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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Und einer darf nicht mitfahren

21.09.2018

Oldorf Die Situation ist skurril: Da steht frühmorgens ein kleiner Junge einsam an der Bushaltestelle an der Tettenser Straße in Oldorf. Er wartet auf den Schulbus aus Hohenkirchen, der ihn zur Grundschule Tettens bringt. Jeden Morgen fährt an dem Jungen ein Sammeltaxi vorbei. Darin sitzen seine Schulkameraden und winken ihm zu. Genug Platz, um den Jungen mitzunehmen, gibt es im Minibus. Doch der Fahrer muss den Jungen an der Haltestelle stehen lassen.

„Völlig unverständlich“, nennt der Vater des Oldorfer Jungen die Situation. Er hat einen gewaltigen Zorn auf den Landkreis Friesland. „Typisch Behörde“, meint er noch.

„Gleichbehandlung“

Dass der Junge nicht in den Minibus zu seiner Grundschule steigen darf, liegt an der Neuregelung der Schülerbeförderung zu den Wangerländer Grundschulen, die der Landkreis Friesland im August eingeführt hat: Wegen des „Gleichbehandlungsprinzips“ werden im Wangerland nun weniger Schultaxis und stattdessen Schulbusse eingesetzt. Schultaxis fahren trotzdem noch: Für Kinder, deren Weg zur nächsten Bushaltestelle zu weit ist, weil sie zum Beispiel tief im Land hinter Oldorf auf einem der Höfe an der Neuwarfer Straße wohnen.

Der Junge in Oldorf hat es nicht so weit zur Bushaltestelle – deshalb muss er Bus fahren. Allerdings hat er einen gefährlichen Schulweg, finden seine Eltern: Der Schulbus hält nämlich nicht an der gut ausgebauten Haltestelle an der Oldorfer Straße, sondern biegt von Hohenkirchen kommend rechts ab auf die Tettenser Straße. Dort ist eine schmale gepflasterte Fläche mit einem Haltestellenschild – kein Licht, kein Wartehäuschen, rechts und links Berme.

Laut Schulwegplan des Landkreises muss der Junge, um die Haltestelle zu erreichen, zunächst die Oldorfer Straße überqueren – über die Verkehrsinsel in der Ortsmitte. „Und morgens und mittags herrscht hier eine Menge Verkehr“, sagt Gaby Szlezak, Elternsprecherin der Grundschule Tettens. Denn Oldorf liegt auf der Hauptstrecke von Hohenkirchen und dem nördlichen Wangerland nach Jever und zur B 210.

Der Grundschüler muss dann auf dem Gehweg an der Oldorfer Straße entlang bis zur Kreuzung Tettenser Straße laufen. Und dort – so sieht es der Landkreis vor – soll er auf dem Radweg die Straße überqueren, um dann auf der Berme nach links zur Bushaltestelle zu laufen. Einen Gehweg gibt es auf dieser Straßenseite nicht. Eine Straßenlaterne übrigens auch nicht. Stattdessen viel Autoverkehr Richtung Tettens und viel Lkw- und Traktorverkehr zum direkt hinter der Haltstelle ansässigen Agrarhandel.

„Wenn das nicht gefährlich ist. . .“, meint der Vater des Jungen. Doch er hat den Eindruck, dass er bei der Kreisverwaltung für hysterisch gehalten wird.

Die Behörde hat angekündigt, die Bushaltestelle mit einer Verkehrsinsel und einem Wartehäuschen auszustatten – irgendwann. „Rund 100 000 Euro soll das kosten – wahrscheinlich viel mehr, als den Jungen einfach ins Schultaxi einsteigen zu lassen“, sagt Gaby Szlezak.

Sie hat in Gesprächen mit der Kreisverwaltung erreicht, dass an einigen Härten und Skurrilitäten des neuen Schulbusplans nach Tettens nachgebessert wird. Doch die Oldorfer Situation erweist sich als harter Brocken.

Kein Aufwand

Die Elternsprecherin und weitere Grundschul-Eltern haben sich deshalb am Mittwochabend mit Vertretern des CDU-Gemeindeverbands Wangerland getroffen, um die Situation zu schildern. Auch die Kommunalpolitiker um Vorsitzende Alice Brandenburg-Bienek können nur den Kopf schütteln über die Prinzipienreiterei des Landkreises. Denn die Lösung wäre ganz einfach: Der Oldorfer Junge könnte ohne Aufwand einfach vom ohnehin fahrenden Schultaxi mitgenommen werden.

Wangerlands CDU wird nun einen Antrag an den Arbeitskreis Schule des Kreistags stellen, das Thema einzubringen. „Wir möchten, dass die alte Schülerbeförderung wieder eingerichtet wird“, sagt Brandenburg-Bienek.

Paradox an der ganzen Geschichte: Nach Schulschluss in der Grundschule wird der Oldorfer Junge per Schultaxi von Tettens nach Oldorf gefahren. Denn auf dem Heimweg dienen die Minibusse als Zubringer zu den Schulbussen ab Hohenkirchen.

Melanie Hanz
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965311

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