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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Sie dürfen aufatmen – und weiter Porzellan produzieren

05.01.2019

Varel Knapp 50 Mitarbeiter haben den Betrieb in der Porzellanfabrik Friesland aufrechterhalten und mit Schrecken an den März dieses Jahres gedacht: Dann sollten die Öfen in der Porzellanfabrik endgültig ausgehen. Und dann diese Nachricht: Das Unternehmen Royal Goedewaagen aus der niederländischen Provinz Friesland kauft Friesland Porzellan und wird in Rahling weiterhin Porzellan produzieren.

Lesen Sie auch: Royal Goedewaagen kauft Friesland Porzellan

Kommentar

Friesland auf den Tisch

Die Porzellanfabrik Friesland, die im Gegensatz zu vielen anderen Marken ausschließlich in Deutschland fertigt, konnte dem Preisdruck des Handels nicht mehr trotzen und wollte in zwei Monaten die Öfen ausstellen.

Jetzt kommt eine mutige Niederländerin, die mit viel Leidenschaft ein mehr als 400 Jahre altes Unternehmen führt, und hat, nachdem sie im November zum ersten Mal in der Porzellanfabrik war, entschieden, sich dem schwierigen Markt zu stellen. Mit Handwerkstradition aus Nordeuropa stellt sie sich dem Wettbewerb gegen die Billigprodukte aus Asien. Dafür verdient sie allergrößten Respekt und Unterstützung. Also: Decken Sie Ihren Tisch mit Porzellan aus Friesland!

„Mir fehlen die Worte“, freut sich Produktionsleiterin Peggy Koriath. Sie arbeitet seit 33 Jahren in der Porzellanfabrik. „Die Fabrik ist wie meine zweite Heimat, das ist mehr Familie als Arbeitskollegen“, sagt sie mit Blick auf ihre beiden Kolleginnen Heike Strömer und Sabine Neumann-Höfers. Auch die beiden Frauen arbeiten seit mehr als 30 Jahren in der Porzellanfabrik – und auch sie sind überglücklich, weiterhin Porzellan produzieren zu können.

Für viele Kollegen hätte das Aus für die Porzellanfabrik die Arbeitslosigkeit bedeutet. Einige Kollegen haben die Fabrik mittlerweile verlassen und woanders Arbeit gefunden. „Einige haben schon angefragt, ob sie hier wieder anfangen können“, weiß Peggy Koriath.

Die Porzellanfabrik Friesland ist bekannt für ihr familiäres Arbeitsklima. Kaum einer geht freiwillig und lange Betriebszugehörigkeiten sind die Regel. So ist Vetriebsleiterin Angelika Pietsch seit 47 Jahren im Betrieb. Sie ist überglücklich, dass es bei Friesland Porzellan weitergeht und wird nicht, wie ursprünglich geplant, im März in den Ruhestand gehen, sondern die neue Chefin unterstützen.

Yvonne Kooi, die Geschäftsführerin von Royal Goedewaagen, ist, seit sie Anfang November das erste Mal in Rahling war, begeistert vom Betriebsklima: „Ich war beeindruckt von der Qualität und der Effizienz und gerührt über das Engagement der Arbeitnehmer.“ Diese Leidenschaft sei auch eines der Merkmale von Royal Goedewaagen.

Yvonne Kooi setzt viel Vertrauen in Varel: Nicht nur, dass ihr Unternehmen die Porzellanfabrik gekauft hat, sie macht Varel auch zum Hauptsitz der neu gegründeten RGW Friesland Porzellan Gruppe, die neben dem Hauptsitz in Varel zwei Standorte in den Niederlanden und einen in Belgien hat.

Yvonne Kooi ist sich sicher, dass durch die Nutzung aller Kompetenzzentren in der Gruppe das Angebot und die Qualität noch gesteigert werden kann. Die neue Gruppe wird eine breite Palette von Produkten anbieten – von Geschirr bis hin zu exklusiven Geschenkartikeln und Wohnaccessoires – vieles davon in klassischem Delftblau. Diese Produkte wird es künftig auch beim Werksverkauf auf dem Gelände von Friesland Porzellan zu kaufen geben.

Bei Friesland Porzellan wird sich einiges tun. Die traditionsreichen Produktlinien sollen erhalten bleiben, gleichzeitig möchte die neue Chefin zusammen mit ihren Modelleuren frischen Wind ins Unternehmen bringen. „Wir müssen voneinander profitieren“, sagt sie.

Traute Börjes-Meinardus
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2502

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