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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

200 Menschen protestieren gegen Stallbau in Schortens

25.08.2018

Schortens Ist die Demonstration gegen ein „ungelegtes Ei“ nur Hysterie, Populismus und schon wieder dem nächsten Wahlkampf geschuldet – oder ist der Protest gegen Pläne zum Bau eines Hähnchenmastbetriebs in Ostiem berechtigte Sorge und angemessenes Frühwarnsystem von Teilen der Politik, von Anwohnern und weiteren Bürgern? Gut 200 Teilnehmer sind am Donnerstagabend dem Aufruf der Schortenser SPD gefolgt und haben an der Ecke Lübbenweg/Klein-Ostiemer-Weg vor dem Hof des dort ansässigen Landwirts gegen seine erst vage bekannten Pläne zum Bau eines Hähnchenmastbetriebs protestiert.

Darum geht’s

Der Landwirt will auf seinem Hof am Klein-Ostiemer-Weg einen Mastbetrieb für 80 000 Hähnchen errichten. Beim Landkreis als Genehmigungsbehörde gibt es dazu bislang nur eine Bauvoranfrage.

Genehmigt würde ein Betrieb dieser Größenordnung nach dem Immissionsschutzrecht. Um das Vorhaben beurteilen zu können, muss der Investor mit einer Umweltverträglichkeitsprüfung allerhand Gutachten beibringen, die nachweisen, dass ein solches Projekt für Mensch, für Boden und Luft unschädlich ist.

„Schortens ist anerkannter Erholungsort, soll familienfreundlich und wohnenswert bleiben und saubere Luft behalten. Wir wollen keinen Hähnchenmastbetrieb. Nicht hier und auch nicht anderswo in Schortens“, sagte Udo Borkenstein von der Schortenser SPD-Fraktion. Die hatte zu der Demo mit anschließender Informationsveranstaltung aufgerufen.

Nichts Genaues bekannt

Nähere Informationen zu dem Bauvorhaben gab es von der SPD allerdings nicht. Kann auch nicht – denn beim Landkreis als Genehmigungsbehörde liegt bisher nur eine Bauvoranfrage des investitionswilligen Landwirts vor. Und selbst die lässt noch vieles unbeantwortet.

Die SPD wie auch die anderen Ratsfraktionen haben von dem Vorhaben überhaupt eher zufällig erfahren – und zwar, als es im Bauausschuss vergangene Woche um die Bebauungspläne Lübbenweg und Südliche Plaggestraße ging. Gegen die hatte der Landwirt schriftlich Einwände im Rathaus erhoben und dabei auf seine Bauvoranfrage für einen Hähnchenmaststall verwiesen. Den sieht er durch eine weitere Wohnbebauung gefährdet. Der Fachausschuss hatte daher einstimmig das laufende Bebauungsplanverfahren gestoppt.

Anne Bödecker, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende und Anwohnerin am Klein-Ostiemer-Weg, sagte, dass man auf die Info über einen Hähnchenmaststall für 80 000 Tiere „ungläubig und mit Entsetzen“ reagiert habe. Ringsherum gebe es dichte Wohngebiete, Grundschule, Kindergarten und Ferienwohnungen. „Die wunderschöne Umgebung mit hohem Naherholungswert würde durch den Mastbetrieb massiv gefährdet“, so Bödecker. „Wir leben hier in guter Nachbarschaft, sind auf den Höfen aufgewachsen. Beschwerden gab es höchstens mal, wenn neue Pächter der Landflächen südlich von Klein-Ostiem die Gülle ausbrachten.“

„Massentierhaltung und industrielle Landwirtschaft ist schlimm und grausam“, so Bödecker. Die Produktion bringe gravierende Probleme mit sich für Umwelt, Gesundheit und Tierschutz. Hähnchenmastanlagen seien eine höchst toxische Umgebung, Biotoxine und Staub kämen in hoher Konzentration vor. Das seien gesundheitsgefährdende Stoffe.

Und die toxische Luft sei sicher nicht auf das Innere der Stallanlagen beschränkt, denn die müssten belüftet werden – und damit sei eine Keimbelastung auch in der Umgebung messbar – trotz Filteranlagen. Zudem gelangten Antibiotika auf die Felder und ins Grundwasser, führte Bödecker aus.

Leider habe das Oberverwaltungsgericht Oldenburg in den meisten Fällen zu Lasten der Kläger und für die Mastanlagen entschieden.  Daher müsse die Politik im laufenden Bebauungsplan für den Lübbenweg äußert vorsichtig sein, um beispielsweise nicht selbst aufwendige Gutachten veranlassen zu müssen, warnte Bödecker.

Unter den Demo-Teilnehmern waren auch viele, die sich nur generell schlaumachen wollten sowie eine Reihe von Junglandwirten aus der Umgebung. Die stehen dem Projekt positiv gegenüber: „Wenn der Landwirt sämtliche gesetzlichen Auflagen erfüllt, dann soll er doch bauen dürfen“, so die Jungbauern. „Sonst kommt das Fleisch eben aus Polen.“

Begehrte Grill-Hähnchen

Gut zwölf Stunden später auf dem Parkplatz eines Verbrauchermarkts in Schortens: Dort stehen um die Mittagszeit die Kunden Schlange vor dem Verkaufswagen eines Hähnchengrillers. „Schortens ist ein sehr guter Standort“, sagt der Verkäufer im Imbisswagen. An einem Vormittag gehen hier gut 200 halbe Hähnchen über die Ladentheke – knusprig braun gebraten für 3,95 Euro das Stück. „Natürlich kommen die aus sehr guten Mastbetrieben“, so der Verkäufer. Hähnchen von Bio- oder Ökohöfen würden rund das Dreifache kosten. „Das zahlt hier aber keiner.“

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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