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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Kein Rummel ohne den schwarzen Hut

15.09.2016

Varel Heinrich Janßen kann es kaum abwarten, bis am Freitag der 250. Vareler Kramermarkt beginnt. „Und das Beste ist, ich brauche nichts zu bezahlen“, sagt der 88-Jährige. Die beiden Imbisswagen sind fest in Familienhand, in einem steht Enkel Ronaldo, im anderen Urenkel Louis. Heinrich Janßen hat eine Vareler Schausteller-Dynastie gegründet – und das alles wegen einer Frau.

Der 1927 geborene Sohn eines Eisenbahners wollte eigentlich Maurer werden, hatte während der Ausbildung aber Anneliese von Schröders Autotunnelbahn aus Heidmühle kennengelernt. „Als ich die Maurerprüfung bestanden hatte, habe ich das Werkzeug fallengelassen und bin zum Rummel gegangen“, erzählt Heinrich Janßen.

Schon bald galt er als „Schröders Junge“, half den Schwiegereltern bei der Autobahn, in der Schießbude und im Ausschank „Roter Löwe“. Es dauerte nicht lange und Heinrich Janßen machte sich selbstständig – mit einer Schiffsschaukel, die er für „kleines Geld“ gekauft hatte. Einmal schaukeln kostete zehn Pfennige.

Als das Geschäft mit der Schiffsschaukel nicht mehr lief, stieg er auf ein Kinderfahrgeschäft um, das er aber schon bald gegen ein richtig großes Fahrgeschäft umtauschte: die Sankt-Gotthard-Bahn, die mit Raketenbahn und Schneelandschaft für Aufsehen sorgte. Kurze Zeit später kamen Halli-Galli und andere richtig große Fahrgeschäfte auf die Märkte und Heinrich Janßens Schneelandschaft zog nicht mehr. „Da konnten wir nicht mehr gegen an“, sagt der 88-Jährige.

Er stieg um auf Wurst, betrieb zuerst den „Wurstpavillon“ und sattelte, als die Hygienevorschriften in den 70er Jahren anstiegen, um auf einen modernen Grillwagen. Zukünftig verkauften er und seine Frau in „Janßens Grillhäuschen“ Bratwurst, Currywurst und Pommes rot-weiß.

In ganz Norddeutschland waren Anneliese und Heinrich Janßen mit ihren Kindern Karl-Heinz, Andreas und Marion von Ostern bis Weihnachten unterwegs.

Gerne erinnert er sich an das Schützenfest in Leer: „Um 4 Uhr morgens lief das Karussell immer noch, wir haben so viel Geld verdient, dass wir gar nicht wussten, was los war.“ Es gab aber auch Märkte wie den in Salzhausen in der Lüneburger Heide, wo Heinrich Janßen nicht mal so viel eingenommen hat, dass er den Sprit für die Rückfahrt bezahlen konnte.

Vor 20 Jahren hat Heinrich Janßen, auf den Märkten der Region allgemein bekannt als Mann mit dem schwarzen Hut, sein Geschäft aufgegeben. Anschließend hat er noch ausgeholfen. Er bereut es nicht, das Maurerhandwerk gegen die Schaustellerei getauscht zu haben: „Es war ein Zigeunerleben“, sagt Heinrich Janßen, „es war schön“.

Es freut ihn, dass seine drei Kinder sowie die Enkel und Urenkel Schausteller geworden sind und seine Kinder in Schaustellerfamilien eingeheiratet haben. „Nur einer hat eine ,Private’ geheiratet“, erzählt Heinrich Janßen. Er ist stolz auf seine Kinder und Enkel wie den, der „mit der Achterbahn in der Weltgeschichte herumreist“ und auf die, die wie er damals Bratwurst und Pommes rot-weiß verkaufen – wie auf dem Vareler Kramermarkt Louis und Ronaldo.


Ein Spezial zum Kramermarkt sehen Sie unter unter   www.nwzonline.de/kramermarkt-varel 
Traute Börjes-Meinardus
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2502

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