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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

In der Baubude Lösung gefunden

01.09.2016

Cäciliengroden Der Kampf der Friesen gegen die See hat auch im 21. Jahrhundert seine Aktualität nicht verloren. Am 30. August 1996 demonstrierten Tausende schweigend und in fast besinnlicher Atmosphäre mit Fackeln auf den Deichen des Jadebusens gegen einen Baustopp, den das Verwaltungsgericht Oldenburg nach einer Klage des Naturschutzes verhängt hatte. Der BUND als federführender Naturschutz-Verband wollte mit der Klage aus seiner Sicht umweltschonendere Deichbaumethoden durchsetzen – die Küstenbewohner sahen darin eine Verzögerung und ihre Sicherheit bedroht.

Am Dienstagabend, genau 20 Jahre nach der Demonstration, brannten erneut Fackeln auf dem Deich bei Cäciliengroden: Die ev. Kirchengemeinde Sande, die Siedlergemeinschaften und der III. Oldenburgische Deichband hatten zur Erinnerung an die spektakuläre Aktion eingeladen.

20 Fackeln brennen

Wie damals standen Menschen auf dem Deich am Ende der Fritz-Erler-Straße. Sie erinnerten mit 20 Fackeln an ihren erfolgreichen Kampf für mehr Küstenschutz: Denn der Klimawandel mit steigendem Meeresspiegel erfordert stete Wachsamkeit.

Begonnen hatte der Abend mit einer Andacht mit Pastor Gerd Pöppelmeier in der Cäciliengrodener Christuskirche. Er erinnerte daran, dass Küsten- und Naturschützer nach der Fackeldemonstration miteinander und nicht gegeneinander in einer „Baubude“ binnendeichs im kleinen Kreis den Weg für eine Lösung geebnet haben. „So wurden Ökonomie und Ökologie im Interesse von Gottes Schöpfung zukunftsweisend berücksichtigt. Denn die Natur kann ohne uns leben, wir aber nicht ohne Natur“, erinnerte Pöppelmeier.

Eilt-Onno Garlichs, Vorsteher des III. Oldenburgischen Deichbands, berichtete von den 16 000 Menschen, die vor 20 Jahren Fackeln rund um den Jadebusen angezündet und friedlich für einen sicheren Deich demonstriert hatten. Die Einigkeit, die sich beim Gespräch in der „Baubude“ entwickelt habe, sei richtungsweisend für künftige Deichbau-Projekte geworden.

„Es war ein hartes Ringen – ein Geben und Nehmen“, sagte Früsmer Ortgies, der als Deichband-Vorsteher damals an den Verhandlungen teilnahm. Er und sein Stellvertreter Hans-Heinrich Schrievers hatten mit den Prozessgegnern Holger Wesemüller (WWF) und Carl-Wilhelm Bodenstein-Dressler (BUND) im Januar 1997 den außergerichtlichen Vergleich zur uneingeschränkten Baufortsetzung ausgehandelt.

Auch Meinfried Strienitz von der Universität Lüneburg war daran beteiligt. Er war im Oktober 1996 vom niedersächsischen Umweltministerium mit der Leitung einer Projektgruppe zur Verbesserung des Verfahrensmanagements im Küstenschutz betraut worden. „Er agierte sehr kompetent und diplomatisch“, sagte Hans-Heinrich Schrievers rückblickend.

Striegnitz warf einen Blick auf die Geschichte des Deichbaus: Bereits vor 800 Jahren entstand die geschlossene Deichlinie mit Sielen – gebaut von genossenschaftlichen Zusammenschlüssen, die aus Kirchengemeinden hervorgingen, berichtete er. „Küstenschutz durch Deichbau wurde verbindlich in der Rüstringer Rechtsschrift als Rechte und Pflichten dokumentiert – 1965 sind sie ins Niedersächsische Deichgesetz eingeflossen.“ Gegen das Recht auf Küstenschutz seien die Naturschützer vor 20 Jahren vor Gericht gezogen und erreichten einen Baustopp für die Deicherhöhung. Dazwischen standen die Anwohner, die bei einer Sturmflut um ihr Hab und Gut fürchteten.

Zehn Grundsätze

Am 26. Februar 1999 präsentierte die Gruppe um Striegnitz in Cäciliengroden zehn Grundsätze für effektiveren Küstenschutz. In der Präambel wird festgestellt: „Küstenschutz und Naturschutz sind keine unvereinbaren Gegensätze. Bei allem zweifellos vorhandenen Konfliktpotenzial ist ein konstruktives Miteinander von Küstenschutz und Naturschutz gestaltbar und praktikabel.“

Diese Leitlinie wurde bei den weiteren Küstenschutz-Maßnahmen des III. Deichbands erfolgreich zugrunde gelegt und auch am Elisabethgrodendeich umgesetzt.

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