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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Diese 3D-Druck-Anlage gibt’s nur in Varel

04.09.2018

Varel Das gibt es nur in Varel: Über 50 Meter ist die neue Pilotanlage zur Serienproduktion von Aluminium-Teilen aus dem 3D-Drucker lang, die der Flugzeugzulieferer Premium Aerotec (PAG), der Autobauer Daimler und der 3D-Druck-Spezialist Eos jetzt in Betrieb genommen haben. Sie füllt eine ganze Halle im Ausbildungs- und Technologiezentrum am Aeropark.

Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines Gesamtsystems zur Herstellung von Bauteilen aus Aluminium für den Automobilbereich sowie die Luft-und Raumfahrt. Die dafür nun errichtete Pilotanlage besteht aus Maschinen zur additiven Fertigung (AM), zur Nachbearbeitung und zur Qualitätssicherung.

Das Besondere: Der Großteil der einzelnen und das Zusammenspiel aller additiven und konventionellen Prozessschritte erfolgt nun vollautomatisiert und integriert – manuelle Schritte wurden eliminiert. Im Ergebnis werden so komplexe sowie leichte und gleichzeitig stabile Bauteile gefertigt, der hohe Automatisierungsgrad ist Basis für eine wirtschaftliche Produktion.

Im Mai 2017 starteten PAG, Daimler und Eos das Projekt „NextGenAM“ mit dem Ziel, in den folgenden 18 Monaten gemeinsam die nächste Generation der additiven Fertigung (AM) zu entwickeln. Seitdem wurde der gesamte AM-Prozess auf Automatisierungspotenziale hin geprüft.

Am Standort Varel wurden dafür sechs Millionen Euro investiert. Leichter, schneller, günstiger – die Automatisierung des 3D-Drucks von der Zuführung des Metallpulvers bis zur Verarbeitung nach dem Druck verspreche vor allem große Kostenvorteile.

„In diesem Projekt haben wir es bereits geschafft, die Produktionskosten für ein Bauteil deutlich zu reduzieren. Damit schaffen wir eine wirtschaftliche Perspektive für große digitale 3D-Druck-Fabriken“, sagt Dr. Thomas Ehm, Vorsitzender der PAG-Geschäftsführung. Premium Aerotec stellt in Varel bereits aus Titanpulver 3D-gedruckte Strukturbauteile für Airbus-Flugzeuge in Serie her.

Dr. Tobias Abeln, Geschäftsführer Technik und Entwicklung bei Eos bezeichnete das Projekt als einen „wichtigen Meilenstein für einen breiten Anwendungsbereich unserer Technologie in der Serienproduktion“.

Vor allem im Automobilbereich könne sich der Aluminium-3D-Druck als zusätzliche variantenreiche Produktionsmethode etablieren, ist sich Jasmin Eichler, Leiterin Forschung Future Technologies bei Daimler, sicher.

In den kommenden Monaten wird die Pilotprozesskette im Technologiezentrum in Varel weiter getestet und Teile der Anlage bewertet und geprüft. Außerdem werden Produktionsdaten gesammelt und ausgewertet, um genaue Daten zu Prozesszeiten, Wirtschaftlichkeit und Kostenoptimierung zu erheben.

Das auf der EOS M 400-4 (links) additiv gefertigte Bauteil wird in einem Container mittels fahrerlosem Transportfahrzeug zur nächsten Station befördert Rechts). BILD: EOS

So funktioniert die neue Pilot-Produktionslinie

Kern der Pilotproduktionskette ist ein Vier-Laser-System zum metallbasierten industriellen 3D-Druck. Es ist in Varel mit einer Pulverstation ausgestattet und mit einer allein stehenden Rüst- sowie Auspackstation verbunden. Im Ergebnis können das Befüllen und Entleeren des Systems mit dem Aluminiumwerkstoff, das Rüsten des Systems zur Vorbereitung eines neuen Bauauftrags sowie das Auspacken der gefertigten Bauteile aus dem Pulverbett unabhängig vom und parallel zum eigentlichen AM-Bauprozess durchgeführt werden.

Der Transport der additiv gefertigten Bauteile (AM) zwischen den einzelnen Stationen erfolgt dabei vollautomatisiert und unter Schutzgas in einem Container auf einem fahrerlosen Transportfahrzeug (AGV).

Auch bei der Nachbearbeitung gibt es bereits eine umfangreiche Automatisierung: Ein Roboter nimmt die Bauplattform mit den Bauteilen aus der Rüststation und legt sie zur Wärmenachbehandlung in einen Ofen. Derselbe Roboterarm entnimmt die Bauplattform anschließend wieder und bringt sie für die Qualitätssicherung zu einer 3D-Vermessungsstation. Abschließend gelangt die Bauplattform zu einer Säge, welche die Teile von der Plattform trennt. Damit sind die Bauteile bereit zur weiteren Nutzung.

Olaf Ulbrich
Redaktionsleitung Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2501

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