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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

„Kennen Kunden seit Jahren“

16.07.2014

Hohenkirchen Wenige Klicks reichen aus, dann ist die Ware im virtuellen Einkaufswagen abgelegt, zwei weitere Klicks, und sie befindet sich auf dem Weg zur Zieladresse. Das funktioniert auch mit Medikamenten. Online-Versand-Apotheken sind in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen.

„Aber Medikamente sind eine besondere Ware, nicht vergleichbar mit einem Buch oder einer CD“, sagt Apothekerin Bettina Schinke. Sie betreibt seit 1994 die Sonnen-Apotheke in Hohenkirchen, eine der letzten Dorfapotheken im Jeverland.

Sie hat eine lange Geschichte: Die Apotheke wurde 1848 gegründet, damals noch im Hause des Schullehrers Schröder auf dem Brink, wenige Monate später zog die Apotheke in ein neues Gebäude um. Geführt wurde die Apotheke damals von dem bekannten Apotheker Dr. Carl Arnold Ingenohl.

Mit der Apotheke ist Bettina Schinke aufgewachsen, ihr Vater Hans Schinke übernahm die Apotheke 1962 von der damaligen Inhaberin Meta Mamlok, damals war Bettina Schinke drei Jahre alt.

„Eine Apotheke vor Ort hat dem Online-Handel mit Medikamenten sehr viel entgegenzusetzen“, betont die 54-Jährige. „Wir bieten fundierte und umfangreiche Beratung, können über die richtige Anwendung, Nebenwirkungen, Neuerungen und Wechselwirkungen aufklären“, sagt sie. Es komme immer wieder vor, dass Patienten Medikamente versehentlich falsch einnehmen oder bestimmte Medikamente haben wollen, die sich aber gar nicht mit anderen Medikamenten, die der Kunde bereits nimmt, vertragen, sagt sie.

„Und wir kennen viele unserer Kunden seit Jahren, wissen, was ihnen bekommt und was nicht“, sagt Schinke. Und noch einen entscheidenden Vorteil habe die Apotheke vor Ort: „Ich sehe den Kunden und er sieht mich, oft ist es wichtig für die Medikamentenvergabe, den Menschen vor sich zu sehen“, meint sie.

Eine klassische Dorfapotheke sei auch Anlaufpunkt, sie und ihre Mitarbeiterinnen oft Ansprechpartner – nicht nur für die Kunden, auch mit den Ärzten gebe es eine gute und rege Zusammenarbeit. „Ohne Apotheke im Ort entsteht eine Versorgungslücke, gerade auch für die älteren Menschen“, betont sie.

Denn die Apotheke als Dienstleister, und so versteht sich auch die Sonnen-Apotheke Hohenkirchen, bietet einen kostenlosen Bring-Service für Medikamente, verleiht medizinische Geräte. „Und wir stellen auch noch viele Medikamente selbst her: Salben, Cremes und Kapseln – das alles leistet eine Versand-Apotheke nicht“, sagt Schinke.

Eine tatsächliche Bedrohung sieht sie in den Online-Händlern nicht: „Schätzungsweise fünf Prozent aller Medikamente werden heute im Internet bestellt. Wenn Sie wirklich krank sind, dann reicht es Ihnen nicht, online irgendein Medikament zu kaufen“, weiß sie. Kranke Menschen seien oft sensibel und unsicher, da kann die Apotheke vor Ort Hilfestellung bieten. „Der Schutz und das Wohlergehen des Patienten steht bei uns an erster Stelle“, betont Bettina Schinke.

Sorge bereitet ihr dagegen die Zunahme von Apotheken-Ketten. Diese können über die Quantität an bestellten Medikamenten Arzneimittel günstiger an die Kunden weiterverkaufen. „Da können wir nicht mithalten“, bedauert Schinke. Und ob diese Ketten künftig ein Interesse daran haben werden, eine Apotheke auf dem Dorf zu betreiben – das bezweifelt sie. „Die gehen dann nach Einwohnerzahl oder Ärztedichte. Und wenn sich das nicht rechnet, dann öffnen sie auch nicht.“

Für die Apotheken ist es schwieriger geworden. Durch massive Veränderung des Gesundheitswesens sei alles viel komplexer und bürokratischer geworden: „Das Medikamentenspektrum ist viel größer, es gibt viel neue Forschung, das Gesundheitswesen ist insgesamt sehr viel teurer geworden, es gibt auch viel mehr Einschränkungen“, sagt sie.

Dennoch: Für Bettina Schinke ist es eine Berufung, die Apotheke ihres Vaters weiterzuführen: „Für mich stand früh fest, dass ich das machen möchte. Und ich habe es bis heute nicht bereut“, sagt sie.

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