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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Katastrophe geht eine Eiszeit voraus

22.12.2017

Jeverland In den Jahren vor der Weihnachtsflut 1717 gibt es eine ganze Serie von Sturmfluten, die die Deiche in einem schlechten Zustand hinterlassen. Das sind Folgen einer kleinen Eiszeit, die von 1570 bis 1700 andauert. Europa erlebt strengste Winter und stürmische Herbst- und Frühjahrszeiten, schildert Klaas-Heinrich Peters, der die Wanderausstellung „300 Jahre Weihnachtsflut“ kuratiert hat.

Peters hat sich als Baudirektor beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sein gesamtes Berufsleben mit dem Thema befasst.

1684 erlebt ganz Europa den bisher strengsten beobachteten Winter. Ungeziefer und Viehseuchen setzen der Landwirtschaft in jenen Jahren heftig zu. Eine Mäuseplage vertilgte große Teile der Ernte. „Das Verderben, so sie dem Lande brachten, war beweinenswürdig“, lässt uns Conrad Joachim Ummen in seiner Schrift „Die mit Tränen verknüpfte Weihnachtsfreude Jeverlandes“ wissen. „Die schönsten Aecker, die mit fast reifem Getreide angefüllt waren, so vernichtet.“ Hatten die Tierseuchen – vor allem im Jahr 1715 – die Rinderherden der Bauern um ein Drittel dezimiert, wurde den Tierbestand durch die Flut fast gänzlich vernichtet.

So traf die Sturmflut auf eine mangelhafte Deichlinie, die unter der Uneinigkeit bei Unterhaltungsaufgaben und der Schwäche der dänischen Verwaltung in der Grafschaft Oldenburg geprägt war. Doch das Grauen findet kein Ende: Weitere Sturmfluten am 24. Januar 1718 und am 25. Februar 1718 sowie die Neujahrsflut 1720/21 macht die teilweise unter großen Mühen angelaufenen Reparaturarbeiten wieder zunichte.

Zu einer durchgreifenden Reform des Deichwesens, wie es Günther von Münnich fordert, kommt es zunächst nicht. Zwar sorgt Erbprinz Johann August von Anhalt-Zerbst als Regent des Jeverlandes anlässlich seines Besuchs am 11. Juni 1718 für Schwung bei den dringenden Reparaturarbeiten, aber dabei bleibt es. Münnichs Forderungen nach einer Deichordnung, der Festlegung eines Generalbesticks (Deichhöhe) und einem Regelement für Deichbeamte scheitert an der Ignoranz des Zerbster Kanzlers von Kötteritz. Münnich wechselt nach neunmonatiger Tätigkeit für die Zerbster Fürsten nach Ostfriesland. Eine Verbesserung hinsichtlich der Verteilung der Deichbaukosten nach Größe der Ländereien und ihrer Bonität erfolgt erst mit Landesherrlicher Verordnung 1846, welche die Grundlage für die 1855 erlassene Oldenburgische Deichordnung bildet.

 Die Wanderausstellung „300 Jahre Weihnachtsflut 1717“ ist bis 14. Januar im Weltnaturerbeportal Dangast zu sehen. Anschließend ist sie vom 17. Januar bis 4. Februar in Cäciliengroden, Gemeindezentrum „Die Brücke“ zu sehen. Es folgen: 7. bis 18. Februar: Horumersiel, Paul-Gerhardt-Haus; 21. Februar bis 4. März: St. Jakobi-Kirche, Wilhelmshaven-Neuende.

Eilt-Onno Garlichs. BILD: Archiv

Mahnung zu Wachsamkeit

DeichsicherheitInterview mit Eilt-Onno Garlichs

Die Deichverbände als Nachfolger mittelalterlicher Deichgenossenschaften sind für den Küstenschutz in ihrem Gebiet verantwortlich. Der III. Oldenburgische Deichband mit Sitz in Jever schützt mit seiner fast 60 Kilometer langen Deichstrecke von Harlesiel bis Dangast ein Gebiet von rund 50 000 Hektar. Ein seinem Einzugsgebiet leben 180.000 Menschen. Vorsteher des Deichbandes ist der Landwirt Eilt-Onno Garlichs (Bassens/Jever). Er beantwortet der NWZ Fagen zum Thema. Die Deichverbände als Nachfolger mittelalterlicher Deichgenossenschaften sind für den Küstenschutz in ihrem Gebiet verantwortlich. Der III. Oldenburgische Deichband mit Sitz in Jever schützt mit seiner fast 60 Kilometer langen Deichstrecke von Harlesiel bis Dangast ein Gebiet von rund 50 000 Hektar. In seinem Einzugsgebiet leben 180 000 Menschen. Vorsteher des Deichbands ist der Landwirt Eilt-Onno Garlichs (Bassens/Jever). Theo Kruse Jahrestage sind stets auch Erinnerungstage. Der 25. Dezember ist ein solcher Tag. Hat die Katastrophe von 1717 in der heutigen Zeit noch Bedeutung? GarlichsDas unsagbare Elend vor 300 Jahren können wir uns heute nicht ausmalen. Es gab keine Sturmflutvorhersage, keine Regeln für den Katastrophenfall und keine Warnsysteme. Die Not der Menschen war apokalyptisch. Jahrestage von Sturmfluten mahnen uns deshalb ständig, an der Küste wachsam zu bleiben. Deichbrüche gab es schon vorher und auch in späteren Jahrhunderten. Müssen wir auch in der Gegenwart damit rechnen? GarlichsFür den III. Oldenburgischen Deichband kann ich sagen, dass wir sehr gut dastehen. Nach Abschluss der Erhöhung des Elisabethgrodendeichs ist die Nordflanke des Jeverlandes für die nächsten 100 Jahre nach menschlichem Ermessen geschützt. Die nächste große Baumaßnahme ist die Deckwerk-Erneuerung am Voslapper Seedeich. Und dann geht es im Bereich des Heppenser Seedeiches noch um Erhöhungen. Und wir bauen heute bessere Deiche, die wirkungsvollere Profile aufweisen, als in früheren Jahrhunderten. Um das Jahr 1600 benötigte man 32 Kubikmeter Boden für einen Meter Deich, der drei Meter hoch war. Heute sind mehr als 300 Kubikmeter Klei bzw. Sandkern erforderlich, um einen Seedeich von 8,50 Meter Höhe zu bauen. Wie geht’s weiter? GarlichsKosten und Aufwand für den Deichbau sind natürlich immens gestiegen und es wird zunehmend schwerer, deichfähigen Klei zu gewinnen, Stichwort Wangermeer. Man muss sich aber vor Augen halten, dass durch unsere 60 Kilometer Hauptdeiche Sachwerte in Höhe von rund 60 Milliarden Euro geschützt werden. Da sind drei Millionen Euro für einen Kilometer Deichverstärkung vergleichsweise wenig. Zudem wird der Küstenschutz komplett vom Bund und Land finanziert. Unsere Mitgliedsbeiträge wendet der Deichband dagegen für die Deichunterhaltung (z.B. Teekbeseitigung oder Deichpflege durch Schafherden) auf. Zukünftig wird entscheidend sein, wie rasch sich der Klimawandel fortsetzt. Aktuell gehen Forscher von einem Meeresspiegelanstieg von drei bis vier Millimetern pro Jahr aus. Das macht 40 Zentimeter in 100 Jahren. Das könnten wir verkraften. Weiter mag ich nicht in die Zukunft schauen.

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