• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Vom Badekarren aus direkt ins Meer

04.05.2010

WANGEROOGE Tourismus und Badebetrieb bilden seit mehr als 200 Jahren ein wichtiges wirtschaftliches Standbein der Insel Wangerooge. Als offizielles Gründungsdatum des Badebetriebs auf Wangerooge gilt der 13. März 1804, als Inselvogt Tiark Friedrich Amman an die Regierung in Jever schrieb und um einen Badekarren und ein Zelt als Grundausstattung einer Seebadeanstalt bat. Beides traf im Mai ein und im Juni 1804 konnte die erste offizielle Badesaison beginnen. Damit war Wangerooge das dritte deutsche Seebad nach Heiligendamm und Norderney.

Unterkunft bei Insulanern

Das Badewesen lief schleppend an: Wenige Gäste besuchten die Insel und fanden Unterkunft bei Insulanern, die im Sommer ihre Schlafzimmer und Stuben räumten, um sich ein Zubrot zu verdienen.

Wangerooge und das Jeverland standen im Zuge der Expansionsbestrebungen Frankreichs unter Napoleon ab 1807 zunächst unter holländischer, dann französischer und ab 1813 unter russischer Herrschaft – keiner der Landesherren legte großen Wert auf den Ausbau von Seebädern.

Das änderte sich erst 1819, als das Jeverland zurück an das Großherzogtum Oldenburg fiel: Die Regierung stellte 5000 Taler zum Ausbau der Seebadeanstalt zur Verfügung. So entstanden 1819 ein so genanntes Logierhaus und 1823 ein Badehaus, weitere Einrichtungen für die Gäste folgten. 1821 besuchten etwa 500 Gäste die Insel, 1823 bereits 1800.

Der Badeaufenthalt auf der Insel gestaltete sich etwas anders als heute: Das Baden als medizinische Anwendung geschah durch schlichtes Eintauchen – Schwimmen konnte kaum jemand. Frauen und Männer hatten streng getrennte Strände, Männer badeten nackt oder in Unterwäsche, Frauen voll bekleidet. Frauen und Kinder nutzten Badekarren als Umkleidemöglichkeit. Die Karren wurden ins tiefere Wasser gezogen, so dass die Frauen vom Karren aus ins Wasser gelangten.

Badekarren gab es auf Wangerooge bis zum Zweiten Weltkrieg. Ergänzt wurden sie durch Strandkörbe und Zelte.

Organisiert wurde der Badebetrieb von 1829 bis 1853 vom Geheimen Hofrat Westing und insbesondere seiner Frau Bernhardine Samuel Westing sowie dem Badearzt Dr. Chemnitz im Auftrag des Großherzogs, der die Wangerooger Badeanstalt unter herrschaftliche Verwaltung genommen hatte. In der Ära Westing erlebte der Wangerooger Badebetrieb seine erste Blütezeit – bis die verheerenden Sturmfluten 1854/55 allem vorerst ein Ende machten (die NWZ  berichtete).

Trotz der Zerstörung des alten Inseldorfs – das mit seinen Logierhäusern, Badehaus, Parks und Neustadt durchaus mondän war – ging es bald wieder aufwärts: Die Insulaner bauten rund um den Leuchtturm von 1856 ein neues Dorf, bereits 1866, elf Jahre nach dem vermeintlichen Untergang, wurde ein neues Kurhaus eröffnet.

Hotelbau in den Norddünen

Durch die Befestigung der Insel entstanden neue Baumöglichkeiten auf sicherem Grund: Die Norddünen wurden terrassiert, 1891 wurde dort das „Strandhotel Gerken“ errichtet, ein Jahr später folgte der Kaiserhof, 1901 das Hotel Monopol und 1912 das Hotel Germania.

1906 eröffnete das Warmbad an der westlichen Promenade, bis 1914 wurden die Häuser entlang der heutigen Zedeliusstraße errichtet.

Auch die Reise zur Insel wurde leichter: Hatten bis 1897 die Schiffe aus Harle und Bremen im Wattenmeer geankert und die Reisenden stiegen vom Schiff in bereitgestellte Pferdefuhrwerke um, konnten mit dem Bau der ersten Brücke am Westanleger Schiffe direkt anlegen. Zugleich wurde die Inselbahn gebaut, die ab 1897 Badegäste, Gepäck und Güter ins Dorf transportierte.

1904 entstand zusätzlich ein Ostanleger mit Lloydbrücke und Schiffe des Norddeutschen Lloyd fuhren von Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven regelmäßig nach Wangerooge. Die bessere Erreichbarkeit Wangerooges führte zur Entwicklung des Tagestourismus’: Seit 1903 fuhr man für einen Tag auf die Insel oder unternahm Lustfahrten mit dem Dampfer.

1908 fiel schließlich die strenge Trennung von Frauen- und Männerstrand – Wangerooge bekam einen Familienstrand.

Unterbrochen wurde der Badebetrieb 1814 bis 1918 durch den Ersten Weltkrieg: Anstelle von Badegästen bevölkerten Soldaten die Insel, die die Zufahrt Wilhelmshavens schützen sollten. Auch die erste Saison nach dem Krieg war für die Wangerooger beschwerlich: Es mangelte an Lebensmitteln und Personal. Immerhin stieg die Zahl der Gäste stetig wieder an: 1919 kamen 9600 Urlauber, 1927 waren es 13 900.

Bedeutsam für Wangerooge war das Jahr 1928: Die 1885 gegründete Inselgemeinde, die seit 1897 das Badewesen in eigener Regie führte, erhielt das Recht, sich „Nordseebad Wangerooge“ zu nennen.

Mitte der 1930er Jahre besetzte erneut das Militär die Insel – die Gäste blieben nach und nach aus, die Hotels schlossen oder bekamen neue Aufgaben. So wurde im Hotel Germania die Kriegsopferversorgung der Nationalsozialisten untergebracht. Am 25. April 1945 wurde Wangerooge knapp 90 Jahre nach der verheerenden Sturmflut erneut von einer Katastrophe heimgesucht: Ein alliierter Luftangriff legte die Insel in Schutt und Asche.

berichtet über Hintergründe der Gemeindegründung vor 125 Jahren und die Entwicklung Wangerooges

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.