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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Frust und Zukunftssorgen auf den Höfen

04.12.2019

Wangerland Rund 68 Hektar Boden werden in Deutschland jeden Tag neu versiegelt. Für Straßen, für Gewerbeflächen und Neubauten. „Das ist jeden Tag die Fläche eines durchschnittlichen landwirtschaftlichen Betriebs in Niedersachsen“, sagt Helma Gerken. Sie betreibt in Wayens mit ihrem Mann Fritz einen Milchviehbetrieb und seit Jahren eine Biogasanlage.

Immer mehr Auflagen

Und noch eine Zahl: Es gibt rund 50 verschiedene Bodenarten in Deutschland. „Und überall wächst etwas anderes“, sagt Gerken. Man könne doch keine Gesetze erlassen, die für jeden Boden nahezu gleiche Vorgaben machen. Fruchtbare Böden seien nicht nur wichtigste Voraussetzung für die Nahrungsmittelversorgung, sondern wichtig für den Schutz von Wasser, Klima und Biodiversität, betont Landwirtin Heike Lange­diers.

Es gibt viel zu bereden in der Landwirtschaft, finden Gerken und Langediers: Neue Düngeverordnung, Insektenschutz, Klimaschutz. Das Gesetzespaket, das die Bundesregierung im September geschnürt hat, verpflichtet die Bauern, strengere Umweltauflagen zu erfüllen, weil die Landwirtschaft als wesentlicher Verursacher des Artensterbens gilt und verantwortlich sei für Umweltprobleme und zu hohe Nitratwerte im Grundwasser.

Die Bauernproteste vergangene Woche in Berlin und der ergebnislose Agrargipfel Anfang der Woche von etwa 40 Landwirten bei Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerin Julia Klöckner sowie das schlechte Standing der Landwirte in der öffentlichen Wahrnehmung treiben Helma Gerken, Heike Langediers sowie ihren Berufskolleginnen Anke Eden-Jürgens und Gitta Hobbie die Sorgenfalten auf die Stirn. Bei einem so genannten Dielengespräch auf dem Hof Gerken in Wayens hat das Quartett die Gelegenheit genutzt, zu den aktuellen Entwicklungen in der Landwirtschaft die Sicht der Landfrauen darzustellen.

Im Kern geht es den Frauen aus dem Kreislandfrauenverband um die Frage, welche Zukunft Landwirtschaft noch hat. Die Frauen aus der Projektgruppe „Interessengemeinschaft Landfrauen und Landwirtschaft“ kritisieren nicht nur die immer geringere Wertschätzung für Lebensmittel und die Arbeit der Landwirte, sondern auch, dass zu viel über die Köpfe der Landwirte hinweg entschieden wird. Dass Politik oft nicht bereit ist, auf den Sachverstand und den Erfahrungsschatz der Landwirte zu hören, sondern in der großen Aufgabe Klimaschutz der Landwirtschaft immer mehr Vorgaben macht, die diese nicht erfüllen können, weil es finanziell nicht zu leisten ist.

„Die Agrarpolitik unterstütze die kleinen und mittleren Betriebe zu wenig gegenüber den Großen. Natur- und Umweltschutz und das Tierwohl haben auf unseren Höfen stets oberste Priorität“, betonen die Landfrauen. Naturschutz und Tierwohl dürfe nicht allein auf den Rücken der Landwirte ausgetragen werden, meint Gitta Hobbie. „Tierwohl und Umweltschutz geht alle an und muss von allen mitbezahlt werden.“

Viel zu wenige Verbraucher seien dazu bereit. Es darf nicht sein, dass der Lebensmitteleinzelhandel immer mehr Qualität und Tierwohl fordert, zugleich aber die Preise „bis zum Gehtnichtmehr“ drückt. „Wo sollen die Lebensmittel herkommen, wenn wir sie nicht mehr produzieren“, fragen die Landfrauen und plädieren für „mehr saisonal und regional“ auf den Tischen. Die ganze Entwicklung sorge für Frust und Perspektivlosigkeit auf den Höfen. „Das setzt den Landwirtsfamilien schwer zu. Viele Betriebe geben auf“, befürchten die Landfrauen.

Klares Bekenntnis fehlt

Die Landfrauen fordern ein klares Bekenntnis der Politik für den Erhalt der Landwirtschaft und den Dialog von Politik, Wissenschaftlern, Verbrauchern und Landwirtschaft. Es müsse zu Lösungen kommen, die nicht überstürzt verabschiedet werden, sondern die nachhaltig sind und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, sagt Heike Langediers.

Lösungen müssen nicht nur bezahlbar sein, sondern auch praktisch umzusetzen – Landwirte müssen die Möglichkeit haben, auf Wetter und Witterung flexibel zu reagieren.

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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