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Insektenschutz: Bauern wollen keine Sündenböcke sein

08.11.2019

Varel Gerade erst haben die Landwirte in Oldenburg gegen die Agrarreform der Bundesregierung demonstriert, da planen sie schon die nächste Demo: Am 14. November fahren auch Frieslands Bauern anlässlich der Umweltministerkonferenz nach Hamburg – und das auch mit Treckern. Sie machen mobil gegen das Insektenschutzprogramm. Ihren Unmut dagegen äußerten sie auch bei der Bezirksversammlung des Kreislandvolkverbandes Friesland am Donnerstag im Büppeler Krug.

„Insektenschutz ja, aber nicht so“, ist die Meinung des Kreislandvolks zum Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung. „Unsere Landwirte haben sich in den vergangenen Jahren in vielen freiwilligen Maßnahmen wie beim Anlegen von Blühstreifen oder in Kooperationen mit Naturschützern engagiert“, sagte Kreislandwirt Hartmut Seetzen, „das ignoriert die Bundesregierung völlig und setzt jetzt allein auf Gesetze, die massive finanzielle Auswirkungen auf die Betriebe haben“.

Ihre Kritik an dem Aktionsprogramm haben die Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch in einem Positionspapier zusammengefasst und an die örtlichen Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie die zuständigen Ministerien in Berlin und Hannover geschickt.

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Die Landwirte in Friesland und der Wesermarsch seien vom geplanten Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Naturschutzgebieten wie Vogelschutzgebieten stark betroffen. „Das macht den Anbau von Mais, Getreide, Raps oder Kartoffeln unmöglich“, sagte Seetzen, „auf unseren schweren Marschböden funktioniert die mechanische Unkrautbekämpfung nicht, für die Betriebe gibt es keine Alternative zum Herbizideinsatz“. Ein „massiver Eingriff in die Nutzungsfähigkeit“ sei zudem die Einhaltung von Mindestabständen zu Gewässern beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln. Die Küstenlandkreise seien besonders hart vom Insektenschutzplan getroffen, da es dort neben vielen Vogelschutzgebieten viele Gräben gebe.

Seetzen befürchtet, dass Betriebe in Existenznot geraten, wenn sie den Ackerbau aufgeben oder auf Mais als Viehfutter verzichten müssen, der gerade in trockenen Jahren zuverlässige Erträge liefere. Die geplanten Maßnahmen würden den Strukturwandel in der Landwirtschaft beschleunigen, sagte er. „Und am Ende haben wir eine Landwirtschaft, die keiner will: Die Familienbetriebe verschwinden, stattdessen wird es immer größere Einheiten geben.“

Besonders ärgern sich die Landwirte darüber, dass die Vorschriften hauptsächlich die Landwirte beträfen, zumal sie bereits freiwillig viele Maßnahmen zum Insektenschutz in die Wege geleitet haben. Allein Frieslands Landwirte haben im vergangenen Jahr 100 Hektar Blühflächen angelegt.

„Insektenschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagte Hartmut Seetzen, „auch die Versiegelung von Flächen, der zunehmende Verkehr, die Gestaltung von Parks und Gärten und der Klimawandel gefährden Insekten“.

Manfred Ostendorf, Geschäftsführer der Kreislandvolkverbände Friesland und Wesermarsch, gab einen Überblick über Veränderungen im Verband und kündigte den Umzug der Geschäftsstelle des Kreislandvolkverbandes Friesland von Schortens ins Grünlandzentrum Ovelgönne am 15. November an. „Mit dem Grünlandzentrum haben wir die Chance, wissenschaftliche Projekte in die Politik zu bringen“, sagte Ostendorf.

„Als Landwirt muss man präsent sein, bei der Demo auf den Trecker steigen oder Blühstreifen anlegen“, sagte Andrea Vogt, Sprecherin des Kreislandvolks. Sie kündigte an, dass die Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt“ im nächsten Jahr wiederholt werden soll und appellierte an die Bauern, nicht nur Blühflächen anzulegen, sondern mit den Siegeln auch nach außen zu zeigen, „dass man was macht“.

Traute Börjes-Meinardus Varel / Redaktion Friesland
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