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Varel-Lexikon: Längst keine Schmiede im Wald mehr

01.05.2010

VAREL Für viele Vareler ist es immer noch das Motorenwerk, obwohl das Werk längst keine Flugzeugmotoren mehr baut, sondern hochmoderne Bauteile für die Flugzeugindustrie. Auch hat es seinen Namen mehrfach gewechselt, und jeder Name steht für eine Epoche des Flugzeugbaus. Vor 74 Jahren, im Jahr 1936, wurde das Motorenwerk Varel von dem Ingenieur Jean Sieben und dem Kaufmann Wilhelm Johann Schoener (Bremen) gegründet. Gebaut wurden zunächst Kraftfahrzeugmotoren.

1941 übernahm Focke-Achgelis, ein Flugzeugbauer mit traditionsreichem Namen, das Werk. Nun wurden Flugzeugmotoren repariert und Fertigungsvorrichtungen für Weser-Flug gebaut. Es war freilich auch ein dunkles Kapitel der Vareler Industriegeschichte, zumal Hunderte von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern in dem Werk beschäftigt wurden.

Dunkles Kapitel

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In der erhaltenen Ausländerkartei finden sich 586 Namen ausländischer Zivilarbeiter/Zwangsarbeiter, die bei den Motorenwerken beschäftigt waren. Einer von ihnen war der aus Serbien stammende Jan Fillo, der am 1. Mai 1945 von einem Angehörigen der Wehrmacht bei Rosenberg wegen eines angeblichen Kartoffeldiebstahls erschossen worden ist.

Von den 586 bekannten Zwangsarbeitern im Motorenwerk waren 227 Polen, 99 Franzosen, 85 Sowjetbürger, 81 Italiener und 77 Tschechen, 15 Holländer und drei Belgier. Dazu kommen noch die Kriegsgefangenen. Schon seit Februar 1942 hatte das Motorenwerk ein Lager für 300 Kriegsgefangene.

Nach Kriegsende wurde der Betrieb von Alliierten besetzt, bis 1949 wurden Kfz-Motoren der englischen Truppen instandgesetzt, dann Fahrradhilfsmotoren (Flink) gebaut.

Neustart mit Hilfsmotoren

Der Neustart in den Flugzeugbau begann 1956 als Weser-Flugzeugbau mit der Fertigung von Zerspanungsteilen. Aus der „Schmiede im Wald”, wie der Standort durchaus anerkennend bezeichnet wurde, ist ein Hochtechnologiezentrum für Zerspanung geworden, an dem 1300 Mitarbeiter tätig sind, mittlerweile für Premium Aerotec, eine Tochter des EADS-Konzerns. In den 70er-Jahren war das Vareler Werk mit dem Namen Heinz Seidenpfaden verbunden, der als technischer Werkleiter fast 20 Jahre lang bis 1978 die Verantwortung trug. Ihm folgte Gerhard Eisen (bis 1990), der bei Airbus bis zum Leiter der Airbus-Produktionsstandorte aufstieg. Weitere Werkleiter waren Wolfgang Sommer, Jürgen Nuske und Dr. Thomas Lehmann. Seit Ende 2008 gehört der Standort nicht mehr zu Airbus, sondern zu Premium Aerotec GmbH, Leiter ist Uwe Fresenborg.

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