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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Der tägliche Spagat der Landwirte

26.02.2019

Jever Auf einen Spagat, den die Landwirte täglich hinlegen müssen, hat Albert Schulte to Brinke am Montag beim Agrarforum der Volksbank Jever im Immobilienzentrum verwiesen. Der Milchbauer aus Bad Iburg im Kreis Osnabrück, der im Dezember 2017 zum neuen Präsidenten des niedersächsischen Landesbauernverbandes gewählt wurde, referierte bei der neunten Auflage des Bauernfrühstücks. Der Bauernpräsident bewies sich auch in Jever als ein profunder Kenner zum Thema „Spannungsfeld Landwirtschaft – Status quo und Perspektiven“.

Dass Reden über Landwirtschaft heutzutage weniger auf fachliche Details abzielt, stattdessen grundsätzlicher geworden ist, wurde an der Rede des Landvolkpräsidenten Albert Schulte to Brinke vor den 120 Landwirten aus dem Jeverland deutlich. Er unterstrich, dass die Landwirte als Unternehmer auf Liberalisierung, Wettbewerb und Harmonisierung der Rahmenbedingungen setzten.

Zudem müssten Ökonomie, Ökologie, Nachhaltigkeit und soziale Aspekte im „gesunden Einklang“ zueinander stehen und Dinge verbessern, statt zu verbieten.

Schulte to Brinkes Botschaft an die Politik: „Veränderungen müssen Verbesserungen bedeuten, wir müssen als Partner auf Augenhöhe behandelt werden“. Die Betriebe bräuchten zudem lange Übergangsfristen für einen Umbau, sonst können sie diesen nicht leisten. „Landwirtschaft geht nicht, wenn es in der Kasse nicht stimmt.“

Die Komplexität der Landwirtschaft gegenüber der Öffentlichkeit sei kaum vermittelbar, weil auch viele Nichtregierungsorganisationen (NGOs), „das Stöckchen immer höher halten“, stellte der Gast anhand der Tierwohldebatte um Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner fest.

Ein Belastungstest

Die künftige Ausrichtung ihrer Höfe gestaltet sich auch für Tierhalter zum Belastungstest. „Die Politik hat auf die vielen immer wieder zu Recht gestellten Fragen unserer Bauern keine befriedigenden Antworten“, kritisierte der Landvolkpräsident. „Allen voran treibt die Sauenhalter die Frage um, ob die Gesellschaft für sie überhaupt noch eine Zukunft sieht.“

Schulte to Brinke sieht seinen Berufsstand aber auch zu Unrecht an den Pranger gestellt, weil vielfach „Schwarze Schafe“ die Verursacher sind. Die Milchwirtschaft werde für Niedersachsen, wie auch für den Landkreis Friesland ein bedeutender Wirtschaftsfaktor bleiben und die Weidehaltung gehört zum Landschaftsbild der Region, so Schulte to Brinke. Alternative mechanische Bewirtschaftungsmethoden hätten einen höheren CO2-Ausstoß zur Folge, was den Klimazielen des Bundes entgegenstünde.

Entschieden wandte sich Schulte to Brinke gegen Bilder, die nicht zu entschuldigende Zustände in Ställen, oder auf Schlachthöfen zeigen. Und Tebbe Meyer von der Molkerei Rücker brachte es in der Diskussion auf den Punkt: Kein Landwirt zieht ein Tier auf, das im Schlachthof gequält wird. Günstige Fleischpreise sind nicht mit Billiglöhnen zu erreichen, so Meyer, und forderte eine gerechte Entlohnung und menschenwürdige Behandlung der Schlachthofmitarbeiter.

„Wir kümmern uns um die roten Stellen, mit der gebotenen Vehemenz“, so der Präsident zur Grundwasserbelastung.

Keine falschen Illusionen

Grundsätzlich dürfe sich kein Landwirt falschen Illusionen hingeben: „Was wir draußen tun, hat Folgen für die Natur und hier handeln Landwirte umsichtig.“ Zu den aktuellen Herausforderungen zählte der Landvolkpräsident vor allem die Auseinandersetzungen um den Brexit, den Agrarhaushalt, die Folgen der sommerlichen Dürre, die Ausgestaltung der zukünftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), die Verschärfung des Düngerechts sowie das Auslaufen vieler Zulassungen im Bereich Pflanzenschutz.

Zu den Gästen, die Michael Engelbrecht als Vorstandsvorsitzender der Volksbank Jever begrüßte, gehörte auch der Direktor der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Hans-Hermann Harms und die Vorsitzende der Kreislandfrauen Friesland-Wilhelmshaven Ellen Kromminga-Jabben. Engelbrecht hob hervor, dass es der Genossenschaftsbank gelungen sei, ihre landwirtschaftlichen Kunden durch die Talsohle der vergangenen Jahre zu führen.

Für Landrat Sven Ambrosy ist die digitale Entwicklung mit dem Mobilfunk zukunftsentscheidend und er sei stolz darauf, dass Friesland an vorderer Stelle in der niedersächsischen Wirtschaftsentwicklung stehe. Er lobte das partnerschaftlich erarbeitete Raumordnungsprogramm.

Dem aktuellen Thema Biosphärenreservat stellte Kreislandwirt Hartmut Seetzen ein klares Nein zur neuen Gebietskulisse entgegen.

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