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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

„Personenkäfige hinter dem Eisentier“

14.10.2005

BOCKHORN BOCKHORN - „Trüb und dunstig zog der Sonntag herauf, kühler Herbstwind fuhr über die Fluren“: Mit diesen beinahe poetischen Zeilen beginnt ein Anfang Oktober 1905 gedruckter Artikel, den Margrit Hayen, Vorsitzende des Vereins für Heimatgeschichte der Gemeinde Bockhorn, jetzt aus den Archiven ihrer Gemeinschaft hervorgezogen hatte. Anlass für die Poesie war eine technische Pionierleistung. Vor einhundert Jahren wurde die Eisenbahnstrecke von Grabstede nach Westerstede eingeweiht. Ein Reporter war dabei: „Mit Blitzeseile raste das Züggle durch die triste Gegend, nur einen Packwagen und zwei Personenkäfige schleppte das Eisentier hinter sich her.“

Zunächst von Bockhorn über Grabstede nach Moorwinkelsdamm. Der unbekannte Chronist versuchte sich in Ironie: „Das Stationsgebäude bestand aus einer alten Bretterbude, der Verkehr war jedoch immens. Der Großherzoglichen Eisenbahndirektion sollte plausibel gemacht werden, dass hier nicht allein eine Station von nöten sei, sondern mindestens ein Bahnhof wie der Bremer entstehen müsse.“

Die Fahrt ging weiter: „In einem Coupe hatten sich fünf lustige Vögel einquartiert, welche die Sektpropfen an die Decke knallen ließen.“ An der Endstation ließ es sich „die Elite der Westersteder nicht nehmen, den Gästen aus der Friesischen Wehde die Hand zur Begrüßung entgegenzustrecken.“ Rund 200 Fahrgäste waren damals in Moorwinkelsdamm in den ersten fahrplanmäßigen Zug nach Westerstede eingestiegen. Sie alle waren vom Ziegeleibesitzer August Lauw eingeladen worden, für den die neue Linie von großem wirtschaftlichem Interesse war, denn so konnte er seine Klinkersteine besser in die Welt verschicken (daneben soll er die Bahn auch für ausgedehnte Jagdausflüge genutzt haben).

Fast 50 Jahre wurde die Strecke Grabstede-Westerstede für Personenverkehr genutzt, wie Diplom-Ingenieur Eilert Schimmelpenning berichtet. In der Werkstatt des Vereins für Heimatschichte an der Kirchstraße in Bockhorn lässt sich die Zeit der „Eisentiere“ in der Friesischen Wehde bestens nachvollziehen (mittwochs von 10 bis 12 Uhr). In natura ist wenig übriggeblieben: „Nur die Trasse ist noch da“, so Schimmelpenning. Der Bahnhof in Bockhorn, der in Grabstede, zwei Wassertürme, zwei Stellwerke – alles verschwunden. Dabei ging es einst hoch her: „Als Schuljunge habe ich in den 40er Jahren noch gesehen, wie im Bockhorner Bahnhof vier Züge gleichzeitig hielten“, erinnert sich Schimmelpenning.

Am 31. Oktober 1953 fuhr der letzte Personenzug von Grabstede nach Westerstede, am 10. September 1967 war auch auf der Strecke Bockhorn-Varel Schluss.

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