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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Heimatliteratur ganz neu gedacht

11.11.2015
NWZonline.de NWZonline 2015-11-11T12:42:32Z 280 158

Menschen:
Heimatliteratur ganz neu gedacht

Schortens Rätselhafte Post, die viele Haushalte in Schortens, aber auch einige in Jever und dem Wangerland in der vergangenen Woche im Briefkasten hatten, und Plakate an Straßenlaternen und Buswartehäuschen: Hinter der geheimnisvollen Aktion unter dem Motto „wie viele zeilen passen zwischen jever und sande“ steckt eine wissenschaftliche Arbeit.

Yulian Ide, 28 Jahre alt und in Schortens aufgewachsen, schreibt gerade seine Masterarbeit im Fach Angewandte Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin über Heimatliteratur im ländlichen Raum. „Die schort.stories sind mein Abschlussprojekt, es sind acht Geschichten über Schortens“, erklärt er.

Ziel der Aktion, die in die Masterarbeit einfließt, ist herauszufinden, ob die Schortenser sich für Heimatliteratur begeistern können, wenn sie nicht in der üblichen Verpackung daherkommt – „sprich: im Buchladen, auf Papier gedruckt, und inhaltlich über Dinge, die älter sind, als die Leser selbst“, sagt Yulian Ide: „Ich glaube nämlich, dass Heimatliteratur auch online und digital mit ein bisschen Guerilla-Marketing und tagesaktuellen Inhalten ganz gut funktionieren kann.“

Dass zum Beispiel jetzt gerade Flüchtlinge in Schortens eine neue Heimat finden, müsste doch auch Gegenstand von Heimatliteratur sein können, findet er. Davon handelt seine Kurzgeschichte „kluntje teestundje“.

Das Bildmotiv zu dieser Geschichte, das sowohl auf den Postkarten als auch auf mehreren Plakaten in Schortens zu sehen ist, zeigt das klassische blaue ostfriesische Teeservice. Den Text bilden zwei Zitate aus der Kurzgeschichte – und zwar auch in arabischer Schrift. Und das hat offenbar viele Adressaten dieser Postkarte erschreckt. „Das war auch die Idee dahinter: die Schortenser ein bisschen aus ihrer Komfortzone locken“, beschreibt Yulian Ide, wie er auf sein Guerilla-Marketingkonzept gekommen ist.

Zugleich will er Schortens und den Schortensern ein kleines, digitales Denkmal setzen. „Denn vieles, was ich in der Ferne von Schortens und Friesland mitbekomme, macht mich ziemlich glücklich.“

Von seinen ominösen anonymen Postkarten hat Yulian Ide 160 verschickt – an alle Ratsmitglieder und den Bürgermeister, Journalisten, Ladeninhaber, Künstler und Kulturschaffende, Vereinsvorsitzende und sogar an den Förster und den Stadtbrandmeister. In der Nacht zu vergangenem Freitag hängte er dann noch im Ortskern 320 Plakate mit den Bildmotiven auf.

Nun will der 28-Jährige aus der bisherigen Anonymität heraustreten: Am Donnerstag, 12. November, steht er von 8 bis 12 Uhr auf dem Wochenmarkt Schortens vor dem Bürgerhaus. „Dort bekommt jeder Schortenser, der möchte, ein gedrucktes schort.stories-Buch von mir – gerne gegen eine freiwillige Spende.“ Und natürlich freut sich Yulian Ide über viele Rückmeldungen zu seinem Projekt.


Mehr Infos unter   www.schortstories.weebly.com