NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Ordnung: „Psychologie gehört zum Geschäft“

03.04.2010

SCHORTENS „Die meisten Mitbürger sind sehr einsichtig, wenn wir sie auf ein Fehlverhalten ansprechen“, sagt Melanie Töben. Ob vergessene Parkscheiben, unangeleinte Hunde oder – wie vor wenigen Wochen bei Eis und Schnee – nicht geräumte Gehwege: „Wir suchen immer erst das Gespräch mit den Bürgern und verhängen nicht gleich ein Verwarnungsgeld“, sagt ihre Kollegin Maike Fauerbach-Schröder.

Seit dem 1. Januar verstärken die beiden Frauen den „Außendienst des Fachbereichs Ordnung“ der Stadt Schortens. Bisher hatte sich allein Norbert Hartmann um Parksünder, Schmutzfinken, säumige Zahler oder Jugendschutzkontrollen gekümmert. Doch die Aufgabenbereiche und die Stadt sind mittlerweile zu groß geworden für nur einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes.

Im vorigen Jahr hatte der Stadtrat den keineswegs unumstrittenen Beschluss gefasst, für ordnungsrechtliche Kontrollen weiteres Personal in Teilzeit einzustellen. Weil sich das Vorhaben allein am vieldiskutierten Leinenzwang für Hunde ent­zün­dete, sprachen die Gegner von „Hundepolizei“ und „Hilfssherriffs“.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

„Wir sind keine Hilfssherriffs“, stellt Melanie Töben klar. Sie sieht sich mehr als Kontaktperson zwischen Bürger und Verwaltung. Gleichwohl haben die Mitarbeiter des Ordnungsamtes klare Befugnisse und arbeiten häufig mit der Polizei zusammen.

Fast 70 Bewerber habe es gegeben, so Ordnungsamtsleiter Holger Rabenstein. Doch statt „bedrohlich auftretender stiernackiger Rambos“ habe man sich für diese beiden Frauen entschieden, die durch Menschenkenntnis, Erfahrung im Führen von Konfliktgesprächen und besonnenes Auftreten überzeugen. „Denn Psychologie gehört auch zum Geschäft“, sagt Rabenstein.

So dürfen die Ordnungsamtskräfte zum Beispiel Personalien feststellen und Berechtigungsscheine überprüfen. Sie sind außerdem befugt, Verwarnungsgelder zu erheben und Bußgeldverfahren einzuleiten. Und sie dürfen Aufenthaltsermittlungen vornehmen und Dinge sicherstellen, zum Beispiel Alkohol bei Jugendlichen.

Seit einem Vierteljahr sind die Frauen nun im Amt – und sie sind durchaus auch mal in den Abendstunden und am Wochenende im Dienst. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Überwachung des ruhenden Verkehrs. „Wir haben in dieser Zeit mehr als 300 Falschparker auf ihr Fehlverhalten hingewiesen, aber bisher noch keine Verwarnungsgelder erhoben“, sagt Maike Fauerbach-Schröder. Fast ebenso vielen Beschwerden sind sie in Fällen nicht geräumter Gehwege im Winter nachgegangen. Auch dort wurde freundlich mit den Hausbewohnern gesprochen und sei es bei Hinweisen geblieben, ergänzt Rabenstein.

Auch Schmutzfinken weisen die Ordnungsamtskräfte zurecht: Wer dabei ertappt wird, wie er zum Beispiel unerlaubt Abfall entsorgt oder die Hinterlassenschaft seines Hundes nicht beseitigt, muss mit einem Verwarnungsgeld oder gar Bußgeld rechnen.

Und natürlich sprechen die drei vom Ordnungsamt auch Hundehalter an, die ihren Vierbeiner außerhalb der dafür erlaubten Zeiten unangeleint laufen lassen. Rund 80 solcher Ansagen hat es bereits gegeben – bislang noch ohne finanzielle Konsequenzen für die Halter. Wer aber ankündigt, den Hund gleich wieder laufenzulassen, sobald die Schwarzunifomierten um die nächste Ecke gebogen sind, der muss mit Strafe rechnen. „Wir wollen uns ja auch nicht lächerlich machen“, so Rabenstein. Er legt auch Wert auf die Feststellung, dass es nicht darum gehe, möglichst viele Verwarngelder zu erheben: „Bei uns gibt es keine Knöllchen-Provision“.

Der Ordnungsamtsleiter warnt übrigens vor Betrügern, die sich als Mitarbeiter des Ordnungsamtes ausgegeben und an Ort und Stelle Hundehalter abkassiert haben sollen. „Uns ist mindestens ein Fall bekannt.“ Rabenstein weist ausdrücklich darauf hin, dass Verwarnungsgeld nicht an Ort und Stelle in bar erhoben wird. Die Mitarbeiter weisen sich aus, nehmen die Personalien auf und dann gibt es Post von der Stadt.

die Hinterlassenschaften seines Hundes nicht beseitigt, wird mit 25 Euro verwarnt; Verstöße gegen den Leinenzwang werden mit 25 Euro geahndet. Im Wiederholungsfall werden 75 Euro und beim dritten Verstoß 150 Euro plus Verwaltungsgebühren fällig.

Das Nichtbedienen der Parkscheibe kostet 5 Euro; Das Parken auf dem Gehweg: 15 Euro (mit Verkehrsbehinderung: 25 Euro); Parken im Halteverbot: 15 Euro; Parken auf einem Schwerbehindertenparkplatz ohne Berechtigung: 35 Euro

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
Rufen Sie mich an:
04461 965313
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.