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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Rund um die Uhr für Graften im Einsatz

10.10.2019

Jever Dienstag, 4.35 Uhr. Auf Facebook poppt folgender Post auf: „An der Graft bei der Brauerei ist ein Tier stark am Humpeln – sieht aus wie eine braune Gans.“

Nur wenig später kommen die ersten Kommentare – 18-mal wird darauf hingewiesen, dass sich darum das Graftenteam kümmert. Und das Graftenteam kümmert sich tatsächlich: „Dabei handelt es sich um unseren Höckerganter Gustav. Er ist mittlerweile 28 Jahre alt und leidet unter Arthrose. (...) Auch wenn der Anblick für manche vielleicht etwas ,unschön‘ ist, so ist das, was man da sieht, doch einfach nur ein liebenswerter älterer Herr, der nicht mehr ,Gans‘ so gut zu Fuß ist.“

Höckerganter Gustav. BILD: Michi Frerichs

Uralter Gustav: Mit 28 Jahren wird der Höckerganter von Arthrose geplagt

Zurzeit erreichen das Graftenteam Jever aber auch jeversche Tierärzte tagtäglich Hinweise, weil an der Pferdegraft in Jever eine Gans schlimm humpelt. Dabei handelt es sich um Höckerganter Gustav. Er ist 28 Jahre alt und leidet unter Arthrose – in der kalten Jahreszeit verstärkt sich die Arthrose, das ist genau wie beim Menschen.

Das Graftenteam weist darauf hin, dass Gustav unter ständiger Beobachtung steht und tierärztlich versorgt wird. „Sollte sich sein Zustand verschlechtern, wird die Tierärztin sofort benachrichtigt. Noch geht es ihm den Umständen entsprechend gut“, sagt Michi Frerichs.

Mit seinen 28 Jahren hat Gustav das geschätzte Höchstalter von 20 bis 25 Jahren für Höckergänse längst überschritten. Aber in Parks und Anlagen leben solche Vögel natürlich auch viel geschützter als in der freien Natur: Sie werden gut gepflegt, gefüttert und besuchen bei Bedarf auch sofort einen Tierarzt. „Deswegen ist Gustav auch so alt geworden. Und deswegen hat er nun auch Alterserscheinungen und Krankheiten, die man im Alter halt so bekommen kann“, erklärt Michi Frerichs: Das Graftenteam unterstützt ihn, etwa durch Stege, damit er leichter aus dem Wasser kommt.

„Man muss sagen, dass Gustav trotz seines schlechten Gangbilds für sein Alter in einem guten Zustand ist. Er frisst, er trinkt, er schwimmt und er bewegt sich. Seine Mädels Liese und Lotte halten ihn auf Trab, passen sich aber auch seinem Tempo an“, betont das Graftenteam.

Diese Erklärung kommt postwendend. Gepostet hat sie Michi Frerichs – seit 2017 kümmert sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Torsten, mit Serena Falkenhof, Alex Bohms, Lars Oltmanns und natürlich „Schwanenmutter“ Anneliese Janssen um die Enten, Gänse und Schwäne auf den Graften. Mittlerweile sind sie Profis in Sachen Wasser-Vögel – und werden oft um Rat gefragt.

Wenn Michi Frerichs etwa sonntags die „Prinzen“ im Schlosspark füttert – die letzte Brut von Warzenente Erna – ist sie sofort umlagert. Denn die Enten kommen mit weit ausgebreiteten Flügeln auf sie zugerannt, sobald sie sie sehen. „Und dann muss ich den Spaziergängern regelmäßig die Geschichte von der Kükenrettung erzählen.“ Kindergärten und Schulen lassen sich mittlerweile ebenfalls gern vom Graftenteam aus dem Leben der Wasservögel erzählen.

Die „Sechs von der Graft“ sind ein fröhliches Team – und längst Freunde geworden. So gehen ihre Aktionen auch stets mit viel Gelächter und flotten Sprüchen vonstatten.

Was im Sommer 2017 damit begann, Anneliese Janssen bei der Reinigung der Pferdegraft zu helfen, ist längst zum Haupt-Ehrenamt des Graftenteams geworden: „Wir sind mittlerweile in ganz Jever bekannt – und werden rund um die Uhr informiert und angesprochen darauf, was an den Graften passiert“, sagt Serena Falkenhof: Zum Beispiel, dass „Gustav“ humpelt, aber auch, dass in der Graft Müll treibt, Jugendliche dort ihr Unwesen treiben, Enten verletzt sind und und und.

„Irgendwann kam der Hinweis, dass in der Blankgraft am Graftenhaus ein Rollator liegt – das sind Momente, da schwant einem Schlimmes“, erzählt Serena Falkenhof. Doch tatsächlich war nur ein Rollator in die Graft gerutscht – zum Glück kein Mensch.

„Mittlerweile werden wir auch gefragt, ob wir ein bestimmtes Fahrrad aus der Graft gefischt haben“, erzählt Michi Frerichs: Ihrer Nachbarin wurde ein Rad gestohlen – sie hofft nun, dass es wie viele andere Fahrräder in der Graft gelandet ist. „Wir sind also inzwischen auch Fund- und Vermisstenstelle“, sagt sie und schmunzelt.

Bei den regelmäßigen Graftenreinigungen, zu denen das Team mehrmals im Jahr aufruft, kommt neben Fahrrädern auch viel Müll zum Vorschein. „Das muss nicht sein“, finden alle Sechs. Für sie ist selbstverständlich, dass sie auf ihrem Weg durch die Wallanlagen alles aufsammeln, was dort nicht hingehört. Und ihr Beispiel macht Schule: „Eine Bekannte hat extra einen Müllgreifer angeschafft – die ganze Familie sammelt mittlerweile Müll in den Wallanlagen auf, wenn sie mit dem Hund an der Graft entlang kommen“, sagt Serena Falkenhof.

Natürlich hat sich das Graftenteam auch am Bürger-Workshop zur Graften-Sanierung beteiligt. Wenn das Land zustimmt, die Wallanlagen ins Sanierungsgebiet IV Lohne/Schlachte/Hooksweg aufzunehmen, will die Stadt mehrere Millionen Euro in die Hand nehmen, um den gesamten Bereich neu zu gestalten. Der Großteil der Vorschläge, die ins Sanierungskonzept eingeflossen sind, stammt von den Sechs von der Graft.

Bis es losgehen kann mit der Sanierung und Umgestaltung, wünscht sich das Graftenteam einen Schutzzaun zwischen Elisabethufer und Pferdegraft zum Schutz der Enten, Gänse und Schwäne vor dem Verkehr; auch Tempo 30 an Elisabethufer und von Thünen-Ufer wäre hilfreich. „Die Vögel trinken gern mal aus dem Rinnstein – da kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen und sie geraten fast unter die Räder.“

Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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