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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Rosen und Steine für jüdische Bürger

23.05.2011

WANGEROOGE 2007 stolperten Janna Wilhelmi, Marlien Tryba, Antje Brüggerhoff, Svea Hanssen, Rieka Beewen, Martje Lindner, Eltje Wolf, Merle Janssen, Thore Folkerts, Felix Kuhn und Timo Kipp auf ihrer Abschlussfahrt in Berlin über Stolpersteine. Wieder auf der Insel begannen sie, sich mit dem Schicksal der Wangerooger jüdischen Familie Hermann (Hugo) und Martha (geb. Heinemann) Levy und ihrer Kinder Marga und Siegmund zu beschäftigen.

Hermann und Martha Levy betrieben auf der Insel eine Fleischerei mit Ladengeschäft. Nach der Reichspogromnacht wurden sie durch den Ort zum Bahnhof getrieben und ins KZ Sachsenhausen deportiert. Kurze Zeit später wurden sie entlassen und fanden Unterschlupf bei Marthas Bruder in Herford. Am 13. Dezember 1941 wurde Hermann in ein Ghetto bei Riga verschleppt und musste dort als Zwangsarbeiter beim Gleisbau arbeiten. Im Januar 1943 wurde er für tot erklärt. Martha wurde im KZ Stutthof ermordet.

Margas Schicksal ist nicht ganz zu klären. Bekannt ist lediglich, dass sie über Arbeitsstellen in Hildesheim und Leipzig „Richtung Osten“ deportiert wurde. Siegmund hatte mehr Glück. Im Gut Neuendorf bei Berlin bekam er ein Visum für England. Er überlebte als einziger der Familie Levy und verstarb 2004 in den USA.

Obwohl sich die Wangerooger Jugendlichen zur weiteren Ausbildung verstreut haben, haben sie ihr Projekt nicht aus den Augen verloren – und nun allen Widrigkeiten zum Trotz zum Erfolg geführt. In einer sehr berührenden „Feierstunde“ wurden die Stolpersteine am Sonnabend von Stolperstein-Initiator Gunter Demnig ins Pflaster der Kreuzung Elisabeth-Anna-Straße/Zedelius­straße eingebracht. Üblicherweise werden Stolpersteine zwar vor den ehemals jüdischen Häusern verlegt, aber auf der Insel wurde dieser Kompromiss gewählt – mit dem Vorteil, dass wesentlich mehr Menschen ins Stolpern geraten.

Leider konnten nicht alle Jugendlichen an der Verlegung teilnehmen, da für viele eine Anreise zeitlich nicht möglich war. Neben sehr vielen Insulanern und Gästen freute sich Rieka besonders, in Ruben Heinemann einen Angehörigen der Familie Levy begrüßen zu dürfen. Heinemann reiste mit seiner Lebensgefährtin Susanne Spremberg aus Herford an.

Eltje und Svea erinnerten an ihre Beweggründe zu diesem Projekt und an die Schwierigkeiten. Sie seien sehr stolz, der Insel etwas Bleibendes geschenkt zu haben. Viel Lob für ihr Durchhaltevermögen spendete Gunter Demnig den jungen Leuten.

Während er die vier Steine ins Pflaster einließ und der Shantychor „ShippRatz“ den musikalischen Rahmen bot, erläuterte Martje die Schicksale hinter den Namen. Trotz Regens standen die Menschen auch ohne Schirm dabei und gedachten der Levys. Viele legten an den vier Stolpersteinen Rosen nieder.

Ohne Unterstützung wäre die Realisierung dieses Projekts noch schwieriger geworden. Janna bedankte sich bei ihrer ehemaligen Lehrerin Tina von Pentz für die Hinführung zum Thema, bei den ShippRatz für die gefühlvolle musikalische Begleitung, bei den Ratsherren Uwe Osterloh und Josef Mende für das Ernstnehmen ihres Anliegens, bei Hanke Rippen vom Hotel Hanken für die günstige Unterbringung des Künstlers und seines Begleiters, bei Michael Fleddermann von der Bahn AG für die kostenfreie Beförderung des Künstlers, Bürgermeister Kohls für die Unterstützung seitens der Gemeinde, bei Annemarie Mähr für Kontakte, bei Gunter Demnig und besonders bei Ruben Heinemann für seine moralische Unterstützung und seine Anwesenheit.

Sicherlich ist es für die Jugendlichen ein Erfolg zu sehen, dass sich Einsatz und Beharrlichkeit lohnen. Aber dafür, dass nach so langer Zeit die Schicksale der Familie Levy die Menschen berührt und viele auf der Insel sich mit ihnen nun teilweise erstmals beschäftigen, gebührt ihnen Dank und Anerkennung.

„Wir haben es geschafft, der Familie Levy nun nach vielen Jahren ihre Geschichte und ihre Namen wiederzugeben“, zog Martje Resümee.

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