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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Große Pläne und nicht viel übrig

20.12.2014

Hooksiel Es ist genau 40 Jahre her, dass der Seedeich südlich der Schleuse Hooksiel geschlossen wurde. Am 20. Dezember 1974 wurde Vollzug gemeldet. Die Eindeichung des Voslapper Watts war damals das größte Infrastrukturprojekt Niedersachsens und kostete rund 160 Millionen DM.

Heute erinnert ein Stein unweit des Außenhafens Hooksiels auf dem Deich an den Tag des Deichschlusses am 20. Dezember 1974. Der Klinkersockel ist schadhaft, der Stein steht wenig beachtet auf der Deichkrone, wohin man nur kommt, wenn man Schafzäune übersteigt.

Rückblickend lässt sich feststellen, dass die Pläne von damals nur zum Teil realisiert werden konnten. Von den angepeilten 5000 Arbeitsplätzen im neuen Groden sind lediglich ein paar hundert entstanden und die Raffinerie hat ihren Betrieb vor drei Jahren endgültig eingestellt.

Im Zuge der Eindeichung – die größte Landgewinnung an der Nordsee – wurden dem Meer 1630 Hektar abgerungen. Nur vier Monate nach der ersten Besprechung im Wilhelmshavener Rathaus lag der Vorentwurf des Wasserwirtschaftsamts Wilhelmshaven vor und wenig später wurden die Arbeiten ausgeschrieben.

Planfeststellungsverfahren? Anhörung? Fehlanzeige! Am 9. März 1971 starteten die Saugbagger die Aufspülung des Voslapper Watts. Das neu gewonnene Land sollte der Industrieansiedlung dienen.

Auf einer Länge von 15 Kilometern wurde ein drei bis fünf Kilometer breiter Wattstreifen an der Ostküste des Jeverlands eingedeicht. Die nördlich an Wilhelmshaven grenzende Landgemeinde Sengwarden kam 1972 zu Wilhelmshaven. Mit der Nachbargemeinde Wangerland sollte es wegen der Grenzziehung bei Hooksiel noch jahrelange Auseinandersetzungen geben.

Noch bevor der Deich geschlossen wurde, begann auf dem ersten Teil des aufgespülten Geländes der Aufbau der neuen Mobil-Oil-Raffinerie. 35 Millionen Kubikmeter Sand, um das Wattengebiet um bis zu 3,50 Meter zu erhöhen, entnahmen die gewaltigen Saugbagger der niederländischen Wasserbauer zum Teil der Jade, die für 250 000-Tonnen-Tanker vertieft wurde.

Während vom Geniusstrand her der Deich in Richtung Norden vorangetrieben wurde, wuchs nördlich des Hooksieler Außentiefs der rund drei Kilometer lange Abschlussdeich ins Watt.

Dabei entstand das 60 Hektar große Hooksmeer und ein neues Strand- und Campinggelände. Schleuse und Vorhafen bilden seitdem den Eingang zu Hooksmeer. Hooksiel – seit 1658 staatlicher Hafen – verlor den freien Zugang zur See.

Strittig war über Jahre die Grenze zwischen Industrie und Erholung – sprich zwischen Wilhelmshaven und Friesland bzw. Wangerland. In zähen Verhandlungen, in denen die Gemeinde sogar gegen Wilhelmshavener Pläne klagen wollte, einigte man sich: Auf der Südseite des Hooksmeers wurde eine 190 Hektar große Schutzzone geschaffen. Das Land Niedersachsen förderte den Ausbau des Fremdenverkehrs in Hooksiel mit mehr als 5 Millionen Mark – im Zuge dessen entstand das Meerwasser-Wellenbad.

Zu den Kuriositäten des größten deutschen Landgewinnungsprojekts gehört, dass es beim Bau des Jade-Weser-Ports Streit mit Umweltschützern darüber gab, ob man im Voslapper Groden eine Bahnlinie bauen dürfe. Deshalb wurde für Rohrdommeln mit hohem finanziellem Aufwand eine Lärmschutzwand errichtet. Ähnliche Schwierigkeiten drohen, wenn Pläne der Deutschen Flüssigerdgas-Terminal Gesellschaft (DFTG) für den LNG-Umschlag umgesetzt würden.

Bemerkenswert ist weiter, dass die Wangerland Tourismus GmbH seit zehn Jahren keinen gültigen Pachtvertrag für das Freizeitgelände hat. Auch der Zustand des vom Land zu unterhaltenden Außenhafens gibt immer wieder Anlass zu Klagen.

Rückblickend darf man festhalten, dass auf der Wangerländer Seite die Entwicklung eingetreten ist, die man sich vor 40 Jahren erhofft hat, auch wenn sich die See große Teile des Hooksieler Strands zurückgeholt hat. Aber das ist eine andere (unendliche) Geschichte.

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