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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Kaschmirdecken für den Vatikan

30.07.2011

KRANENKAMP Die Friesische Wehde „ist eine alte Webergegend“, weiß Margret Hayen, die Vorsitzende des Vereins für Heimatgeschichte der Gemeinde Bockhorn, und darum freute sie sich besonders, dass Gert-Jürgen Küper jetzt seine Fabrikhallen in Bockhorn-Kranenkamp für eine Besichtigung öffnete. Er ist Geschäftsführer der von seinem Vater August Küper gegründeten Tuch- und Wolldeckenfabrik.

Von einfachen Verhältnissen zu einem deutschlandweit anerkannten Produzenten: Die wenigsten wissen, was sich hinter den eher unscheinbaren Fabrikmauern an der Nordstraße verbirgt. August Küper hatte Mitte der 1950er Jahre als Lohnweber für die großen Tuchfabriken in Wilhelmshaven begonnen. 1970 wurde bereits die „vollstufige“ Produktion in Kranenkamp aufgenommen, mit eigener Spinnerei, Weberei und Ausrüstung – neben einem Betrieb in Oberfranken heute die letzte Fabrik dieser Art in ganz Deutschland. Die Kundenliste war und ist immer lesenswert, obwohl Gert-Jürgen Küper davon nicht so viel Aufhebens machen will. Bundeswehr, Rotes Kreuz oder Lufthansa schwörten auf die Wolldecken aus Bockhorn, weil Küper sich auf das Einweben von Schriftzügen spezialisiert hatte.

„Bis Anfang der 90er Jahre hatten wir damit eine gute Beschäftigung“, erzählt der Geschäftsführer. Doch dann begann der Schrumpfungsprozess der Bundeswehr, und auch europaweite Ausschreibungen führten dazu, „dass wir nach anderen Produkten Ausschau gehalten haben.“ Eine Lösung: Kälteschutzvorhänge, zum Beispiel für Gastronomie, öffentliche Gebäude und private Bereiche, werden heute bis nach Österreich und die Schweiz geliefert. Auch mit diesem Produkt nimmt Küper in der Republik fast eine Alleinstellung ein.

Ende der 90er Jahre konnte August Küper zusammen mit einem Vertriebspartner zusätzlich einen Betrieb im Allgäu übernehmen, die Wolldecken kamen wieder ins Geschäft. Ob Schaf, Kamel, Alpaka, feinste Lammwolle aus Australien, Naturhaardecken für den Ökobereich ohne Farbstoffe und Chemikalien – das Spektrum der Bockhorner Deckenfabrik ist enorm. Juraschafe aus der Schweiz liefern ebenso Wolle wie afrikanische Mohair-Ziegen oder Coburger Fuchsschafe: „Es ist sehr umfangreich, jeden Tag haben wir etwas anderes auf den Maschinen“, erklärt Küper. Bis zu 30 000 Decken pro Jahr werden hergestellt, 20 Mitarbeiter sind damit beschäftigt. Benutzt werden bis heute Webmaschinen von Dornier, einer führenden Marke in diesem Bereich.

Wer den Aachener Dom oder die Frauenkirche in Dresden besucht, findet Vorhänge aus Bockhorn. Geht es noch eine Nummer größer? Es geht. Für seine Schweizer Garde hat der Vatikan feinste Decken aus 100 Prozent weißem Kaschmir herstellen lassen, produziert von der Tuch- und Wolldeckenfabrik August Küper in Kranenkamp.

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