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Ausflugstipp: Aus Gagelstrauch wurde Bier gebraut

31.05.2018

Spolsen Gleich zu Beginn stolpern Besucher über den auffälligen, giftigen Fingerhut – natürlich nicht wortwörtlich. Wenn sie nicht aufpassen, stolpern sie aber schon, denn die Wege im Spolsener Moor sind zum Teil recht holprig. Nicht nur Fingerhut wächst gleich zu Beginn der Strecke. Auch Gagelstrauch ist zu finden. „Daraus haben die Bauern früher Bier gebraut“, sagt Wolfgang Andrée. Er ist der Moor-Experte und weiß auch: Gegen Flöhe wurden Teile des Gagelstrauchs früher ins Kopfkissen gesteckt.

Da im Moor nur wenige Arten wachsen können, mussten die Menschen mit dem Vorhandenen auskommen. Das zeigt das Bentgras, das auch Pfeifengras genannt wird. Und warum? „Das haben die Bauern zum Pfeifenreinigen benutzt.“ Auch sonst hat Bentgras interessante Fähigkeiten. Es kann sich unterschiedlichen Wasserständen anpassen. Es bildet sogenannte Bulke, wodurch das Gras dann über dem Wasser steht. Hat es viel geregnet, sieht man an vielen Stellen nicht mehr den Boden, aber dank der Bulke steht das Bentgras über dem Wasser. Auch der Faulbaum wächst hier. Woher der Name kommt? „Der riecht faulig, wenn man einen Ast abbricht.“ Der ehemalige Biologielehrer Wolfgang Andrée kennt sich aus.

Ein Hochmoor entsteht auf wasserundurchlässigem Gebiet, „wenn mehr Wasser von oben kommt, als verdunsten kann“, weiß der 71-Jährige.

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Tiere pflegen das Moor

Noch bis vor 200 Jahren war Niedersachsen zur Hälfte von Moor bedeckt. Mit dem zunehmenden Torfabbau wurde die Fläche kleiner. Dämme zwischen den Parzellen dienten als Transportwege und als Abgrenzung. Noch heute kann von den Namen auf die Bauern geschlossen werden, die die Parzellen kultivieren durften. Je nachdem, wie stark entwässert der Boden ist, wachsen unterschiedliche Pflanzen. Bei starker Entwässerung siedeln sich Moorbirken und andere Bäume an. Pflanzen und Bäume, die viel Wasser ziehen, dürfen nicht überhand nehmen, da das Gebiet sonst zu sehr austrocknet. Für die Moorpflege sind die Ziegen und die Moorschnucken, eine Schafart, des benachbarten Hofes zuständig. Besonders die Schafe sind an die Begebenheiten und die nährstoffarmen Pflanzen im Moor gewöhnt.

Auch charakteristisch ist Wollgras. Im Moment ist die Frucht zu sehen, die oft durch das Moor schwebt. Sogar fleischfressende Pflanzen haben sich an das Moor angepasst. Der Sonnentau schafft es nicht, seine Nährstoffe über den Boden aufzunehmen. Das schafft sie über Insekten. Dafür sondert der Sonnentau eine Art Klebstoff ab, den Fliegen für Tau halten. Wenn sich eine setzt, kommt sie nicht mehr los. Dann schließt der Sonnentau langsam seine Blätter und verdaut das Insekt.

Im Moor ist es sehr still, nur vereinzelt ist ein Kuckuck zu hören. Von dem Damm gehen einige Querdämme ab. Hier ist die Unterteilung der Parzellen gut zu erkennen und auch, wie intensiv ein Bauer seine Fläche genutzt hat und ob die Parzelle vielleicht auch zu groß war, denn: Manche Parzellen sind großflächig mit einer Tiefe bis zu zwei Metern ausgehöhlt, in manchen wurde nur auf wenigen Quadratmetern abgebaut. Bis in die 1980er war dies noch erlaubt. 1984 wurde das Spolsener Moor zum Naturschutzgebiet erklärt.

Brunnen und Schienen

Nicht nur die akkurat gezogenen Dämme zeigen, dass Menschen im Moor gearbeitet haben. An einer Stelle steht ein Brunnen. „Damit haben die Bauern die Wassertiefe gemessen“, sagt Wolfgang Andrée. Auch eine Hütte steht zwischen den Bäumen. „Hier konnten die Bauern Schutz suchen und auch übernachten.“ Das Dach bestand früher aus Heide. „Die haben die Ziegen mittlerweile abgefressen“, erzählt Wolfgang Andrée. Auf einer Parzelle warnt er: „Vorsicht, hier liegen Schienen.“ Die Bauern und Arbeiter haben den abgebauten Torf auf die Lorenbahn, auch Feldbahn genannt, gepackt und auf Schienen zum Weg transportiert. An einer abgestochenen Fläche sind die verschiedenen Schichten gut zu erkennen: „Oben ist es stark durchwurzelt. Dort wächst das Bentgras. Darunter ist heller Torf oder Weißtorf. Der kam in Ställen als Einstreu rein. Und ganz unten ist der Schwarztorf.“ Der ist kaum zu erkennen. Nur, wer sich weit hinunterbeugt, sieht: Unten wird es dunkler.

Je weiter Wolfgang Andrée in den Wald hinein führt und je feuchter der Boden wird, desto mehr Torfmoos ist zu sehen. Diese Flächen wurden im Spolsener Moor wieder vernässt. „Es dauert aber, bis sich wieder Torf bildet“, sagt der 71-Jährige. Torf besteht zu 80 bis 90 Prozent aus dem wurzellosen Torfmoos. Dieses wächst stetig nach oben weiter, um einen Millimeter pro Jahr, und stirbt nach unten ab. Das Spolsener Moor ist zum Teil fünf Meter tief. „Also hat sich das Moor vor circa 5000 Jahren gebildet.“

Jeder darf auf den mit Pfählen markierten Wanderwegen spazieren. Besucher gelangen über den Zollweg und Heinendamm zum Startpunkt. Mithilfe der Moorbroschüre des Landkreises Friesland oder den an Pfeilern angebrachten QR-Codes können sie jede Menge über das Moor lernen. Ansprechpartner für Führungen sind bei der Geschäftsstelle Zetel unter Tel. 04453/935214 oder info@zetel.de und in Bockhorn unter Tel. 04453/70832 oder info@bockhorn.de.

Manuela Wolbers Redakteurin / Online-Redaktion Ostfriesland
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