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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Von Null auf Tausend in knapp 25 Jahren

17.10.2019

Jever Sechs Monate lang hat Lena Nachreiner, Studentin der Landschaftswissenschaft, 2018 als Naturschutzwartin auf Mellum gelebt. Dort hat sie sich intensiv mit den Löfflern befasst: Über die Brutpopulation von inzwischen 177 Paaren Löfflern auf Mellum hat sie ihre Bachelorarbeit geschrieben.

Vogel-Rastplatz Forst Upjever

Im Rahmen der 11. Zugvogeltage, bietet die WAU am Samstag, 19. Oktober, einen Waldspaziergang durch den Forst Upjever an: „Der Forst Upjever – ein wichtiger Rastplatz für ziehende Singvögel nach ihrem Flug über die Nordsee“, lautet das Motto.

Treffpunkt ist um 14.30 Uhr der (Wald-) Parkplatz Einfahrt Addernhausener Str./Jeversche Allee (gegenüber Lokal ‚Waldschlösschen‘).

Im Fokus der Zugvogeltage stehen traditionell die Arten, die auf dem Zug zu ihren Winterquartieren im Wattenmeer Zwischenstation einlegen oder überwintern. Über die Nordsee und das Wattenmeer ziehen aber auch viele Singvogelarten, die ihre Rastplätze weniger direkt an der Küste als im baumbestandene Hinterland finden. Hier halten sich z. B. Rotdrosseln, Bergfinken, Fichtenkreuzschnäbel und Erlenzeisige bevorzugt auf. Der Forst Upjever stellt das erste große Waldgebiet im Küstenhinterland dar, hier ist eine gute Gelegenheit, baumliebende Zugvogelarten (und weitere Waldbewohner wie Meisen, Spechte, Kolkraben) zu beobachten.

Und der Hooksieler Hans Uhlmann hatte ebenfalls von 2016 bis 2018 als Naturschutzwart mehrere Monate auf Mellum verbracht und die Löffler beobachtet. Er hat insbesondere die Ringe markierter Vögel abgelesen. Die Antworten, die er auf seine Ringmeldungen bekam, enthielten auch weitere Ablesedaten aus anderen Orten – so kann er die Zugrouten von auf Mellum beobachteten Vögeln nachvollziehen.

Zum Auftakt der WAU-Vortragsreihe ist es Brauch, dass der erste Abend den Zugvogeltagen gewidmet ist. Und so konnte Werner Menke, Vorsitzender der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Natur und Umweltschutz weit über 50 Zuhörer im Anton-Günther-Saal begrüßen – das belegt, dass der Löffler nicht nur eine auffällige Vogelart des Wattenmeers ist, sondern auch eine interessante. Als Brutvogel ist der Löffler indes erst seit knapp 25 Jahren im Wattenmeer zu beobachten.

Ausgehend von der Brutpopulation in den Niederlanden, die zu jener Zeit stark anwuchs, wurden die Ostfriesischen Inseln in den 1990er Jahren zunehmend durch den Löffler besiedelt. 1995 fanden erste erfolgreiche Bruten auf dem Memmert statt, im Folgejahr nistete die Art erstmals auf Mellum. Inzwischen sind fast alle ostfriesischen Inseln besiedelt und die Löffler haben ihr Brutgebiet auch auf die nordfriesischen Inseln und Dänemark ausgedehnt. Vom Flugzeug aus vorgenommene Zählungen im vergangenen Sommer erbrachten allein für die deutsche Nordseeküste einen Bestand von über 1000 Brutpaaren.

Von Null auf Tausend in nicht einmal 25 Jahren – das ist eine Erfolgsgeschichte sondergleichen, über der allerdings nicht vergessen werden darf, dass viele andere Vogelarten deutlich in Abnahme begriffen sind, berichteten Lena Nachreiner und Hans Uhlmann. So wurde gerade erst die Turteltaube zum Vogel des Jahres 2020 ausgerufen, deren Bestand in Deutschland seit 1980 um fast 90 Prozent zurückgegangen ist. Vergleichbare Negativbeispiele unter den Küstenvögeln sind der Seeregenpfeifer und die Zwergseeschwalbe.

Auch wenn die Löffler bisher nur auf den Inseln brüten, wo ihre Gelege vor Landraubtieren wie Fuchs und Marder sicher sind, kann man sie im Sommer auch an unserer Festlandküste und weiter binnendeichs regelmäßig beobachten; so stehen sie zum Beispiel im August und September zu Hochwasserzeiten in großer Zahl in den Lahnungsfeldern vor Crildumersiel. Derzeit wird man dort aber eher vergeblich Ausschau halten, denn die Zugvögel sind bereits in ihre Überwinterungsgebiete auf der Iberischen Halbinsel und an der Küste Nordwestafrikas abgereist.

Die beiden Referenten des Abends hatten sich ausgiebig mit dem Löffler beschäftigt und konnten anhand eindrucksvoller Bilder aus ihrem reichen Erfahrungsschatz berichten. Zuvor hatte Lena Nachreiner im ersten Teil über ihr Brutvogelmonitoring berichtet. Die Beobachtung der Nester erfolgte mithilfe von automatisch auslösenden Nestkameras. Die Untersuchungen zeigten für 2018 einen guten Bruterfolg, so lag die durchschnittliche Gelegegröße bei 3,38 Eiern pro Gelege, der Schlupferfolg bei 2,55 Küken pro Brutpaar. Diese guten Reproduktionsraten zeigen, dass sich der Löffler weiterhin im Aufwind befindet.

Und tatsächlich hat 2019 erstmals ein Brutpaar auch auf Minsener Oog gebrütet. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich auch hier eine größere Kolonie bildet.

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