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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Machen 1000 Euro im Monat faul?

23.10.2019

Zetel Bedingungsloses Grundeinkommen – kann das funktionieren? Oder macht es die Leute faul, weil sie dann auch ohne Arbeit durchs Leben kommen? Und sollte es wirklich ganz bedingungslos sein? Und natürlich: Wie hoch sollte das bedingungslose Grundeinkommen sein, wenn man es wirklich einführen möchte? Fragen über Fragen, die am Montagabend im Wehdehof in Zetel zum Teil leidenschaftlich diskutiert wurden. Die SPD-Ortsvereine aus Zetel und Neuenburg hatten die Buchautorin Claudia Cornelsen eingeladen, die zum bedingungslosen Grundeinkommen einiges aus der Praxis erzählen konnte.

Was ist das bedingungslose Grundeinkommen?

Zum Buch

Das Buch „Was würdest Du tun?“ von Michael Bohmeyer und Claudia Cornelsen ist für 16 Euro im Buchhandel erhältlich. ISBN: 978-3430210072

Beim bedingungslosen Grundeinkommen ist der Name Programm: Jeder Mensch bekommt jeden Monat einen festen Betrag überwiesen – bedingungslos. Anders als etwa bei Hartz IV muss der Empfänger keinen Bedarf nachweisen, bekommt nichts abgezogen, sobald er ein paar Euro dazuverdient und ist auch niemandem Rechenschaft darüber schuldig, wofür er das Geld ausgegeben hat oder ausgeben will.

Wird das Konzept bereits in die Tat umgesetzt?

In mehreren Ländern wird bereits mit dem bedingungslosen Grundeinkommen experimentiert. In Deutschland verlost der Verein „Mein Grundeinkommen“, von dem auch Claudia Cornelsen ist, ein bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von 1000 Euro pro Monat für ein Jahr. Die Lotterie wird komplett über Spenden finanziert. Einzige Voraussetzung für eine Teilnahme: Man braucht eine E-Mail-Adresse für die Anmeldung und wenn man gewinnt, muss man natürlich ein Konto angeben. Zur Anmeldung geht es hier:

Wie viele Gewinner gab es bereits?

Derzeit wird Geld für das 436. Grundeinkommen eingesammelt, 435 Grundeinkommen wurden also bereits verlost. Rund 160 000 Menschen geben regelmäßig Geld an den Verein – laut Claudia Cornelsen im Schnitt vier Euro.

Wer hat das Grundeinkommen bisher gewonnen?

Claudia Cornelsen hat zusammen mit Michael Bohmeyer, der die Idee mit der Lotterie ins Leben gerufen hat, einige Gewinner kontaktiert, besucht und ein Buch über die Erfahrungen geschrieben. Ihr zufolge waren das Menschen vom Millionär bis zum Obdachlosen. Auch Hartz IV-Bezieher, Alleinerziehende, alte Menschen, ein zweijähriges Kind und ein Beamter waren unter den Gewinnern.

Was haben die Menschen mit dem Geld gemacht?

„Wir haben gemerkt, das die Frage ,Was machen die Menschen mit dem Geld?‘ völlig falsch ist“, sagt Claudia Cornelsen. Stattdessen müsse die Frage lauten: „Was macht das Geld mit den Menschen?“ Ihre Erfahrung war, dass zumindest am Anfang die meisten Menschen das Grundeinkommen oft „verkonsumieren“, sich also ein neues Handy, einen neuen Fernseher oder eine Spielekonsole kaufen. Dann entdeckten die meisten Menschen aber die neu gewonnene Freiheit, die ihnen das Grundeinkommen beschere. Ein Mann habe beispielsweise seinen ungeliebten Job in einem Callcenter gekündigt und eine Ausbildung zum Erzieher begonnen, eine prekär beschäftigte Frau mit drei Jobs konnte immerhin einen Kellnerjob, in dem sie ausgenutzt worden sei, kündigen.

Menschen, die das Geld nicht wollten, weil sie selbst genug hatten, verschenkten das Grundeinkommen einfach weiter. Eine Frau habe wegen des Grundeinkommens den Mut gefunden, ihrem Chef die Meinung zu sagen und so die Arbeitsbedingungen in ihrem Job verbessert, jemand anderes wagte Dank des sicheren Grundeinkommens den Weg in die Selbstständigkeit.

Auch wenn ein Jahr Grundeinkommen zu kurz sei, um zu sehen, wie die Menschen damit ihr Leben umkrempeln, könne man laut Claudia Cornelsen immerhin sehen, wie die psychosozialen Effekte sind. „Die Bedingungslosigkeit macht etwas mit den Menschen“, so Cornelsen.

Warum könnte das Grundeinkommen sinnvoll sein?

Neben den positiven Effekten auf Psyche und Gesundheit, die Cornelsen und Bohmeyer bei den Menschen beobachtet haben, könne das bedingungslose Grundeinkommen auch eine Antwort auf die zunehmende Automatisierung sein. In einigen Berufen liege das Automatisierungspotenzial bei 80 Prozent. Die betroffenen Menschen allesamt in neue Jobs zu bekommen, könne schwierig werden. Es gehe schlicht die bezahlte Arbeit aus. „Es kommt ein riesiger Tsunami auf uns zu und das Grundeinkommen kann ein guter Rettungsring sein, um nicht abzusaufen“, sagt Claudia Cornelsen.

Sind 1000 Euro im Monat nicht etwas viel?

Die Frage stellt sich spätestens dann, wenn man sich fragt, wer das alles bezahlen soll. Wegen 1000 Euro im Monat würde ein alleinlebender Mensch sicherlich nicht seinen Job aufgeben, nur weil er mit seinem Grundeinkommen gerade so über die Runden kommt. Anders könnte es aber aussehen, wenn beispielsweise eine Familie mit drei Kindern jeden Monat 5000 Euro bekommt. Daher gibt es auch Vorschläge, für Kinder nur ein halbes Grundeinkommen zu zahlen oder die Zahlung insgesamt zu verringern. In Finnland gibt es ein Experiment mit einem bedingungslosen Grundeinkommen in Höhe von 560 Euro für 2000 Arbeitslose an Stelle des Arbeitslosengeldes. Der Betrag reicht noch lange nicht zum Leben, habe aber dazu geführt, dass die Menschen sich persönlich sehr viel wohler fühlten und optimistischer in die Zukunft blickten.


     www.mein-grundeinkommen.de 
Christopher Hanraets Varel / Redaktion Friesland
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