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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Neue Technik sichert Standort Varel

31.07.2014

Varel Die SPD-Bundestagsabgeordnete Karin Evers-Meyer (Zetel) bezeichnete die neue Technologie als „eine Revolution wie der Webstuhl“. Frieslands Landrat Sven Ambrosy und Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner betonten, dass sie den Industriestandort Varel sichere und weiterentwickele.

Am Mittwoch hat Premium Aerotec mit der Produktion von Flugzeugteilen im 3-D-Druck-Verfahren begonnen. Die Rohlinge werden nun nicht mehr ausschließlich aus einem Stück per Zerspanung, also durch Abtragung des Materials, hergestellt, sondern durch die Verschmelzung von Titan-Staub durch einen Laser in einem Stück gefertigt.

Technische Daten

Das aus Titanpulver „gedruckte“ Bauteil erfüllt nach Angaben von Premium Aerotec die gleichen Vorgaben hinsichtlich Funktion und Festigkeit wie das konventionell durch Zerspanung hergestellte. Darüber hinaus biete es weitere Vorteile.

Weniger Material, geringeres Gewicht: Das bionisch geformte Bauteil sei 30 Prozent leichter. Durch das Aufbauen des Bauteils aus Pulver entfalle der größte Teil des bislang üblichen Abtragens von Material. Das wiederum senke den Material- und Logistikaufwand.

Weniger Energieverbrauch: Im Flugzeug wirke sich das geringere Gewicht von Bauteilen positiv auf den Treibstoffverbrauch aus.

Mehr Flexibilität: Durch die deutlich kürzere Reaktionszeit dieser Fertigungstechnologie sei es möglich, auch sehr kurzfristige Bedarfe zu erfüllen. Perspektivisch sei es vorstellbar, dass die ALM-Technologie auch im Wartungsbereich Einzug hält. Beispielsweise könnten Flugzeugwerften dann dringend benötigte Ersatzteile ohne große Fertigungsanlagen direkt an Ort und Stelle nach Originalplänen „drucken“.

„Wir haben hier nicht das Heute gesehen, sondern das Übermorgen“, sagte Wagner bei der Inbetriebnahme der 750 000 Euro teuren Anlage im Technologiezentrum Varel: „Sie ist wichtig für den Erhalt, die Zukunftssicherung und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Alle Beteiligten haben an den Standort geglaubt. Nun wurden drei Ausrufezeichen gesetzt.“ Ambrosy ergänzte: „Dieser Durchbruch war extrem wichtig.“

Durch das Gerät, das vom Aussehen her an eine Mikrowelle erinnert, zucken immer wieder grelle blaue Laser-Blitze, die den Titan-Staub zu einem kleinen Flugzeugteil verschmelzen. Der Prozess dauert in diesem Fall bis zur endgültigen Fertigstellung 20 Stunden – eine im Flugzeugbau kurze Zeit. „Wir sind jetzt in der Lage, Flugzeugteile in einer irren Geschwindigkeit ohne Werkzeuge zu fertigen“, erläuterte Gerd Weber, Leiter der Standorte Varel und Bremen. Außer der Zeitersparnis sei diese Produktionsmethode auch kostengünstiger und verbrauche weniger Energie.

Bauteile, die durch die neue ALM-Technologie (Additive Layer Manufacturing) gefertigt werden, sind derzeit indes noch nicht für den Luftverkehr zugelassen. „Das wird aber im nächsten Jahr passieren“, sagte Weber. 2016 sollen dann die ersten Serienbauteile an Airbus geliefert werden.

„Die Einführung dieser Technologie ist für den Standort Varel ein toller Tag, weil sie ein wichtiger und notwendiger Schritt war“, betont Niedersachsen Wirtschaftsminister Olaf Lies (Sande). „Mit ihr kann man Konstruktionen umsetzen, die mit der normalen Zerspanungstechnik nicht möglich gewesen wären“, betonte der Diplom-Ingenieur.


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