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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Vision vom Brückenschlag über die Jade

29.09.2014

Sande /Wilhelmshaven Drei Männer sitzen gemütlich um den Wohnzimmertisch im Haus von Hartmut Ulrichs und trinken Tee. Doch der Schein einer ruhigen Plauderrunde trügt. Die drei Rentner haben mit 69, 72 und 73 Jahren noch eine Vision. Das Prunkstück ihrer zweijährigen Arbeit ist die Planung einer Brücke, die Wilhelmshaven mit Butjadingen verbindet, also quasi eine Überquerung des Jadebusens – daher „Jadequerung“ genannt.

Im Rahmen des Stadtentwicklungsplanungsprojekts (Step Plus) in Wilhelmshaven haben sie sich vor zwei Jahren kennengelernt und arbeiten seitdem an ihrem Vorhaben.

Pläne aus 70er Jahren

„Verrückt“ könnte man meinen, schließlich gilt es, eine Strecke von gut fünf Kilometern zu überwinden. Doch der gelernte Maurer und spätere Eisenbahningenieur Hartmut Ulrichs (69), Entwicklungsingenieur Reiner Kroke (73) und Elektroingenieur und Professor im Ruhestand der Jade-Hochschule Wilhelmshaven, Alwin Burgholte (72), verfolgen ernsthafte Ziele, wissen aber, dass sie zu „alt sind, um so ein Projekt anzugehen“. Deshalb wollen sie junge Menschen für das Vorhaben gewinnen.

Neu ist ihre Idee keineswegs, denn bereits vor der Planung der A20 haben Pläne einer so genannten „Jadequerung“ existiert. In den 1970er Jahren setzte man sich in Wilhelmshaven für eine küstennahe Verbindung ein. Umgesetzt wurde nichts. „Es ist verrückt, dass die Pläne 45 Jahre später noch immer auf dieselben Ausreden stoßen“, ärgert sich Kroke.

Wilhelmshaven sei wirtschaftlich wenig attraktiv. Laut einer Studie der OLB geht der Trend ab 2014 immer weiter nach unten. Deshalb gelte Wilhelmshaven, aber auch Friesland oft als nicht lohnend für Investitionen. „Auch der Hafen wird in Schwung kommen“, ist Kroke überzeugt und verweist gern auf niederländische Vorbilder: „Auch dort lief es zuerst nicht.“ Dabei habe der Standort Wilhelmshaven genügend Vorteile. „Der Jade-Weser-Port ist seines Namens gar nicht würdig“, bemerkt Ulrichs, schließlich sei es einzig und allein Wilhelmshavens Containerhafen. „Ein Hafen der Jade-Weser-Region würde er erst durch eine Jadequerung werden, wenn dadurch die schnelle Überbrückung von Gütern möglich wird“, findet Professor Burgholte.

Doch es geht ihnen nicht nur um die schnelle Verbindung zwischen dem westlichen und östlichen Jadebusen. Ihre Pläne reichen deutlich weiter. Ihr Projekt könnte zugleich als Schutzwall für den Jadebusen dienen. „Es könnte etwas noch nie zuvor Dagewesenes sein“, meint Ulrichs: Er glaubt, dass durch das Bauwerk Öl bei einem Raffinerieunfall in Wilhelmshaven vor dem Eindringen in den Jadebusen gehindert werden kann. „Gleichzeitig kann ein Strand entstehen“, denkt Burgholte und Ulrichs träumt sogar vom zweiten Sylt.

An beiden Seiten des Jadebusens wollen sie zwischen einem und zwei Kilometer Land gewinnen und nur die restliche Strecke von gut zwei Kilometern mit einer Brücke verbinden. Dabei würde der Bau nur minimal ein kleines Stück Naturschutzzone auf der Butjadinger Seite kreuzen. Ulrichs gibt sich kampfbetont: „Wir dürfen uns nicht vom Umweltschutz erdrücken lassen, schließlich tun wir ja auch etwas für die Umwelt.“

Der neu gewonnen Landabschnitt könnte dann als Strand genutzt werden. So hat es Kroke auch auf alten Aufzeichnungen und Bildern im Stadtarchiv gesehen. Somit hätte man gleich mehrere Vorteile, denn bisher sei die „Grundeinstellung in Wilhelmshaven wirtschaftsfeindlich“, meint er betrübt: „Wenn wir uns wirtschaftlich nicht entwickeln, gehen wir unter!“

Viele Ideen im Kopf

Auch im hohen Alter planen sie noch langfristig und wissen natürlich, dass man ein solches Vorhaben nicht innerhalb eines Tages umsetzen kann. Deshalb setzen sie sich ihr Ziel bis zum Jahr 2030.

In ihren Plänen sind noch weitere Projekte enthalten. So wollen sie die Bahnstrecke Wilhelmshaven-Oldenburg neu beleben mit IC-Verkehr. Nonstop von Wilhelmshaven nach Oldenburg in einer halben Stunde. Das würde das Pendeln erleichtern. „Wilhelmshaven hat etwas, was Oldenburg nicht hat: Wohnraum“, erklärt Kroke die Vorteile der Jadestadt. „Studenten aus Oldenburg kriegen Albträume, wenn sie an Wilhelmshaven denken, aber wo erst einmal Leute sind, kommen auch immer mehr.“

Das sind große Projekte, die sie kaum umsetzen können. Doch sie sind überzeugt von ihrer Idee und wollen nun andere von dem Vorhaben begeistern, um letztlich den hiesigen Raum wirtschaftlich zu beflügeln. Als ehemaliger FDP-Politiker glaubt Ulrichs: „Wir brauchen ein zweites Wirtschaftswunder.“

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