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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Am 4. November steht die Taufe an

30.09.2017

Wangerooge /Motzen „Da ist also unser neues Boot!“ Voller Bewunderung steht Vormann Roger Riehl in der Schiffbauhalle der Werft Fr. Fassmer in Motzen an der Weser. Hier befindet sich zurzeit das künftige Wangerooge Seenotrettungsboot mit der internen Bezeichnung SRB 68 im Endausbau. Jetzt besichtigte eine Abordnung der Wangerooger Seenotretter die Werft und machte sich ein Bild vom schmucken Neubau.

Im Boot wieseln die Bootsbauer, Elektroniker und Motorspezialisten auf kleinstem Raum herum. „Zum Schluss wird es immer eng an Bord“, erklärt Carl Göner, der als Inspektor der DGzRS-Flotte den Neubau vorstellt. Jeder Raum ist ausgenutzt, hinter den Schotts für Maschinenraum oder Ruderanlage herrscht ein für Laien undurchschaubares Gewirr von Stromkabeln und Hydraulikleitungen.

Technische Daten

Länge: 10,1 Meter Breite: 3,63 Meter Tiefgang: 0,96 Meter Verdrängung: 8 Tonnen

Geschwindigkeit: 18 Knoten (ca. 33 km/h) Antrieb: 360 PS Cummings-Diesel, ein Propeller.

Um den 380-PS-Motor herum gruppieren sich Getriebe, Motor- und Getriebekühlung, Generatoren. „Das ist eine ganz kniffelige Schiffbauarbeit, auf einem derart kleinen Boot alles unterzubringen, was wir für unsere Aufgaben auf See benötigen“, erklärt Göner. Nachdem die Fassmer-Werft in diesem Jahr schon neue Boote für Juist und Langeoog abgeliefert hatte, stimme bei der Baunummer 3 der neuen Kleinserie eben jedes kleinste Detail, betont der Inspektor. „Wangerooge bekommt optimale Qualität“, ist er sicher.

Derweil ist Stefan Pinkenburg von Wangerooge schon ins Bootsinnere abgetaucht. „Wo müssen wir das Motoröl kontrollieren? Wie wird Kühlflüssigkeit aufgefüllt? Welche Leitung führt dort entlang?“ – Fragen über Fragen, denn zwischen dem alten Rettungsboot „Wilma Sirkorski“ und der neuen SRB 68 liegen immerhin 18 Jahre technischen Fortschritts.

Überall kommt modernste Technik und feinste Elektronik an Bord. „Alle drei Inselboote wurden von denselben Team gebaut. Das hat sich hervorragend eingespielt“, sagt Projektleiter Christian Schmidt von der Fassmer-Werft. „Unsere Männer sind mit Begeisterung dabei“, versichert auch Fertigungsleiter Jens Niebank. Bei einem Auftrag dieser Größenordnung könne man nur eingespielte Kollegen einsetzen.

Stefan Pinkenburg, der selbst den Beruf des Bootsbauers gelernt hat, ist beeindruckt: „Saubere Arbeit!“ zollt er den Fassmer-Männer ehrliches Lob. Und Rettungsmann Bernd Abels stimmt ihm zu: „Wir bekommen ein tolles Boot!“.

„Der Neubau kostet rund eine Million Euro. SRB 68 wird etwa 30 Jahre Dienst in der DGzRS-Flotte versehen“, erklärte Carl Göner. Die „Wilma“ wird im Herbst zunächst für zwei Jahre nach Norddeich verlegt, bis dort ebenfalls ein Neubau stationiert werden kann. Dann wird das langjährige Wangerooger Schiff voraussichtlich in Horumersiel die „Baltrum“ ablösen.

Aktuell sind weitere sieben Strandrettungsboote beauftragt, die derzeit in Rostock gebaut werden. „Bei den Neubauten handelt es sich um modifizierte Typen der 9,5-Meter-Klasse, die durch zwei Spanten mehr in der Länge die Unterbringung und Behandlungsmöglichkeiten an Bord für Schiffbrüchige, Erkrankte und Verletzte verbessert“, erläutert Göner. „Mit 96 Zentimetern Tiefgang kann das Boot auch im anspruchsvollen Tidenrevier mit vielen Sandbänken und Flachs rund um die Insel seine vielfältigen Aufgaben erfüllen.“

Das SRB 68 ist als Selbstaufrichter konstruiert und vollständig aus Aluminium im bewährten Netzspantensystem gebaut. Es zeichnet sich durch hohe Seetüchtigkeit aus. In Grundsee und Brandung besitzt es gute See-Eigenschaften, manövriert einwandfrei, übersteht auch heftige Grundstöße und ist in der Lage, dank des umlaufenden Fendersystems auch unter erschwerten Bedingungen bei Havaristen längsseits zu gehen. Der Neubau ist mit modernster Navigationstechnik, leistungsstarken Schlepp- und Lenzgeschirren sowie einer Ausrüstung zur medizinischen Erstversorgung ausgestattet.

Die Wangerooger Freiwilligen-Besatzung wird mit den Eigenschaften des neuen Bootes Anfang Oktober vertraut gemacht, vereinbarten Vormann Roger Riehl und Carl Göner beim Werftbesuch. Die Taufe des neuen Bootes, dessen Name traditionell erst dann bekannt gegeben wird, erfolgt am 4. November auf der Vormann-Tagung der Gesellschaft in Bremen. Anschließend nimmt der Neubau sofort Kurs auf die Insel.

Der 2013 verstorbene Professor Dr. Fritz Thieme aus Hamburg hat mit seinem Nachlass den Neubau ermöglicht. Der in Sachsen geborene Hochschullehrer für physikalische Chemie setzte die Seenotretter als seine Erben ein. SRB 68 wird einen Namen nach seinen Wünschen tragen. „Wir sind dafür sehr dankbar, denn dieser Nachlass versetzt uns in die Lage, den Neubau vollständig zu finanzieren“, so DGzRS-Geschäftsführer Nicolaus Stadeler.

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