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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Sie kennen auf der A 29 jede Betonplatte

01.10.2019

Varel Erst ein Warnschild mit blinkenden LED-Lichtern. Dann wird die Geschwindigkeit reduziert, und schon kommt das Reißverschlussverfahren. Diese Prozedur kennt wohl jeder, der auf der Autobahn unterwegs ist. Sei es wegen einer Baustelle oder eines Unfalls. Dass sich darüber nicht wenige Verkehrsteilnehmer aufregen, weiß Thomas Weihrauch. Er ist der Leiter der Autobahnmeisterei Varel. „Unsere Leute vor Ort sind das erste Ventil auf das man sich stürzen kann“, sagt der 60-Jährige. „Aber eines müssen die Autofahrer wissen: Wenn wir nicht hinkommen, nicht absperren und saubermachen, geht es erst recht nicht weiter.“

Seit 31 Jahren ist Weihrauch im Einsatz und kümmert sich gemeinsam mit 22 Mitarbeitern um die Autobahn 29 – vom Nordkreuz Oldenburg bis Wilhelmshaven. Wenn es auf der rund 50 Kilometer langen Strecke zu einem Unfall kommt, wissen sie gleich nach der Polizei darüber bescheid: „Der Unfalldienst ist ganzjährig 24 Stunden erreichbar“, sagt Weihrauch. Wenn ein Unfall passiert, ruft die Polizei an und dann übernimmt die Autobahnmeisterei in der Regel die Absicherung. Ist zum Beispiel Öl auf der Fahrbahn ausgelaufen, werden Fachfirmen hinzugezogen, sagt Frank Oeltjen, technischer Mitarbeiter und Straßenwartmeister.

Bis zu 400 Unfälle

Bei einer Vollsperrung werden auch die Auf- und Abfahrten gesperrt: „Dafür haben wir an jeder Anschlussstelle Klapptafeln“, sagt Weihrauch. „Die Ableitungsbeschilderung wird ausgeklappt und dann ist die Strecke gesperrt.“ Diese Tafeln sind vorinstalliert und bestehen aus zwei Teilen. Solange sie nicht ausgeklappt werden, ist es nur eine graue Tafel, die von den Autofahrern meistens übersehen wird, wie der Leiter der Autobahnmeisterei sagt.

Die oberste Priorität ist, dass die Fahrbahn schnellstmöglich wieder freigegeben werden kann. „Alles, was danach an Reparaturarbeiten erledigt werden muss, machen wir im Nachgang. Wie die Reparatur von Verkehrszeichen, Planken oder Wegweisern. Das kann man nicht innerhalb von zehn Minuten reparieren“, erklärt Weihrauch.

Die Straßenwärter der Autobahnmeisterei Varel seien in ihrem Bezirk jährlich bei 360 bis 400 Unfällen im Einsatz. Dazu gehören auch größere Unfälle, zum Beispiel solche mit Lastern, die durch den Mittelstreifen brechen und in die Gegenverkehr kommen. „Tödliche Unfälle sind auch für unsere Mitarbeiter eine psychische Belastung“, sagt Weihrauch. „Wir haben im Falle solcher traumatischen Ereignisse ein Konzept, wie die Notfallseelsorge ablaufen soll.“

Neben dem Unfalldienst, gehören zu den Aufgaben der Autobahnmeisterei der Betriebsdienst, die Unterhaltung der Autobahn sowie die Bauüberwachung und -begleitung. Größere Arbeiten werden öffentlich ausgeschrieben und an Firmen vergeben.

Kennen jede Betonplatte

Im Sommer konzentriert sich die Vareler Autobahnmeisterei vor allem auf die Verkehrssicherheit: „Das heißt Fahrbahnschäden wie Risse oder Ausbrüche beheben, die Pflege der Verkehrszeichen und das Mähen der Bankette und Seitenstreifen“, sagt Weihrauch. Unter Bankette versteht man den rund 1,5 Meter breiten Seitenraum rechts neben der Fahrbahn. Um alles im Blick zu halten, gibt es regelmäßige Streckenkontrollen. „Wir machen das seit Jahrzehnten. Die Mitarbeiter kennen jede Betonplatte, jeden Gullydeckel, jede Leitung, jedes Verkehrszeichen“, versichert Weihrauch.

Neben einer intensiven Brückenkontrolle, die der Leiter einmal im Jahr persönlich vornimmt, wird alle drei Jahre eine einfache Kontrolle durchgeführt. Auch der gesamte Baumbestand an der Autobahn wird jedes Jahr intensiv von einem zertifizierten Baumkontrolleur überprüft. „Bei speziellen Ereignissen wie Stürmen fahren wir mit dem ganzen Team raus und machen eine Kontrolle“, fügt der 60-Jährige hinzu.

Sensoren in der Fahrbahn

Kommt die kalte Jahreszeit, rückt der Winterdienst in den Mittelpunkt der Autobahnmeisterei. „Da sind wir mit vier Lastwagen und zwei Unimogs im 24-Stunden-Dienst unterwegs“, sagt Thomas Weihrauch. Um immer über den aktuellen Stand informiert zu sein, nutzt die Autobahnmeisterei neben Portalen des deutschen Wetterdienstes eigene Wetterstationen. „Wir haben sechs Stück über unseren Bezirk verteilt. Zudem gibt es Messstationen in der Fahrbahn. Sie bilden bestimmte Parameter des Fahrbahnzustandes wie Feuchtigkeit, Temperatur, Salzgehalt ab“, erklärt der Leiter. Dadurch ermittelt das System eine Tendenz, wann mit Glätte zu rechnen ist, und der Bereitschaftsdienst kann so verhindern, dass Glätte überhaupt entsteht.

Ansonsten werden im Winter die Gehölze zurückgeschnitten. „Im Prinzip das Aufarbeiten der Ergebnisse der Baumkontrollen.“

Beruf mehr würdigen

Was die Arbeit der Autobahnmeisterei besonders schön macht, wie es Weihrauch umschreibt, sei die Vielseitigkeit: „In der Regel haben wir einen Arbeitsplan, aber der wird ganz schnell über den Kopf geworfen. Wir können gestalten, wir sehen Ergebnisse unserer Arbeit und haben viel mit Menschen zu tun.“ Doch was fehle, sei die Würdigung seitens der Verkehrsteilnehmer, so Oeltjen.

Wenn Leute anrufen, dann nur, um sich zu beschweren oder zu kritisieren. Auch während der Arbeit: „Bei Vollsperrung positionieren wir an den Anschlussstellen Mitarbeiter, die die Autofahrer informieren sollen. Aber sogar sie werden beschimpft und sogar angefahren“, sagt Thomas Weihrauch.

Soeke Heykes Volontär, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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