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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

OJE

16.03.2019

Wangerooge „Gesundheit, Freude und reiches Erleben will das Schullandheim Wangerooge recht vielen Kindern aus dem Oldenburger Lande vermitteln und sie für einige Zeit aus der alltäglichen Welt herausführen“: Das schrieb die NWZ in ihrer Ausgabe am Dienstag, 26. April 1949.

70 Jahre ist es her, da ist auf der Insel das Schullandheim, später: „Oldenburgisches Jugenderholungswerk“ (OJE), in der ehemaligen Jadekaserne offiziell eröffnet worden.

Die Idee dazu entstand ein Jahr zuvor. Den Kindern sollte dieses Heim einen „Seeaufenthalt von 14 Tagen bei bester Betreuung“ ermöglichen – ihre Gesundheit sollte ständig durch den damaligen Bade- und Kinderarzt Dr. Siemens überwacht werden. In der Chronik des OJE zum 50-jährigen Bestehen heißt es: „Als Kinderarzt im OJE wirkte oft schon sein väterlicher Zuspruch für schnelle Gesundheit und Wohlbefinden.“

Die Entstehung

„Die Entstehungsgeschichte liegt in der schwierigen Nachkriegszeit“, sagt Dieter Boll, Vorsitzender des OJE. „Es gab Hunger und Not. Der Oldenburgische Verwaltungspräsident August Wegmann und sein damaliger Schulabteilungsleiter Fritz Kaestner (ehemaliger Kultusminister), haben sich dafür eingesetzt, dass erholungsbedürftige Kinder sich hier aufhalten können.“

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg, von 1920 bis 1933, habe es in der Kaserne ein Schullandheim gegeben – ab 1933 wurde es wieder als Kaserne genutzt. Um 1949 wieder ein Schullandheim einzurichten, wurde das Gebäude neu hergerichtet. Als Träger schlossen sich die Landkreise Cloppenburg, Oldenburg und Friesland, die Städte Oldenburg, Wilhelmshaven und Delmenhorst und die Gemeinde Wildeshausen zusammen: als „Verein Schullandheim Wangerooge e. V“. Für die finanzielle Unterstützung sorgte neben den Städten, Kreisen und Gemeinden auch das Land Niedersachsen.

Minister a.D. Kaestner gab ein Schrieben des Kultusministeriums bekannt, wonach mit einem Zuschuss von 12 000 DM gerechnet werden konnte. Das wurde für Decken und anderes Inventar verwendet, für die Miete der ersten fünf Monate sowie für den ersten Kassenbestand.

Der erste Heimleiter

„Dann galt es noch einen geeigneten Heimleiter zu finden“, so Boll. „Ihm wurde für seine Arbeit ein Maßanzug, ein fettes Schwein sowie die kostenlose Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung gestellt.“ Auch der ersten Küchenleitung wurde die kostenlose Unterkunft und Verpflegung angeboten – sie war durch den Krieg Witwe geworden, weiß Boll.

Die ersten Schüler kamen aus Cloppenburg. Sie und ihre Nachfolger genossen ihren Aufenthalt: „Hier ist es herrlich, waren schon am Strand, habe schon drei Pfund zugenommen“, schrieb die NWZ damals, haben die Schüler auf Ansichtskarten an ihre Familie daheim geschrieben.

Weiterhin schrieb die NWZ:

„Die 300 Betten waren während des Sommerhalbjahres von Ende April bis Ende Oktober belegt. Alle vierzehn Tage erfolgte ein Wechsel. Daß vor allem in den Hauptmonaten Juli und August noch viele Anfragen abgeschrieben werden mußten, erscheint nicht verwunderlich, wenn man an den geringen Tagessatz denkt. Die Verbandsmitglieder und Schulklassen brauchten für Unterkunft, Verpflegung und Kurtaxe nur 2,90 DM zu bezahlen.

Auf diese Weise wurde vielen Kindern und Jugendlichen aus allen Teilen des Verwaltungsbezirks ein billiger Erholungsaufenthalt ermöglicht, an den ein Teil von ihnen sonst nicht hätte denken können.“

Allein im ersten Jahr sollen rund 2000 Schüler das Schullandheim besucht haben. „Das musste erst einmal gestemmt werden“, sagt Boll. „Es musste ein zusätzlicher Kohlezug kommen, damit die Jadekaserne geheizt werden konnte, ebenso zusätzliches Mehl für Brot.“

Eigenes Vieh gehalten

Von 1950 bis 1958 hat das OJE zur Aufbesserung der Finanzen Vieh gehalten. Zu diesem Zweck ist auch ein Melker eingestellt worden. Ein Viehstall diente im Sommerhalbjahr als Schweinestall, im Winterhalbjahr als Kuhstall.

Bis 1958 besuchten rund 40 000 Schüler das Schullandheim – bis Umbaupläne entstanden. In die Jadekaserne sollte das Inselgymnasium einziehen. Dem Schullandheim wurde vom Eigentümer, der Bundesvermögensverwaltung, kurzerhand gekündigt, schrieb die NWZ damals.

Im Oktober 1959 fand schließlich die Einweihungsfeier des neuen Inselgymnasiums statt – also vor 60 Jahren.

Für das Schullandheim sollte dann ein neues Gebäude errichtet werden. „Es war mutig, damals zu sagen: dann bauen wir eben eine neue Unterkunft“, sagt Boll. Die Anmietung alter geeigneter Gebäude schien aber weder gewollt noch möglich gewesen zu sein.

„Der Architekt hatte es nicht leicht“, heißt es in der Chronik des OJE, die 1999 zum 50. Geburtstag erstellt wurde. Denn: Der ehrenamtlich tätige Architekt Borowski musste insgesamt vier Pläne ausarbeiten. Erst war geplant, zweigeschossig zu bauen, aber da das Heim in der Einflugschneise des Flughafens lag und es sich zudem als zu kostspielig erwies – wie auch die folgenden Pläne – waren Änderungen nötig.

Erst nach der vierten Planung konnte der Beschluss zum Bau gefasst werden. „Die Finanzierung bereitete dem Verein zwar Schwierigkeiten, da er den größten Teil der 630 000 DM selbst aufbringen musste.“, heißt es in der Chronik. „Aber mit den eigenen Mitteln und Darlehen, für die der Verein der Landessparkasse als Hauptdarlehnsgeber besonders dankbar war, wurde auch diese Hürde genommen.“

Mehrer Bauabschnitte

Von 1960 bis 1965 liefen die Bauarbeiten an der Siedlerstraße, dem heutigen Standort, in mehreren Bauabschnitten. Am Freitag, 12. August 1960, schrieb die NWZ:

„Mit dem Vorhaben, nördlich der Siedlerstraße zu bauen, stieß man auf den Widerwillen der Bevölkerung und mußte schließlich ausweichen, da das vorgesehene Baugelände für die Wassergewinnung bedeutend ist. So wurde der alte Plan, östlich des Dorfes zu bauen, wieder aufgegriffen und in die Tat umgesetzt.“

Als auf Wangerooge 1960 der Umzug von der Jadekaserne in das neu errichteten Gebäude an der Siedlerstraße stattfand, hatte das Schullandheim auch schon den neuen Namen „Oldenburgisches Jugenderholungswerk e.V.“, kurz OJE.

„Neben dem äußerlichen Umbau hat sich auch innerlich einiges verändert“, sagt Boll. „Während in den 40er-Jahren gerade die Kriegszeit zu Ende war, waren die 60er-Jahre von der Wohlstandsgesellschaft geprägt.“ Trotzdem habe sich in der Zeit und bis heute an der Zielsetzung nichts geändert. „Nach wie vor steht im Fokus, dass wir Kindern, die sonst nicht die Möglichkeit hätte, einen Inselaufenthalt ermöglichen wollen.“

Und das inzwischen übrigens in ordentlich sanierten und modernisierten Häusern. Denn: In den Jahren 2013 bis 2017 sind zwei der drei OJE-Häuser erneuert worden, dafür wurden 2,5 Millionen Euro in die Hand genommen.

Im Oktober dieses Jahres beginnt dann die Erneuerung des dritten Hauses. Der Bau, so der Plan, soll 2022 abgeschlossen sein – das kostet nochmals rund 1,5 Millionen Euro. Zuschuss gibt’s von den Landkreisen Cloppenburg und Friesland sowie der Stadt Oldenburg – „das entspricht aber keine Vollabdeckung“, sagt Boll.

Was bei dem Umbau an Haus 3 vor allem im Vordergrund steht: die gesamte untere Etage soll behindertengerecht sein – theoretisch für bis zu 20 Personen.

„Durch den Umbau werden wir auch dieses Jahr nicht unseren 70. Geburtstag feiern – sondern erst in fünf Jahren, wenn alles komplett fertig ist“, sagt Boll. Bis dahin müsse noch einiges getan werden. „Zusammen mit den bisherigen Modernisierungen ist das schon eine harte Herausforderung. Am Ende werden wir aber stolz sein.“

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Antje Brüggerhoff Agentur Hanz / Redaktion Jever
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