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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

„Macht Eure Hausaufgaben!“

14.12.2019

Hohenberge „Wir machen unsere Hausaufgaben und wir fordern, dass auch die anderen ihre Hausaufgaben machen.“ Gaby und Eckhard Cordes haben wie viele andere Landwirte den Kaffee auf. Die Düngeregeln für die Bauern sollen noch strenger werden und bedrohen die Existenz vieler Landwirte. Und nicht nur das: Während die Bauern jedes noch so kleine bisschen Gülle und Dünger schon lange genauestens dokumentieren müssen, werden beispielsweise für Kläranlagen Sonderregelungen beschlossen, um den Stickstoffablauf „schönzurechnen“.

Dabei könne der Stickstoffeintrag der Landwirtschaft in die Umwelt gar nicht so groß sein. „Mit der Gülle zu düngen ist Kreislaufwirtschaft“, sagt Gaby Cordes. Ein Teil von dem, was zum Beispiel Kühe an Nahrung zu sich nehmen, wird in Gülle umgewandelt. Das Futter für die Tiere kommt von den Feldern der Landwirte. Wollen die Bauern etwas auf ihren Feldern anbauen, müssen die Nährstoffe wieder aufs Feld kommen. Deshalb wird mit der Gülle gedüngt und die Pflanzen verbrauchen den darin enthaltenen Stickstoff beim Wachstum. Die Pflanzen landen dann wieder als Futter bei den Kühen auf dem „Teller“.

Dabei dürfen pro Hektar maximal 170 Kilogramm Stickstoff aus Gülle ausgebracht werden. Auf dem Hof Cordes, auf dem knapp 170 Tiere leben und von dem aus 255 Hektar Land bewirtschaftet werden, waren es zuletzt 159 Kilo Stickstoff. Mais oder Raps brauchen 180 bis 200 Kilo Stickstoff pro Hektar. „Es geht übrigens niemand hin und düngt mehr als er muss. Das kostet schließlich auch alles Geld“, sagt Gaby Cordes.

Dennoch bleibe am Ende etwas Stickstoff im Boden zurück. Deshalb bauen die Landwirte zum Beispiel Zwischenfrüchte an, die dem Boden den Reststickstoff entziehen sollen.

Im Vergleich mit den Klärwerken werde aber ganz eindeutig mit zweierlei Maß gemessen – und das an gleich mehreren Stellen. Denn anders als in der Landwirtschaft werde der von den Klärwerken abgegebene Stickstoff nirgends verbraucht, sondern landet direkt in den Gewässern. Eckhard Cordes rechnet vor: Legt man den täglichen Stickstoffablauf des Vareler Klärwerks aus dem Niedersächsischen Lagebericht über kommunale Kläranlagen von 2019 zugrunde, könnte man mit dem jährlich in die Umwelt abgegebenen Stickstoff rund 353 Hektar düngen.

Dazu kommt: Wenn während einer Dürre die Gewässer austrocknen, landet der Stickstoff im Boden. Bei Starkregen kommen viele Klärwerke an ihre Grenzen. Die Folge: Abwasser fließt ungeklärt in die Umwelt.

Und der Klärschlamm? „Der geht auch immer noch zu einem großen Teil auf landwirtschaftliche Flächen“, sagen Gaby und Eckhard Cordes. Nur können viele Landwirte mit dem Klärschlamm mittlerweile kaum noch etwas anfangen, der Phosphorgehalt darin ist hoch, viele Bauern sind bereits an der Grenze dessen, was sie an Dünger ausbringen dürfen.

Damit der Klärschlamm trotzdem auf die Felder ausgebracht werden kann, muss der darin enthaltene Phosphor nur zu einem Drittel auf die verwendeten Düngemittel angerechnet werden. „Aber das löst doch nicht das Problem“, sagt Gaby Cordes. Am Donnerstag hat der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband beschlossen, eine Verbrennungsanlage für den Klärschlamm zu bauen.

Während es in der Landwirtschaft Sperrfristen für die Gülleausbringung gibt, wird der Stickstoffablauf in Klärwerken bei Prozesstemperaturen unter zwölf Grad Celsius nicht angerechnet, weil die biochemischen Abläufe bei niedrigen Temperaturen nicht so effizient ablaufen.

Im neuen Agrar-Paket ist unter anderem von einer Düngegrenze von zehn Metern zum nächsten Gewässer die Rede. Bei den vielen Gräben hier in der Region bleibe dann aber kaum noch etwas vom Land der Bauern übrig.

„Für Landwirte gelten strenge Kontrollen und eine Nulltoleranzgrenze“, sagt Gaby Cordes. „Bei den Kläranlagen gilt Selbstkontrolle. Trotzdem werden flächendeckend alle Landwirte angeprangert. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und nicht nur eines der Landwirtschaft.“

Christopher Hanraets Varel / Redaktion Friesland
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