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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Medizinstudium: Mehr Praxisalltag statt Hörsaal

16.05.2013

Schortens Der junge Mann, der in die Sprechstunde der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis kommt, hat sich beim Sport verletzt und hat seit Tagen Schmerzen im linken Fuß. Lucia Christians hört sich an, was passiert ist, sieht sich die Verfärbung an, tastet den Knöchel ab und untersucht behutsam die Beweglichkeit des Fußes. Am Kopfende der Patientenliege hat Dr. Ingo Beier Platz genommen und schaut genau hin.

Lucia Christians hat eine vage Vermutung, doch die Diagnose und weitere Behandlung ist Aufgabe von Ingo Beier. Lucia Christians ist schließlich keine Ärztin, sondern Medizinstudentin und erst ein halbes Jahr dabei.

Die 23-jährige, aus München stammende junge Frau studiert Humanmedizin an der European Medical School Oldenburg-Groningen (EMS). Das deutsch-niederländische Gemeinschaftsprojekt ist bislang einzigartig in Europa und ein von Beginn an sehr praxisorientiertes Medizinstudium, bei dem der Kontakt zwischen Patient und angehendem Arzt vom ersten Semester an zur Ausbildung gehört. Jeweils 40 Studierende an beiden Standorten in Oldenburg und Groningen bildet die EMS seit vergangenen Oktober zu Ärzten aus. Neben kooperierenden Krankenhäusern sind auch Arztpraxen in der Region in das Ausbildungskonzept eingebunden.

Eine dieser Praxen ist die Gemeinschaftspraxis von Dr. Marcus Ennen, Dr. Barbara Wickenburg-Ennen, Dr. Ingo Beier und Eric Menkens in Schortens – eine Kinderärztin, drei Allgemeinmediziner. Lucia Christians hatte gerade acht Wochen studiert, als sie im Dezember die erste Hospitanz in der Schortenser Praxis absolvierte. Nun ist sie erneut für eine Woche Teil des Ärzteteams und schaut den künftigen Kollegen auf die Finger, stellt viele Fragen und kommt mit vielen Patienten und ihren unterschiedliche Biografien und Beschwerden zusammen: der Sportler mit dickem Fuß, die alte Frau mit Hexenschuss, das Kind mit Platzwunde am Kopf, der Mann mit viel zu hohem Blutdruck.

„Ich wollte nicht erst zwei Jahre lang Fachbücher wälzen, bis ich den ersten Patienten zu sehen bekomme“, erklärt Lucia Christians ihre Entscheidung für das Medizinstudium an der EMS in Oldenburg. Eine Woche hospitiert sie nun in der Schortenser Hausarztpraxis, lebt in dieser Zeit auch im Haus der Familie Ennen.

„Als fachübergreifende Kinder- und Hausarztpraxis im ländlich geprägten Friesland ist es für uns eine Herzensangelegenheit, am Praxis-Training der Studenten aktiv mitzuwirken“, sagt Dr. Marcus Ennen. Gerade auf dem Land haben Ärzte große Nachwuchssorgen. Die Ärzteausbildung in Deutschland sei sehr verschult, das Konzept der neuen EMS revolutionär. „Der Ansatz der Uni Oldenburg ist ein dringend notwendiger und mutiger Schritt in die richtige Richtung, der umfassende Unterstützung verdient“, so Ennen.

Dieser Ansatz sagt auch Lucia Christians zu: „Man merkt durch die Praxis früh, ob der Beruf einem wirklich zusagt.“

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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