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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Wenn der „Kolibri“ schwärmt

19.07.2018

Jever „Gibt es Kolibris auch in Deutschland?“ Vor allem in den Sommermonaten wird diese Frage gelegentlich gestellt, zumeist in recht verwundertem Tonfall.

Und die Antwort ist jedes Mal ein eindeutiges Nein! Die Vogelfamilie der Kolibris mit ihren mehr als 300 verschiedenen Arten ist in ihrem heutigen Vorkommen auf die „Neue Welt“ – Süd-, Mittel- und Nordamerika – beschränkt.

Autor Werner Menke, Jever, ist als Naturschützer und Heimatforscher bekannt. Er ist Naturschutzbeauftragter des Landkreises und Vorsitzender der WAU.

Und doch glauben immer wieder Naturbeobachter, dass sie auch bei uns Kolibris gesehen hätten, die mit schnellem Flügelschlag in der Luft stehen und aus Blüten Nektar saugen – also ganz das für diese Vögel typische Muster des Nahrungserwerbs zeigen. Die Beobachtung als solche trifft sogar zu, nur handelt es sich dabei nicht um einen Vogel, sondern um einen Schmetterling, das Taubenschwänzchen.

Nachtaktiver Schwärmer

Das Taubenschwänzchen gehört zur Familie der Schwärmer, zu der einige unserer eindrucksvollsten Falter wie das Abendpfauenauge, der Mittlere Weinschwärmer und der Ligusterschwärmer, aber auch kleinere und unscheinbare Arten gehören. Die meisten Schwärmer sind nachtaktiv, das Taubenschwänzchen dagegen ist am Tag unterwegs.

Das Unterwegs-Sein darf man durchaus wörtlich nehmen, denn die Art gehört zu den Wanderfaltern, die große Strecken zurücklegen können. So gelangen aus dem Mittelmeerraum stammende Taubenschwänzchen bis in den hohen Norden Skandinaviens.

Mit ihrem bis knapp drei Zentimeter langen Rüssel können die Taubenschwänzchen wie auch viele andere Schmetterlingsarten Nektar auch aus tiefen Blütenröhren saugen, die für die kurzrüssligen Bienen und Hummeln nicht zugänglich sind. So sieht man sie besonders an Wild- und Gartenpflanzen mit langröhrigen oder gespornten Blüten wie dem Roten Fingerhut, dem Schmetterlingsflieder (Buddleja) oder dem Staudenphlox. Und selbst in Großstädten sind sie gelegentlich an Balkonpflanzen wie Fuchsien, Petunien und Pelargonien zu entdecken.

Verbreitung des Taubenschwänzchens

In unseren Breiten können sich die mit den ersten Schüben im Juni aus dem Süden eingewanderten Falter im Sommer reproduzieren; sie legen ihre Eier an verschiedenen Labkrautarten ab, von deren Blättern sich die Raupen ernähren. Die nach je 20 Tagen dauernder Raupen- und Puppenphase schlüpfenden Falter fliegen ab August bis in den Oktober hinein.

Man nimmt an, dass ein beachtlicher Teil davon in den Mittelmeerraum zurückwandert; von den bei uns zurückbleibenden Taubenschwänzchen würden die meisten den Winter nicht überstehen.

Allerdings nehmen die Zahlen von Frühjahrsbeobachtungen der Art in Deutschland zu, ein Hinweis darauf, dass doch immer wieder ausgewachsene Falter an geeigneten frostsicheren Stellen erfolgreich überwintern können, zumal in klimatisch begünstigten Regionen wie dem Oberrheintalgraben. Möglicherweise steht diese Entwicklung in Zusammenhang mit der Klimaerwärmung.

Vor solchen Blumen stehen sie in ihrem typischen Schwirrflug, dessen einzelne Flügelbewegungen wegen der hohen Schlagfrequenz für das menschliche Auge nicht erkennbar sind, und führen ihren Rüssel in die Blüten ein, um nach wenigen Sekunden schnell zur nächsten Blüte weiterzufliegen und dort den zuckerhaltigen Nektar aufzusaugen.

Bis 80 Km/h schnell

Eine Vielzahl solcher Blütenbesuche ist erforderlich, um den hohen Energiebedarf dieser schnell fliegenden Schmetterlinge abzudecken, die Fluggeschwindigkeiten von 60 bis 80 Stundenkilometern erreichen können.

In einem Lexikonartikel über Kolibris heißt es: Diese Vögel „führen ihren Schwirrflug mit einer sehr hohen Frequenz aus. Mit ihren beweglichen Flügeln können sie auf der Stelle fliegen, um Nektar zu trinken. Sie können auch seitwärts und sogar rückwärts fliegen […] Die Kolibris ernähren sich vorwiegend von Blütennektar. Diese sehr energiereiche Nahrung macht den kraftraubenden Flugstil erst möglich.“ (Quelle: wikipedia)

Exakt die gleichen Aussagen treffen auch auf die Taubenschwänzchen zu, die deswegen gelegentlich auch mit dem Namen Kolibrischwärmer bezeichnet werden.

Und so sei schließlich die Eingangsfrage noch einmal aufgenommen und neu beantwortet: Kolibris gibt es in Deutschland nicht, sehr wohl aber Kolibrischwärmer. Und gerade der gegenwärtige außergewöhnlich schöne Sommer gibt sicher noch viel Gelegenheit, diesen bemerkenswerten Schmetterling bei uns zu beobachten.

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