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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Sturm verwüstete Rennweide

16.02.2012

VAREL Der Wind peitschte durch die Stadt und um Mitternacht läuteten in Varel die Glocken. „Es war unheimlich“, erinnert sich Hedwig Awe an die Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962, als die Sturmflut mit voller Wucht die Nordseeküste traf. Das ganze Ausmaß des Sturmes erfuhr die 91-jährige Dangasterin am nächsten Tag beim Gang durch Dangast. „Das Teehaus war zerstört, die Waschbecken waren abgerissen, durchs Fenster gespült und lagen auf dem Deich“, erinnert sie sich. Im Naturdeich an der Rennweide klaffte ein Riesenloch. „Sechs bis acht Dangaster Männer waren dabei, das Loch mit Sandsäcken zu füllen.“

Ein Bild der Verwüstung bot die Steilküste zwischen Rennweide und Klause. „Die tobende See hatte sie in der Sturmnacht um sieben bis acht Meter landeinwärts verlegt“, berichtete der Gemeinnützige am Montag, 19. Februar. Dieses Bild hat sich Hedwig Awe eingebrannt und jetzt, 50 Jahre später, hat sie es in Öl festgehalten. Das Bild steht in ihrem Wohnzimmer, von dem aus sie einen wundervollen Blick auf den Jadebusen hat.

Auch dem Vareler Adolf Imken ist die Sturmflut unvergessen geblieben, überschwemmten die Fluten doch seine Arbeitsstelle: Der heute 77-Jährige war vor 50 Jahren als Baggerführer beim Bau des Verbindungstiefs zwischen Hohenstiefersiel und Horumersiel beschäftigt, als am 16. Februar der Sturm losbrach. Er war Augenzeuge, als das Wasser nachts über den Deich kam. „Der Wind war unheimlich und die Wellen kamen immer höher“, berichtet er. Die Baustelle beim neuen Siel in Horumersiel wurde überspült. „Unsere Bagger hatten wir rechtzeitig in Sicherheit gebracht, aber der Bagger einer anderen Firma war unter Wasser, nur der Ausleger guckte noch heraus“, erinnert sich Adolf Imken. Erst Wochen später, nachdem das Wasser abgepumpt war, konnte wieder gearbeitet werden.

In Schweiburg lebte zu jener Zeit Günther Horstmann. Der gebürtige Vareler war damals 15 Jahre alt, als die Flut am Deich in Sehestedt immer höher stieg. Horstmann wurde von der Gemeinde Schweiburg zum Deichpolizisten ernannt, „weil ich Moped fahren konnte“. Telefone waren damals Mangelware, und so musste der 15-Jährige damals die Verbindung zwischen den Verantwortlichen herstellen. Mit dem eigenen Moped kam er ganz gut voran. Er hatte es für 30 DM einem „Eieronkel“ abgekauft. Eine gelbe Armbinde zeichnete ihn als Deichpolizist aus, um die Offiziellen von den Schaulustigen zu unterscheiden. Er selbst hat die Deichstrecke von Schweiburg bis Augusthausen als die schlimmste in Erinnerung. Hier wäre der Deich fast gebrochen. Dank der Hilfe Hunderter von Soldaten wurde er gehalten. Im Gasthof Scheelje wurden sie kostenlos verpflegt. Andere nahmen dafür Geld.

Fern von Varel erlebte Wilfried Schulze (71) aus Obenstrohe die Orkanflut. Er war damals Polizeischüler und bei der Bereitschaftspolizei in Hannover stationiert. Die wurde nach Ostfriesland beordert, um bei Pilsum den Deich zu halten. In Bad Zwischenahn machte die Kolonne Station. Dort versuchte Schulze seine Frau in Obenstrohe anzurufen, wo sie am Riesweg bei den Eltern wohnte. Ein Telefon gab es dort jedoch nicht. Schulze rief deshalb bei einer Lohndrescherei in Obenstrohe an, von der er wusste, dass dort ein Telefon war. Man versprach auch, die Nachricht zu übermitteln (sie bestand darin, dass er auf dem Weg nach Pilsum sei und es ihm gut ginge). Allerdings kam es zu einer Namensverwechslung. Es gab eine 80-jährige Frau Schulze im Riesweg, und der Disponent in der Drescherei entschied: „Frau Schulze geht nicht mehr ans Telefon.“ So blieb die Nachricht ohne Empfänger.

In Pilsum sicherte die Hundertschaft von Wilfried Schulze den Deich. Allerdings stand es nicht gut mit der Unterkunft. Man wies den jungen Polizeischülern eine abgedeckte Scheune zu. „Der Wind tobte, wir haben uns mit Zeltplanen zugedeckt“, erinnert sich der pensionierte Polizist an die Nacht der Orkanflut. Am nächsten Tag ging es in eine Gaststätte, wo ein Teil der Hundertschaft übernachten konnte. Der andere Teil wurde in einer Schule untergebracht. Angenehmes gab es auch: Die Polizisten erhielten als „Zusatzverpflegung“ zu zweit eine halbe Flasche Doornkaat.

Lange gab es diese Form der Verpflegung aber nicht. Zu weiteren Deicharbeiten wurden Schulze und seine Kollegen ins Alte Land gebracht, wo es ebenfalls zu erheblichen Schäden gekommen war. 40 Jahre war Wilfried Schulze Polizist. 20 Jahre davon tat er in Varel Dienst, 20 Jahre in Oldenburg. Für seinen Sturmflut-Einsatz hat er wie viele andere Helfer eine Medaille bekommen, die er aufbewahrt hat.

 @ Spezial unter http://www.NWZonline.de/50-Jahre-Sturmflut

Traute Börjes-Meinardus Varel / Redaktion Friesland
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