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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Wo der Zug noch nicht abgefahren ist

23.05.2014

Sande Es gab Zeiten, da haben Kinder sich am Schaufenster von Bernhard Breiter staunend die Nase platt gedrückt und wussten, was sie sich zum nächsten Weihnachtsfest oder zum Geburtstag wünschten. Eine Modelleisenbahn. Oder wenigstens eine Lokomotive oder einen Modellbausatz.

Heute gehen Kinder nahezu achtlos an seinem schönen Spielzeugladen an der Sander Hauptstraße vorbei, bedauert Bernhard Breiter. „Die Kinder gucken heute auf ihre Smartphones, aber nicht mehr in mein Schaufenster.“ Modelleisenbahnen, Modellautos oder Modellbausätze von Autos, Flugzeugen oder Schiffen, die man selbst zusammenkleben und auch noch lackieren muss, sind nicht mehr angesagt in der „iGeneration“.

Die Kunden, die der gebürtig aus der Schweiz stammende und seit vielen Jahren in Friesland lebende Bernhard Breiter heute bedient, sind Erwachsene.

Leute im fortgeschrittene Alter, die seit frühester Jugend Spaß am Modellbau und an Modelleisenbahnen haben, früher meist nicht das nötige Kleingeld hatten für all die schönen Lokomotiven, die Waggons, für kleine Automodelle und Fachwerkhaus-Bausätze. Und die nun Zeit und Muße und auch das Einkommen haben, um sich den einen oder anderen Wunsch zu erfüllen.

Dass es Kinder und Jugendliche als einst große Zielgruppe seines Sortiments heute nahezu nicht mehr gibt, weil sich deren Interessen völlig verschoben haben und Jugendliche immer mehr in virtuellen Welten spielen, war schon schwer genug für Bernhard Breiter.

Immer mehr werden die virtuellen Welten für den Modellbahn-Laden auch deshalb zur Bedrohung, weil das Klientel, das zu Breiters Kundschaft zählt, parallel auch im Internet nach Angeboten Ausschau hält. Statt über seine Ladentheke verkauft zu werden, landen heute viele miniaturisierten Dampfloks, Güterzüge und Kesselwagen im Einkaufswagen von Online-Anbietern.

Auch der Schortenser Nils Steenblock, der sich für Modellbahnen und Modellautos interessiert, hat das eine oder andere Exemplar schon online geordert. „Da bin ich aber wieder von abgekommen“, sagt Steenblock, „denn der Service und der persönliche Kontakt zum Verkäufer, der mich berät und über Neuheiten informiert, das gibt’s im Internet nicht.“

Ein großer Vorteil gegenüber dem Einkauf bei einem Internetanbieter sei unter anderem die Möglichkeit der Reklamation. „Gerade bei so fragilen Dingen kann schon mal etwas nicht funktionieren oder abgebrochen sein, da hat man dann beim Interneteinkauf furchtbar viel Rennerei, muss alles aufwendig verpacken und zurücksenden“, sagt Steenblock. Im Fachgeschäft kann man die Modelle sehen, anfassen, prüfen. Und wenn es dann doch mal Grund zur Reklamation gibt, sei das alles viel unkomplizierter.

Und vor allem: „Ich könnte mich in solch einem Laden stundenlang aufhalten und herumschnüstern“, schwärmt der Schortenser. Wenn es solche Geschäfte nicht mehr gebe, das wäre schon traurig.

Doch davon ist Bernhard Breiter weit entfernt. Sein Modellbauladen ist eine bekannte Adresse nicht nur in Sande, sondern für Modelleisenbahner und Modellbauer im ganzen Jeverland und in Wilhelmshaven – mindestens. „Doch, ja, die Leute kommen von weiter her“, sagt Bernhard Breiter, dessen Angebot und Auswahl und Fachkompetenz im weiteren Umkreis bekannt und geschätzt sind. „Man muss was tun, sonst ist der Zug eines Tages abgefahren – im wörtlichen Sinn“, sagt Breiter.

Dazu gehöre, neue Produkte schnell anzubieten oder aber zügig zu bestellen und zu liefern. „Die Kunden sind ungeduldiger geworden“, sagt Bernhard Breiter, „alles muss möglichst bald da sein.“ Das gelinge meist auch. Und ein bisschen ist es dann immer noch wie Weihnachten, wenn die Kunden freudestrahlend ihre langersehnte Rangierlok, den Schienenbus oder Dieseltreibwagen in Empfang nehmen. Wenigstens daran hat sich nichts geändert.

Oliver Braun
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965313

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