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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

„System krankt am Wettbewerb“

28.08.2017

Sande „Es ist ein Grundfehler des Systems, dass wir im Gesundheitswesen diesen ruinösen Wettbewerb haben“, sagte Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) am Samstag bei einem Informationsbesuch im Nordwest-Krankenhaus (NWK) Sanderbusch. Sie warb stattdessen für besser untereinander abgestimmte Strukturen der Kliniken und für einen Erhalt der möglichst wohnortnahen Versorgung: „Wir haben 176 Krankenhäuser in Niedersachsen, und wir werden auch auf Dauer alle Häuser benötigen“, so Rundt.

„Nicht in der Formel 1“

Die Ministerin stellte sich damit auf die Seite von Klinikchef Frank Germeroth. Der hatte die Aussage seines Kollegen vom Klinikum Wilhelmshaven kritisiert, der tags zuvor medial verbreiten ließ, das Klinikum Wilhelmshaven wolle die „Nummer 1 an der Nordsee“ werden. „Wir sind hier doch nicht bei der Formel Eins“, sagte Germeroth. „Es sollte doch vielmehr darum gehen, einen Mehrwert für die Patienten zu erzielen.“

Die Friesland-Kliniken in Zahlen

Mitarbeiter: 1500, darunter 800 Pflegekräfte, 200 Ärzte, 160 Auszubildende.

Patienten: Rund 100 000 ambulante Patienten und mehr als 25 000 stationäre Patienten.

Kliniken: 17 angegliederte Praxen und 12 medizinische Versorgungszentren.

Bettenzahl: aktuell 475; Genehmigung für 30 weitere Planbetten.

Umsatz: 100 Mio. Euro.

Cornelia Rundt kam auf Einladung der hiesigen SPD-Bundestagskandidatin Siemtje Möller zu einem Infobesuch nach Sanderbusch. Und in Wirtschaftsminister Olaf Lies aus Sande war sogar ein zweiter Minister dabei. „Zwei Minister aus dem Landeskabinett im Haus – das hatten wir bisher noch nicht“, freute sich Germeroth. Cornelia Rundt nutze die Gelegenheit natürlich auch dazu, sich das Nordwest-Krankenhaus und die bereits erfolgten und geplanten Modernisierungsmaßnahmen in Gebäude, Medizintechnik und Infrastruktur des Hauses erläutern zu lassen.

Wie mehrfach berichtet, wird Sanderbusch seit einigen Jahren in mehreren Bauabschnitt saniert und in nahezu allen Belangen auf den neuessen Stand gebracht – in enger Abstimmung mit dem Pflegepersonal und den Ärzten, so Germeroth. 40,7 Millionen Euro wurden dafür in den vergangen fast zehn Jahren bereits ausgegeben, davon rund 30 Millionen Euro an Landesmitteln. Aktuell ist der dritte Bauabschnitt in Arbeit – sämtliche Patientenzimmer werden dabei modernisiert. Im vierten Abschnitt geht es um die Neugestaltung des Eingangsbereichs und den Neubau der Intensivstation, in Abschnitt 5 vor allem um die bauliche Umsetzung für die erhöhte Planbettenzahl, die dann von derzeit 475 auf 505 Betten steigt. Am Ende werden in Sanderbusch rund 54 Millionen Euro investiert sein. „Dafür bauen Sie kein neues Krankenhaus“, so Germeroth.

Fördergelder in Aussicht

Die Sozialministerin ließ durchblicken, dass die Landesregierung wohl noch im September einem Förderbescheid über acht Millionen Euro als ersten Teilbetrag für den 5. Bauabschnitt zustimmen wird.

Thema der Inforunde war auch der Zusammenschluss mit dem Vareler St. Johannes-Hospital. Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender Sven Ambrosy sprach von einer hervorragenden Umsetzung in nur eineinhalb Jahren. Und Germeroth kündigte an, dass es nicht nur darum gehe, Varel zu erhalten, sondern den Krankenhausstandort zu stärken: „Wir wollen auch dort erheblich modernisieren.“ An beiden Häusern habe man ein respektables Leistungsspektrum. Germeroth: „Wir müssen sehen, wo wir mit Blick auf das Budgetproblem Leistungen schwerpunktmäßig verorten können.“ Zukunftsthema könnte zudem eine Zentrumsbildung sein.

Rundt lobte Sanderbusch als „Musterhaus“: „Hier wurde das Geld klug investiert.“ Das Haus sei auch optisch sehr ansprechend und für Patienten nicht beängstigend, sondern freundlich.