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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Pilsener als grüner Partner

16.10.2017

Jever Werbung für das in Jever gebraute Bier und für die Stadt, dazu friesisch herber Humor, um launig über jeversche und regionale Befindlichkeiten herzuziehen – das gehörte auch zur 327. Bierprobe. Und wen wundert’s: Auch der neue Jahrgang hat die Prüfungskommission überzeugt. Er braucht also nicht weggeschüttet oder an die Armen verschenkt zu werden, wie es einst Fräulein Maria anordnete. Schon vor dem Reinheitsgebot gab es in Jever ab 1409 die „Städtische Bierbeschau“, deren Tradition das Friesische Brauhaus wieder aufleben ließ.

Das positive Prüfungsergebnis nahmen Stadtrat, Vereinsvertreter und Vertreter aus Politik und Wirtschaft beim Umtrunk im Schalander wohlwollend zur Kenntnis und der Gerstensaft floss reichlich durch die durstigen Kehlen.

Anspannung derweil beim Catering-Team der Fleischerei Janßen, das in Sorge war, mit dem verspäteten Beginn und der immer wieder überzogenen Redezeit das Braumeisterfrühstück – Rührei, Krabben und Bratkartoffeln – ohne Geschmacksverluste auf den Tisch zu bringen.

Als Leiter der 13-köpfigen Prüfungskommission hatte Werner Magnus die Aufgabe, das Prüfungsurteil zu verkünden: „Der Jever-Sud besonders fein, friesisch herb, sensorisch rein. Das Gremium kann hiermit sagen, eine Alternative kommt nicht zum Tragen.“ Als Querdenker bezeichnete er seine Kommission, die es diesmal schaffte, bis 22.13 Uhr das Fass zu leeren, um sich danach beim Besuch einiger Gaststätten eine Zweitmeinung einzuholen.

Ergebnis: „Glücklich ist eine Stadt, die solche Brauer hat“. Oder: „Lass mich deinen Hals berühren, deinen Mund zu meinem führen. Ich liebe dich, du bleibst bei mir“ – ein besonders sinnlicher Spruchvorschlag. Magnus plauderte auch aus dem Nähkästchen der Klausur. Bemerkungen wie „zu herb“, „nicht blumig genug“, „kein Aroma“, Schaum zu hoch oder zu niedrig und letztendlich doch nicht genug vom Gerstensaft, fielen in der bierlaunigen Runde.

So richtig in Schwung kamen gleich zu Beginn die 13 weiblichen Bierprüferinnen der „ewigen Prüfungskommission“. Dem neuen Rumormeister Olaf Lies gefiel’s, und er forderte nicht mit lauten Hammerschlägen zum „Silentium“ auf. Denn ganz im Sinn des Wirtschaftsministers förderten sie mit ihrem lautstarken „Proohoost“ den Bierumsatz. In einem neuen schwarzen T-Shirt mit „I Iove Jever“ traten die Damen auf und hatten wieder ihre Sparflasche für einen wohltätigen Zweck aufgestellt.

Dass das Jever in exzellenter Qualität auf den Markt komme, dafür steht Betriebsleiter Christian Schmidt mit seinem Team, lobte Geschäftsleitungsmitglied Rüdiger Röhnisch bei der Begrüßung der mehr als 100 Gäste. Bei denen entwickelte sich schon gleich zu Beginn ein mächtiger Durst angesichts der recht hohen Temperaturen im Schalander.

Von vielen Veränderungen im Braujahr berichtete Betriebsleiter Christian Schmidt. In der Flaschenabfüllung wurde ein Leerflascheninspektor, der 1200 Flaschen pro Minute kontrolliert, eingebaut. Damit niemand in der dreiwöchigen Bauphase zur Einrichtung des neuen Tunnelpasteurs auf sein Bier verzichten musste, wurde vorsorglich vorgefüllt. Langfristige Kontrakte sichern auch für das neue Braujahr die Lieferung guter Gerste, beruhigte er angesichts der geringen Ernteerträge in diesem Jahr.

Dem scheidenden Rumormeister, Unternehmer und Arbeitgeber-Präsident Jade, Tom Nietiedt, gelang es vortrefflich, seine lokalen und weltpolitischen Informationen humoristisch und satirisch-kabarettistisch vorzustellen. Er hatte ein Jahr lang dafür zu sorgen, dass bei den jeverschen Bierbrauern und im Gastgewerbe Sitte und Anstand herrschen. Dass seinem Amt großer Respekt gezollt und ihm Ehrfurcht, aber auch Furcht entgegengebracht wurde, erklärte er sich durch das Fernbleiben des Bürgermeistes und des Landrats bei seinen Inspektionsreisen, wo sie doch sonst immer von Fototermin zu Fototermin eilen. In Berlin möchte man nach Jamaika reisen und ab Montag sicherlich auch in Hannover, berichte der Rumormeister. Mit Blick auf seinen Nachfolger Olaf Lies meinte er: „Die SPD ,Schulzt‘ derweil zufrieden in der Opposition.“

Nietiedt bezeichnete es als gute Sitte, außerhalb des „Jeveraner Heerlagers“ als Bote der friesischen Braukunst aufzutreten, und nicht wie Geschäftsführer Michal Reitze in Bielefeld Herforder Pils zu trinken. Er kritisierte die immer offensivere Verbreitung der „Spaßbiere“ – wilde Fruchtgemische, wo bunte Farben das vertraute Goldgelb ersetzen mit der Krönung: Radler Alkoholfrei. Dem politischen Großkreis Wilhelmshaven-Friesland, auch mit Wittmund, wurde eine Absage erteilt, dafür rief er als Rumormeister den Geschmacksgroßkreis „Jade-Wirtschaftsraum“ aus.

Seinem Nachfolger Olaf Lies empfahl er: „Hab ein Auge auf die guten Dinge, die schwächelnden Abweichler, die Verwirrten und die Spaßvögel.“ Für die kommende Legislaturperiode empfahl er Lies, die Entscheidung zum Jever Pilsener sei „ein grüner Partner“ genug, gleichwohl zu viel Rot zu vermeiden, denn Rot und Rot beißen sich.

Die Idee mit dem Geschmacksgroßkreis zuzüglich der Wesermarsch griff Wirtschaftsminister Olaf Lies als bekennender Anhänger einer starken Region in seiner Antrittsrede als Rumormeister auf. Weil die „Dickschädel“ noch zu groß sind könne man mit dem 40prozentigen Jever Digestif die Nachbarn von den Qualitäten überzeugen und es entstehen neue Ideen. Beim Jade-Weser-Port schlug er eine Verständigung auf Jever-Pils-Port vor. In seinem neuem Ehrenamt als Heiratsvermittler auf dem Brookser Heiratsmarkt habe er, so Lies, bei einem Fassbieranstich, wenn auch mit falschem Bier, erfolgreiche Arbeit geleistet. Auch die korrekte Aussprache des Jever mit „f“ und nicht mit „w“ vergaß Lies in seinen Ausführungen nicht. Er könne sich auch Landrat Sven Ambrosy als hochattraktiven „Jever-Mann“ vorstellen. „Was in Jever mit der Prüfungskommission beim Bier funktioniert“, so Lies, „brauchen wir in Wolfsburg, um gute Autos zu bauen. Dem Bismarck-Zitat „es ist ein Grundbedürfnis der Deutschen, beim Bier schlecht über die Regierung zu reden“, konterte Lies: „Dafür gibt es aktuell überhaupt keinen Grund.“


von Dietmar Reck

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