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Ärger In Dangast: Streit um Holzhütten auf Campingplatz

20.09.2014

Dangast Sie sind aus Holz und ihre großen Fenster gewähren einen Blick auf den Jadebusen. Seit mehr als 40 Jahren nutzen fünf Vareler Familien die hölzernen Wohnwagen-Vorbauten auf dem städtischen Campingplatz in Dangast, die das Vorzelt ersetzen. Jetzt ist Schluss damit. Die Kurverwaltung hat die Camper aufgefordert, die Hütten zu entfernen.

„Das ist für mich völlig unverständlich“, ärgert sich Lieselotte Meyer, die seit 46 Jahren mit ihrer Familie Stammgast auf dem städtischen Campingplatz ist. Seit 54 Jahren steht der Wohnwagen von Irma Peters dort, vor 38 Jahren sind Edda und Jörg Eilers zu der Camper-Clique hinzugestoßen. „Zuerst bekommen wir Urkunden für langjährige Treue und jetzt die Aufforderung, unsere Vorbauten abzubauen“, so die Camper.

Ende 2013 erhielten die Camper die Nachricht, dass der Vorbau laut niedersächsischer Campingverordnung nicht gestattet ist. Die Stadt bot den Campern Hilfe bei der Beschaffung von Vorzelten an. Ein Ehepaar nahm das Angebot an, ein anderes gab seinen Platz auf, so dass es jetzt noch um drei Vorbauten geht. Nach Gesprächen mit Kurdirektor Johann Taddigs bauten die Camper dieses Jahr ihre Holzkonstruktionen noch einmal auf, im Juli kam von der Stadt die Aufforderung, sie bis Mitte August abzubauen. Wieder gab es Gespräche und den Campern wurde gestattet, die Bauten bis Ende der Saison zu nutzen. Ein neuerlicher Aufbau im nächsten Jahr hätte allerdings den totalen Platzverweis zur Folge.

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Die Stadt beruft sich auf die niedersächsische Campingverordnung, in der es heißt, dass „ein Vorbau wie der Wohnwagen selbst jederzeit ortsveränderlich sein“ muss. Es müsse sich um eine Konstruktion handeln, die von ein oder zwei Personen innerhalb kurzer Zeit ohne besonderen Aufwand demontiert und in ein Kraftfahrzeug verladen werden kann.

„Unsere Vorbauten erfüllen diese Voraussetzungen“, beteuern die Camper. Heinz Meyer hat die Zeit gestoppt: 29 Minuten hat er gebraucht, um gemeinsam mit seinem Schwiegersohn die Holzkonstruktion abzubauen. „Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg weist im Beschluss vom Juni darauf hin, dass es weniger auf die verwendeten Materialien als auf die konstruktive Ausführung ankommt“, sagt Lieselotte Meyer. Es müsse lediglich die Gewähr der jederzeitigen Demontage gegeben sein. Sie hat eine Umfrage unter den Campern mit Zeltvorbau gestartet: „Die brauchen im Schnitt zwei bis zweieinhalb Stunden für den Abbau“, sagt sie.

Die Vareler Familien möchten im nächsten Jahr wieder in Dangast campen, aber der Abschied von ihren Holz-Vorbauten fällt schwer. „Neben der baurechtlichen Seite gibt es eine moralisch-menschliche“, so Lieselotte Meyer.

„Wir haben einen Hinweis auf die Holzbauten bekommen und mussten dem nachgehen“, begründet Johann Taddigs das Vorgehen der Stadt. Die Gesetzgebung sei eindeutig, die Holzbauten seien nicht genehmigungsfähig. „Wir haben sämtliche Kulanzen walten lassen, die Bauten dieses Jahr noch stehenlassen und Vorzelte auf Leasingbasis angeboten“, sagt er. Die Vorbauten müssten laut Campingverordnung aus mobilen Bauteilen und zeltähnlichen Stoffen bestehen. „Ich als Campingplatzbetreiber kann mich da nur fügen“, sagt er und kündigt an, dass die Bauleitplanung für den Campingplatz überprüft wird und definiert werden soll, was erlaubt ist und was nicht.

Traute Börjes-Meinardus Varel / Redaktion Friesland
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