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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Nach Respektlosigkeiten: „Wir sind doch keine Roboter“

20.07.2019

Varel „Es muss immer alles und sofort da sein. Ist mal eine von 50 Sorten Wurst nicht da, ist das gleich ein Drama. Ist nicht sofort eine zweite Kasse auf, flippt jeder aus.“ Wie diese Mitarbeiterin eines Discounters machen sich viele Facebook-Nutzer Luft auf der Facebook-Seite der Nordwest-Zeitung. Mit ihrem Interview zum Thema Respektlosigkeit an der Supermarktkasse haben Maren Lüers, Kassiererin bei Edeka in Varel, und ihr Chef Florian Driebolt einen Nerv getroffen. In fast 100 Kommentare drücken die Leser ihre Zustimmung aus, berichten von eigenen Erfahrungen im Handel, in der Gastronomie oder als Paketbotin. Aber auch einige kritische Stimmen über Kassierer sind dabei.

„Der Kunde sieht den Menschen im Einzelhandel immer öfter mehr als Leibeigenen“, hat ein Leser aus Oldenburg beobachtet, und ein Mitarbeiter eines Discounters aus Wiesmoor gibt zu bedenken: „Gerade im Discount ist es so, dass die Läden dünn besetzt sind. Was will der Kunde da verlangen? Irgendwo müssen die billigen Preise ja herkommen. Fragt euch mal woher? Ich bin seit 18 Jahren im Discount tätig und kann mittlerweile ein ganzes Buch darüber schreiben. Mittlerweile denke ich so: Der Kunde ist dann König, wenn er sich auch wie einer verhält. Zum Glück sind die meisten Kunden bei mir im Markt freundlich und verständnisvoll. Ein paar, die aus der Reihe tanzen, wird es immer geben.“

Ganz anders als „easy“

Auch zwei junge Kassiererinnen machen ihrem Ärger Luft: „Wenn man sagt, dass wir auch nur Menschen sind und keine Roboter, wird man nur noch dumm angeschaut“, sagt die eine, während die andere vermutet, „dass viele glauben, an der Kasse sitzen ist ja ganz easy. Aber dem ist nicht so. Es erfordert höchste Konzentration und an einem Arbeitstag kassiert man weit mehr als 400 Kunden ab“.

Andere berichten davon, dass sie den Dienst im Handel aus diesen Gründen quittiert haben. Ein Oldenburger schreibt: „Das ist der Grund, weshalb ich aus dem Bereich Service im Handel ausgestiegen bin. Der Kunde mault und ist respektlos, die Chefs drücken von der anderen Seite. Bist du dann kaputt, wirst du fallen gelassen. Nicht mit mir.“

Neben Mitarbeitern von Supermärkten haben sich auch Kunden zu Wort gemeldet: „Ich empfinde es als sehr unhöflich gegenüber der Kassiererin weiter zu telefonieren“, schreibt Karin Eyting aus Varel zum Thema Handynutzung, „ein kurzes ,ich melde mich später’ muss reichen“. Auch eine Frau aus der Wesermarsch hat Verständnis für Kassiererinnen: „In vielen Einzelhandelsgeschäften ist kaum Personal, wenn ein Kunde dann etwas sucht oder nach einem Preis fragen möchte findet er niemanden, der ihm behilflich ist. Gefrustet geht er dann zur Kasse und lässt dort seinen Unmut ab. Die Kassiererin kann nicht weglaufen, sie muss das dann über sich ergehen lassen. Echt nicht einfach, habe es selber oft genug erlebt.“

Gefundenes Fressen zum Frustablassen

Ein Leser aus Nordrhein-Westfalen bestätigt, „dass die Kunden immer unfreundlicher werden zu den Verkäufern, einige sind einfach stumpf und andere haben ein gefundenes Fressen zum Frustablassen gefunden“. Eine Leserin aus Leipzig äußert sich auf der Facebook-Seite der NWZ, dass sie häufig „entsetzt darüber ist, wie sich manche Leute benehmen. Unfassbar. Hab im Supermarkt auch schon öfters die Verkäufer und Verkäuferinnen verteidigt, weil mir der Kragen geplatzt ist“. Ein anderer Kunde beschwert sich über die „Arroganz derer, welche sich für etwas Besseres halten und die Kassierer abschätzig behandeln. Sie sollten diesen Knochenjob mal für einen Tag machen. Ich bin davon überzeugt, dass die meisten davon schon nach zwei Stunden schreiend aus dem Supermarkt rennen“.

Es gibt aber auch Stimmen, die sich über unfreundliches Servicepersonal beschweren: „Manchmal kommt gar kein Wort vom Gegenüber außer der Zahlbetrag. Freundliche Begrüßung würde da schon helfen und allen das Leben leichter machen. Generell sollten wir alle wieder freundlicher miteinander umgehen“, schreibt eine Kundin. „Einige Kassierer sind aber auch echt unfreundlich oder schauen einen gar nicht erst an, dabei wird noch schön Kaugummi gekaut“, schreibt ein anderer Kunde.

Mehrere Berufsgruppen betroffen

Auch Mitarbeiter anderer Berufsgruppen klagen über zunehmende Respektlosigkeit, wie Sarah, Zustellerin bei einem Paketdienst: „Wie oft machen mir Menschen die Tür auf und telefonieren, reden am Telefon oder Handy weiter und denken, sie könnten mich so stehen lassen. Scanner wegziehen und den Kunden ansehen, bis er merkt, dass Respekt und Aufmerksamkeit noch immer eine große Rolle spielen. Das hat jeder von uns verdient.“

Auch ein Busfahrer aus Oldenburg vermisst Respekt: „Mit diesem Problem haben viele Dienstleister zu kämpfen. Ich als Busfahrer weiß, wovon ich rede.“ Ein Mitarbeiter aus der Gastronomie im Ammerland beklagt sich ebenfalls: „Bei uns in der Gastronomie ist es auch nicht besser, einige Gäste meinen, dass wir ihre Leibeigenen sind.“

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Traute Börjes-Meinardus Varel / Redaktion Friesland
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