich 800 Badegäste in Dangast eingetragen haben.

1835 starb Wilhelm Gustav Friedrich von Bentinck. Sein gesundheitsförderndes Lebenswerk blieb erhalten. Unabhängig vom Geschick des jeweiligen Badeanstalt-Besitzers schlug mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Oldenburg-Heppens (später Wilhelmshaven) im Jahr 1867 die große Stunde des kleinen Fischer- und Bauerndorfes. 1890 lobte die „Wiener Badezeitung”: „Das . . . so reizend gelegene Nordseebad Dangast . . . ist eines derjenigen Bäder, wo sich noch billig und ohne großen Aufwand leben läßt.”

Die Schlichtheit und Unberührtheit, zugleich das Entlegene, reizten Künstler wie den Maler Karl Schmidt-Rottluff. Seine Malerkollegen der „Brücke“ besuchten das Fischerdorf und Seebad von 1907 bis 1912 regelmäßig in den Sommermonaten. Das Seebad übte weiterhin seinen Reiz auf kreative Köpfe aus. 1921 kam der Maler Franz Radziwill (1895 bis 1983) nach Dangast und verweilte ein paar Wochen. Gut ein Jahr später kehrte er an den Jadebusen zurück. Er lebte und arbeitete dort bis zu seinem Tode. Sein Wohnhaus und Atelier in der Sielstraße 3 ist heute Museum, eine Art begehbare Künstlerbiografie. Nach ihm kamen noch andere: Vorübergehend waren es Josef Beuys und der Begründer der Freien Akademie Oldenburg, Anatol Herzfeld. Fünf Jahrzehnte lebte der Maler Willy Hinck (1915-2002) in Dangast.

Es gibt auch eine moderne Version des Tourismus in Dangast, die sich um die Kurverwaltung am Alten Deich und den Kursaal drapiert. 1974 starteten die Bauarbeiten für ein damals einzigartiges Meerwasserquellbad, 1980 wurde die Nordsee-Kuranlage Deichhörn mit medizinischem Badebetrieb eröffnet. 1994 siedelte sich die Friesenhörn-Mutter-Kind-Kurklinik an. Und 1998 wurde der Umbau des vormaligen Meerwasserquellbades zum ganzjährig geöffneten Freizeitbad abgeschlossen. Zwei Campingplätze vor dem Deich gibt es auch – einen städtischen und einen privat betriebenen (in Zahlen: 2007 vermeldete Dangast 409 467 Übernachtungen. Davon hatte die Mutter-Kind-Klinik einen Anteil von 19,24 Prozent. 51,62 Prozent entfielen auf Pensionen und Ferienwohnungen, 7,5 Prozent auf Hotels und 21,64 Prozent auf Camping).

Privat betrieben wird auch nach wie vor das Kurhaus, heute im Besitz der Familie Tapken, deren Rhabarberkuchen legendär ist. Zu genießen freitags bis sonntags jeweils von 9 bis 19 Uhr.

Spezial unter www.NWZonline.de/varel-lexikon

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