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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Küstenautobahn A20: Bürgermeister von Gutachten enttäuscht

14.07.2011

VAREL Alles andere als glücklich sahen die vier Bürgermeister Gerd-Christian Wagner (Varel), Dieter Decker (Rastede), Henning Kaars (Jade) und Helmut Völkers (Wiefelstede) aus, als am Mittwoch im Vareler Rathaus das neue Gutachten zur Linienbestimmung der Küstenautobahn A20 vorgestellt wurde.

Kein Wunder. Sie wussten bereits, dass Prof. Dr. Bernhard Stüer in seiner juristischen Bewertung das Vogelschutzgebiet Jadermarsch als noch bedeutsamer bewertet hat als die Interessen der vier Kommunen hinsichtlich einer Verkehrsentlastung auf der Bundesstraße 437, den Freizeiteinrichtungen Nethener See und Seepark Lehe oder auch eines geplanten interkommunalen Gewerbegebietes.

Stüer sprach sich für die Variante West 3 aus, die südlich von Jaderberg die A29 kreuzt. Damit bestätigte der Verwaltungsjurist die Linienführung des Bundesverkehrsministeriums. Sowohl die vier Kommunen als auch die drei Landkreise Friesland, Ammerland und Wesermarsch hatten sich für die Variante West 2 ausgesprochen, die nördlich von Jaderberg die A29 kreuzen sollte. Diese Trasse jedoch würde durch das Vogelschutzgebiet Jadermarsch führen und das sei, so Stüer, unverträglich mit dem Naturschutz. Dieses Vogelschutzgebiet sei von europäischem Interesse.

„Ich bin tief enttäuscht über dieses Ergebnis“, sagte Wagner. „Ich empfinde es nicht als sachgerecht. Die Probleme dürfen nicht auf die Kommunen abgewälzt werden. Mit der A20 und dem Jade-Weser-Port rauschen wir in Varel in einem Verkehrskollaps.“ Der Bürgermeister forderte mit dem Bau der A 20 eine zeitgleiche Lösung, um die Bürger in Varel von den hohen Verkehrszahlen zu entlasten. 16.000 Fahrzeuge bewegen sich täglich über die B437 in Varel. Für eine zügige Lösung dieses Verkehrsproblems sprach sich auch Niedersachsens Verkehrsminister Jörg Bode aus, der ebenso nach Varel gekommen war wie der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann.

Gutachter Stüer hingegen bewertete die Vareler Verkehrsprobleme auch unabhängig von der Wahl der Trasse. „Egal, ob sie die Variante West 2 oder West 3 nehmen. Keine von beiden löst die Verkehrsprobleme in Varel.“ Der Unterschied betrage nämlich nur 1500 Fahrzeuge am Tag. Das sei auf der viel befahrenen Bundesstraße in Dezibel kaum wahrnehmbar.

Bei der nördlichen Trasse würde Varel um 3000 Fahrzeuge pro Tag entlastet, bei der südlichen um 1500. Im Namen der vier Kommunen erklärte Rastedes Bürgermeister Decker, dass die rechtliche Bewertung von Professor Stüer nachvollziehbar sei und es keine Bestrebungen gebe, daran zu rütteln.

Rastede, Varel, Jade und Wiefelstede stünden zur A20, seien jedoch unzufrieden, dass ihre wirtschaftlichen Interessen und die Belange des Schutzgutes Mensch nicht berücksichtigt worden seien. „Die Trassenführung West 3 führt durch eine Gegend, wo niemand hin will.“ Decker glaubt im Übrigen, dass mit der A 20 nicht das wirtschaftliche Wachstum ausgelöst werde wie einst mit der A29.

Auch Jades Bürgermeister Henning Kaars bezeichnete die Variante West 3 als unsinnig. „Für unsere Gemeinde ist sie kein wirtschaftlicher Vorteil. Bei dieser Trassenentscheidung würde der Mensch in den Hintergrund gerückt. „West 3 bringt nicht die erhofften Entlastungen auf den Bundes- und Landesstraßen.“

Sein Kollege Völkers ist überzeugt, dass mit der südlichen Trasse das interkommunale Gewerbegebiet zwischen Varel, Wiefelstede, Rastede und Jade gestorben ist.

Christoph Koopmeiners
Wildeshausen/Dötlingen
Redaktion Wildeshausen
Tel:
04431 9988 2705

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