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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Schlecker: „Man hat uns Frauen vergessen“

25.05.2013
NWZonline.de NWZonline 2015-07-23T11:00:52Z 280 158

Schlecker:
„Man hat uns Frauen vergessen“

Varel/Neuenburg „Man hat uns Frauen vergessen“, bricht es aus Birgit Schmidt heraus. Bis ganz zum Schluss hat sie der Drogeriekette Schlecker die Treue gehalten, hat den Ausverkauf in der Neuenburger Filiale bis zur letzten Minute miterlebt. Und das nach 26 Jahren als Filialleiterin. „Es war schrecklich“, sagt sie, und auch jetzt, nach einem Jahr Arbeitslosigkeit, wird es nicht besser. Ständig wird sie gefragt „Was machen Sie denn jetzt“, erzählt sie.

Auch Inge Akkaoui ist von dieser Frage genervt, zumal sie nur antworten kann, dass sie immer noch arbeitslos ist. „Ich mag schon nicht mehr durch die Fußgängerzone gehen, weil mich alle fragen“, verrät sie. Viele Vareler kennen die 48-Jährige, die 15 Jahre bei Schlecker in Varel und Obenstrohe gearbeitet hat. 120 Bewerbungen hat sie mittlerweile geschrieben, auf die Hälfte gab es nicht einmal eine Antwort. Die Verkäuferin hat ihre Bewerbungen breit gestreut, von Bäckereien bis Modegeschäften war alles dabei. Mittlerweile hat sie ihre Ansprüche zurückgeschraubt: „Ich möchte nur ein kleines bisschen mehr verdienen als die 1166 Euro Arbeitslosengeld, die ich jetzt bekomme“, berichtet die alleinerziehende Mutter, die große Angst davor hat, in Hartz IV abzurutschen. „Arbeit ist Leben“, sagt sie. Jetzt wird sie eine Fortbildung zur Einzelhandelskauffrau beginnen und hofft, dann bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Sie hatte es sich nach der Schlecker-Pleite leichter vorgestellt, eine neue Arbeitsstelle zu finden.

Das ging auch Marlies Meyerhoff so. Die 56-jährige Varelerin war 24 Jahre Filialleiterin bei Schlecker, die längste Zeit davon in Varel. 16 Bewerbungen auf versicherungspflichtige Stellen hat sie geschrieben, alle ohne Erfolg. „Es gibt nicht viele versicherungspflichtige Jobs“, kritisiert sie, „die meisten sind auf 450-Euro-Basis, da kann ich doch nichts für meine Rente tun“. Aus zwei Gründen, so vermutet sie, findet sie keinen neuen Job: „Erstens bin ich wohl zu alt und zweitens wollen viele Betriebe keine Schlecker-Frauen, weil sie Tariflöhne gewohnt waren.“

Nicht mehr zu arbeiten ist für die 56-Jährige unvorstellbar: „Ich habe mein Leben lang gearbeitet, ich will doch jetzt nicht vom Geld meines Mannes abhängig sein.“

Die Einschnitte nach der Schlecker-Pleite bekommt auch Birgit Schmidt zu spüren. Die alleinerziehende Mutter beklagt, dass sie ihren Kindern vieles nicht mehr finanzieren kann. „Ohne Unterstützung durch meinen Partner würde es nicht gehen“, sagt sie. Sie kann nicht verstehen, dass so viele Schlecker-Frauen noch arbeitslos sind: „Wir sind gut, wir mussten bei Schlecker immer selbstständig arbeiten.“

Die drei Frauen fühlen sich alleingelassen und appellieren an die Politik, sich um den Einzelhandel zu kümmern: „Die Unternehmer sollten sich an das Tarifgefüge halten“, fordern sie, zudem sollte die Beschäftigung von 450-Euro-Kräften pro Betrieb begrenzt werden.

Als einzige von den drei Frauen hat Birgit Schmidt jetzt einen Job ergattert, muss auf die Frage, was sie denn jetzt macht nicht mehr antworten „Ich bin immer noch arbeitslos.“