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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Buhlen um zwölf Minuten Aufmerksamkeit

14.02.2019

Sillenstede Falls Sie jetzt gerade beim Frühstück durch die Zeitung blättern oder vielleicht im Wartezimmer ihres Arztes zur NWZ gegriffen haben und in diesen Artikel geraten sind: Danke für die Aufmerksamkeit. „Wir buhlen um zwölf Minuten“, sagt Lars Reckermann, Chefredakteur der Nordwest-Zeitung. Viel länger liest kaum ein Leser mehr die Tageszeitung – und das gelte nicht nur für die NWZ, sondern auch auch für alle lokalen, regionalen und überregionalen Mitbewerber.

Bloß kein „Jubiläum“

„Stand doch in der Zeitung....“

Die Diskussionsreihe Sillensteder Gespräche wird mit zwei weiteren Veranstaltungen zum Thema Journalismus fortgesetzt:

Ringen um Glaubwürdigkeit „Journalismus zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ heißt es am Dienstag, 19. Februar. Gäste sind Michael Konken, langjähriger Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes, und der ehemalige langjährige Chefredakteur der Nordwest-Zeitung, Rolf Seelheim.

Lokaljournalismus – warum noch? Diese Frage diskutieren am Dienstag, 26. Februar, unter der Moderation von Carola Schede die Redakteure Helmut Burlager (Jeversches Wochenblatt), Gerd Abeldt (Wilhelmshavener Zeitung), Oliver Braun (Nordwest-Zeitung) und Jutta Przygoda (NDR-Studio Wilhelmshaven).

Beginn der Veranstaltungen ist jeweils um 19.30 Uhr im ev. Gemeindehaus Sillenstede.

Wer als Journalist Interesse wecken will an seinen Texten, wer in diesen knappen zwölf Minuten möglichst viele Leser erreichen und hineinziehen will in seine Artikel, der braucht nicht nur interessante Themen und Geschichten, sondern auch gute Überschriften. Und so deprimierend das für manch Kulturschaffenden auch sein mag: Begriffe wie „Museum“, „Jubiläum“ oder „Inklusion“ lösen bei den allermeisten Lesern Fluchtreflexe aus, hat Reckermann festgestellt. Da wird gleich weitergeblättert – oder besser: weitergewischt. Von 100 Lesern bleiben nur mickrige 0,1 Prozent dabei.

Reckermann wie auch der langjährige NWZ-Redakteur Jürgen Westerhoff haben in Sillenstede die 20. Auflage der „Sillensteder Gespräche“ eröffnet und über das Zeitungsmachen gesprochen. Das Vortrags- und Diskussionsforum, das in der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde entstand und sich aktuellen gesellschaftspolitischen Themen widmet, steht diesmal unter dem Titel „Stand doch in der Zeitung“. Es geht um den Journalismus, um den rasanten Umbruch in der Medienlandschaft, um Fragen zur Glaubwürdigkeit des Journalismus und wohin die immer dichtere und schnellere Nachrichtenflut und der Auflagenschwund der gedruckten Ausgabe noch führen wird.

Zu lang alles verschenkt

Wer was liest und wie lange, welche Geschichten gut laufen und welche floppen – all das und noch vieles mehr lässt sich heute in den elektronischen Ausgaben der Zeitungen ganz genau feststellen. Das ist wichtig zu wissen: „Denn wer länger dabei bleibt, wer länger liest, der wird vielleicht mal Abonnent“, sagt Lars Reckermann. Verlagshäuser sind Wirtschaftsunternehmen und guter unabhängiger Journalismus kostet Geld. Leider habe die NWZ und haben auch viele andere Zeitungshäuser den Fehler gemacht, im Internet zu lange alles kostenlos herzugeben und ihre besten Geschichten für lau zu veröffentlichen. Die Zeiten sind vorbei.

Wie lange es die gedruckte Tageszeitung überhaupt noch gibt, darauf will heute kein Medienexperte wetten. Fünf Jahre? Zehn Jahre? Vielleicht noch etwas länger? Die Generation der heute unter 20-Jährigen ist jedenfalls raus und für die Print-Ausgaben dauerhaft verloren, darüber macht sich Reckermann keine Illusionen. Papier ist in dieser Generation vollkommen out, alles muss smart sein, auf handliche elektronische Geräte passen, topaktuell und Themen auf persönliche Vorlieben zugeschnitten und alles am besten mit Bewegtbildern unterlegt sein. Meinungshoheiten verschieben sich. Beispiel USA: Man vergleiche nur mal die Zahlen, wie viele Menschen US-Präsident Donald Trump auf Twitter folgen und wie viele der altehrwürdigen New York Times.

„Vielleicht wird die gedruckte Tageszeitung eines Tages ein Statusobjekt, das man sich dekorativ auf den Tisch legt“, sagt Reckermann. Nachrichten und gute Geschichten werden aber niemals out sei, so Reckermann, aber die Art und Weise wann und wie man sie liest, verändert sich rasant.

Wieder Reporter werden

Wie man das vermutlich für junge Leute eher dröge Thema „Sillensteder Gespräche“ als Zeitung auch präsentieren kann, zeigte Reckermann gleich zu Beginn: Mit einem Video, kurz vorher im Vortragssaal gefilmt, flott zusammengeschnitten, mit dramatischen Bildern und emotionaler Musik unterlegt, werden die „Sillensteder Gespräche“ beinahe zum Trailer für einen Kinohit.

Am wichtigsten aber: „Wir müssen wieder lernen, gute Geschichten aus den Orten vor Ort zu erzählen. Journalisten müssen wieder Reporter werden“, so Reckermann. Zeitungen verschwendeten heute zu viel Energie darauf, wer auf Vereinsjahreshauptversammlungen zum dritten Vorsitzenden gewählt wurde.

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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