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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Klinkerbarone machten Dampf

12.05.2010

VAREL Wer heute im Vareler Bahnhof auf den Fahrplan schaut, der entdeckt zwei Ziele: Oldenburg und Wilhelmshaven. Doch es gab Zeiten mit deutlich mehr Möglichkeiten – im Personenverkehr, erst recht aber im Gütertransport. Denn Varel war einst Zentrum eines bemerkenswerten, etwa 35 Kilometer langen Systems kleiner Strecken, der „Vareler Nebenbahnen“, auch „Ringbahnen“ oder „Klinkerbahnen“ genannt. Kern war ein Gleisdreieck bzw. Ring zwischen Varel, Bockhorn und Ellenserdamm.

In Vergessenheit geraten

Diese Bahnen, ab 1893 gebaut und in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg nach und nach wieder stillgelegt, sind weitgehend ins Vergessen geraten. Doch wer aufmerksam durch die Friesische Wehde fährt, stößt vielerorts auf Zeugnisse dieser glanzvollen friesländischen Bahn-Epoche. Dazu gehört der Bahnhof in Neuenburg ebenso wie Bahndamm-Reste nahe des Vareler Hafens oder eine Bahn-Brücke über die Autobahn zwischen Varel und Bockhorn.

Varel hatte als eine der ersten Regionen im Oldenburger Land Bahn-Anschluss erhalten: 1867. Vor allem die zahlreichen Ziegeleien hatten Anspruch auf eine bessere Verkehrsanbindung angemeldet. Hintergrund: Der Markt für Klinker explodierte geradezu, vor allem durch den Kriegshafenbau in Wilhelmshaven. Aber der Transport des regionalen Baumaterials war beschwerlich: mit Ackerwagen zur Bahn nach Varel oder zum Hafen (von wo es mit flachgehenden Schiffen zur Wilhelmshavener Baustelle ging).

Gemeinden beteiligt

Die Großherzoglich Oldenburgische Eisenbahn (GOE) projektierte schließlich nach 1890 ein Netz von Nebenbahnen um Varel herum, an deren Finanzierung sich die Gemeinden kräftig beteiligen mussten. Die Stadt Varel habe sogar eine Anleihe über 84 000 Euro auflegen müssen, „um sich ihren Anteil leisten zu können“, notierte der Chronist.

Am 1. Januar 1893 wurden die ersten beiden Nebenbahnen eröffnet. Die eine führte von Varel nach Bramloge, über Borgstede, Mühlenteich und Buttersheide, die andere von Ellenserdamm (an der Hauptstrecke Oldenburg-Wilhelmshaven) nach Bockhorn. Auch die Lücke zwischen Bockhorn und Borgstede wurde 1893 geschlossen. Damit war binnen weniger Monate eine Art Ringbahn entstanden.

Stichbahn nach Zetel

Als weitere „Vareler Nebenbahnen“ kamen hinzu: Bockhorn-Grabstede mit Verlängerung Richtung Westerstede-Ocholt (1893). Zudem wurden zwei Häfen am Jadebusen ans Bahnnetz angeschlossen: Varelerhafen von Varel aus (1893) und Ellenserdammersiel von Ellenserdamm aus (1894). Historische Aufnahmen in dem Buch „Die Eisenbahn in Oldenburg“ (Peter Löffler, EK-Verlag) zeigen rege Umschlagtätigkeit auf Frachtsegler mit geringem Tiefgang.

Weitere Ziegelei-Standorte bekamen Bahnanschluss, als 1894 von Bockhorn aus eine Stichbahn nach Zetel und Neuenburg gelegt wurde. Selbst Schweinebrück wurde ein Haltepunkt. Letztes Ausbauprojekt der „Nebenbahnen“ war schließlich die Strecke nach Rodenkirchen im Jahr 1913. Wer die Bundesstraße von Varel Richtung Wesermarsch fährt, kann mit etwas Fantasie rechts in den Wiesen noch den Streckenverlauf erkennen.

Wichtig für Warentransport

Die Bahnen waren für den Warentransport wichtig, aber auch für die Bewohner des Vareler Umlandes, etwa für den Weg zur Arbeit (es gab z.B. Arbeiterzüge nach Wilhelmshaven). 1894 konnte man zum Beispiel innerhalb von elf Minuten vom „Mühlenteich“ zum Vareler Bahnhof fahren, wie einer „Obrigkeitlichen Bekanntmachung“ aus jener Zeit zu entnehmen ist. Eine Fahrt nach Jever dauerte 1:05 Stunden, mit Halt u.a. in Dangastermoor (nach acht Minuten).

Nach dem Krieg wurden die „Vareler Nebenbahnen“ allesamt Opfer des Strecken-Sterbens, das mit fast jeden Fahrplanwechsel fortschritt – erst im Personenverkehr, dann im Güterverkehr. Dann der Streckenabbau. Nach Neuenburg etwa fuhr der letzte Personenzug am 10. September 1967.

Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

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