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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Bäume nehmen Mühle den Wind

07.05.2018

Neustadtgödens „Für den Betrieb der historischen Mühle brauchen wir mindestens 300 Meter freie Fläche auf Galeriehöhe“, sagt Dietmar Weiß. Der ehrenamtliche Müller blickt nach Osten: „Sehen Sie hier irgendwo freie Fläche?“ Und nach Westen und Norden: „Hohe Bäume, ringsherum. Ein richtiger Baumwipfelpfad ist das hier.“ Aus Süden gibt es noch eine kleine Lücke: „Da kommt manchmal noch genug Wind auf die Flügel und die alte Mühle setzt sich in Bewegung.

Die Oberahmer Peldemühle

Die Oberahmer Peldemühle in Neustadtgödens ist 254 Jahre alt: Sie wurde 1764 gebaut und in Betrieb genommen. 1893 erfolgte der Einbau einer doppelten Windrose.

202 Jahre nach ihrer ersten Inbetriebnahme wird der Mühlenbetrieb 1966 eingestellt.

Ab Mitte der 1980-er Jahre sowie ab 2004 begannen die Restaurierungsarbeiten an dem Baudenkmal. Dank Spendengelder, Fördergelder und dem Engagement des Vereins Neustadtgödenser Mühlen ist der zweistöckige Galerieholländer heute top in Schuss, voll funktionsfähig und als historische Mühle wieder in Betrieb.

Die Mühle ist in den Sommermonaten bis Oktober sonntags von 11 bis 13 Uhr für Besucher geöffnet. Eine Bewirtung wird nicht angeboten.

Alles in allem aber viel zu wenig, damit sich die Flügel oft und lange genug drehen und gemahlen werden kann. Die hohen Bäume nehmen der Mühle den Wind, bremsen die Mühle buchstäblich aus. Und ohne drehende Mühlenflügel kommen auch keine Besucher, sagt Wolfgang Kasper, ebenfalls ehrenamtlicher Müller und an diesem Sonntag mit Dietmar Weiß an der Mühle mit kleineren Arbeiten beschäftigt.

Keine Museums-Mühle

Und weil die Mühle nun mal kein Museum ist, die hohen Bäume verhindern, dass sich die Flügel drehen und in der Mühle im Gegensatz zu manch anderen Mühlen in der Umgebung keine Bewirtung, kein Kaffee und kein Kuchen angeboten werden, sondern nur „das technische Wunderwerk Mühle“, ist der Besucherandrang überschaubar. Die Hobbymüller – oder wie sie sich selber nennen: die Notmüller – die auch die benachbarte Wasserschöpfmühle auf dem Wedelfeld betreuen, haben daher die verlässlichen Öffnungszeiten für Publikum um zwei Stunden reduziert.

Die Oberahmer Mühle ist sonntags nur noch von 11 bis 13 Uhr geöffnet. „Natürlich sind wir auch zu anderen Zeiten oder sonntags auch schon mal etwas länger hier“, sagt Müller Dietmar Weiß. „Aber das sind nun die Zeiten, die wir verlässlich anbieten können.“ Die Mühle auf dem Wedelfeld ist übrigens immer samstags zwischen 14 und 17 Uhr zu besichtigen.

Technisch tiptop

Dietmar Weiß und Wolfgang Kasper machen sich keine Illusionen: Natürlich kann hier keiner verlangen, dass für den Betrieb der Mühle Bäume gefällt oder zurückgeschnitten werden. So müsse man sich mit dem arrangieren, was an Wind da ist und durchkommt.

Wer kommt, der will die Mühle in Betrieb sehen, sagt Dietmar Weiß. Und zu sehen gibt es dann, wie Graupen hergestellt werden oder Futterschrot für einen Landwirt. Die Graupen aus Neustadtgödens landen nicht nur in Suppentöpfen, sondern in manchem Feinschmeckerlokal in nah und fern und werden unter anderem zu trendigem Risotto oder Graupenragout verarbeitet, sagt Dietmar Weiß.

Die Mühle wurde in den vergangenen Jahren mit viel Spendengeldern und öffentlichen Fördermitteln aufwendig saniert. „Heute ist die Mühle wieder tiptop“, sagt Wolfgang Kasper. Aber touristisch zählt sie unter den gegebenen Umständen nicht zu den großen Ausflugszielen.

Wenn die Besucher das Baudenkmal nicht in Betrieb erleben können, seien sie enttäuscht. Immer öfter müssen Weiß und Kasper deshalb erklären, was das Problem ist.

Am Konzept, eine Mühle in Betrieb zu zeigen, so wie sie damals tatsächlich lief, und die Technik zu erklären, wolle man aber nichts ändern: „Natürlich kommt hier kein Elektromotor rein“, weist Dietmar Weiß entsprechende Vorschläge entrüstet zurück.

Oliver Braun
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965313

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