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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Was hinter dem Konzept steht und welche Chancen es birgt

13.10.2018

Zetel Marsch, Moor und Geest, einzelne Höfe aus uralten Klinkern, umgeben von offenem Weideland: Das ist Friesland, und es ist eine „Kulturlandschaft von Weltrang“, wie der Leiter der Nationalparkverwaltung sagt. Peter Südbeck hält die vom Mensch gemachte Landschaft auf der Binnenseite des Deiches für etwas ganz Besonderes, und zwar alles daran: die Ökologie, die Ökonomie und die sozialen Strukturen.

Im Umwelt- und Planungsausschuss der Gemeinde Zetel erklärte Peter Südbeck jetzt, warum es für die Gemeinde Zetel Sinn machen würde, Teil des Biosphärenreservats Nationalpark Wattenmeer zu werden.

Was bedeutet es, wenn eine Gemeinde zum Biosphärenreservat gehört?

Keine zusätzlichen Auflagen: Peter Südbeck betont: Wenn eine Kommune Teil des Unesco-Biosphärenreservats Wattenmeer wird, bedeutet das für die Gemeinde nicht mehr Verordnungen. Egal ob Baurecht oder Naturschutzrecht: Die Nationalparkverwaltung mische sich nicht ein und habe weder das Ziel noch das Recht, der Kommune mehr Auflagen zu machen.

Entwicklungszone: Ein Biosphärenreservat besteht aus drei Zonen: geschützter Kernbereich, pflegebedürftige Pufferzone und Entwicklungszone ohne besondere Auflagen. Kern- und Pufferzone sind bereits durch das bestehende Biosphärenreservat Wattenmeer abgedeckt. Anliegende Gemeinden wären nach dem Beitritt die Entwicklungszone.

Ziel der nachhaltigen Entwicklung: Das Ziel besteht darin, in diesen Regionen Modelle für ein nachhaltiges Leben in der jeweiligen Region zu entwickeln. Ziel ist es, die Wirtschaft, die Bildung und den Tourismus mit besonderen Projekten zu fördern und so eine Region zu entwickeln, die zukunftsfähig und lebenswert ist.

Beispielhafte Projekte: Die Gemeinde Zetel hat schon einige Projekte, die genau diesem Ziel entsprechen. Dazu gehört der Bienenlehrpfad in Neuenburg, bei dem Imker auf die Bedeutung der Bienen für die Natur hinweisen, ebenso wie der Radwanderweg auf den alten Bahntrassen von Zetel nach Neuenburg und Bockhorn. Dazu gehören Melkhüs, die mit regionalen Produkten den Tourismus fördern. Oder die Rutteler Mühle, bei der die Müllerfamilie regionale Produkte aus der eigenen Verarbeitung verkauft und zeigt, wie früher und heute Korn zu Mehl gemahlen wird. Das alles sind Projekte für eine nachhaltige Entwicklung der Region.

Projekte und Konzepte dieser Art können finanziell gefördert und bei der Entwicklung unterstützt werden, wenn eine Gemeinde zur Entwicklungszone des Unesco-Biosphärenreservats gehört.

Was sind die Sorgen der Landwirte?

Naturschutz auf landwirtschaftlichen Flächen: Bei der Sitzung anwesend waren auch Kreislandwirt Hartmut Seetzen und der 26-jährige Landwirt Gerke Albers, der in Klein-Schweinebrück einen Milchviehbetrieb bewirtschaftet. Gerke Albers äußerte seine Sorge, dass eine spätere Landesregierung die Anerkennung der Gemeinde Zetel als Biosphärenreservatsgemeinde zum Anlass nehmen könnte, die Flächen der Landwirte einfach unter Naturschutz zu stellen. In einem solchen Fall könnten die Landwirte dort nicht mehr intensiv wirtschaften. „Von Seiten der Landwirtschaft lehnen wir das deswegen ab“, sagte Albers.

Existenzangst: „Ich sehe eine existenzielle Gefährdung für meinen Familienbetrieb“, sagte Gerke Albers im Anschluss an die Sitzung im Gespräch mit der NWZ. Er fürchte, dass irgendwann von einer Landesregierung beschlossen werde, dass die Landwirte auch in der Entwicklungszone eines Biosphärenreservats nicht mehr intensiv wirtschaften dürfen. Hartmut Seetzen erklärte, dass extensive Landwirtschaft nicht nur die Betriebe gefährde, sondern auch die nachgestellten Gewerbe, die vom Umsatz der Landwirte leben. „Unsere Sorge ist mehr als berechtigt, wir sind die flächenstärksten Nutzer. Was auch immer im Biosphärenreservat umgesetzt werden soll, das müsste zu 90 Prozent auf unseren Flächen umgesetzt werden.“

Was sagt der Leiter der Nationalparkverwaltung zu den Sorgen der Landwirte?

Landwirtschaftliche Betriebe sind Teil der Kulturlandschaft: „Dass die Höfe von Generation zu Generation weiter bewirtschaftet werden, ist eine ganz wichtige soziale Dimension der Region, die wichtig für den sozialen Zusammenhalt ist“, sagt Peter Südbeck. Der Erhalt der Höfe und der Hofnachfolge sei also für sich ein schützenswertes Kulturgut und werde nicht vom Biosphärenreservat infrage gestellt.

Chancen für die Landwirtschaft: „Die Landwirte selbst haben doch ein Interesse daran, dass die Region sich nachhaltig entwickelt, sowohl ökologisch als auch ökonomisch und sozial“, sagt Südbeck. Die Landwirte könnten die Anerkennung als Biosphärenreservat außerdem als Chance sehen, sich den Problemen der Branche zu stellen, zum Beispiel, indem sie Nischen finden wie die Vermarktung besonderer Produkte aus dem Biosphärenreservat. Außerdem seien alle Projekte, egal ob in der Wirtschaft, der Bildung, dem Tourismus oder der Landwirtschaft auf freiwilliger Basis. „Ich trete überhaupt nicht an, die Landwirtschaft zu ändern. Aber wir können den Landwirten helfen, die einen anderen Weg einschlagen möchten.“

Ausblick in die Zukunft: Die Anerkennung als Entwicklungszone sei keine „vorgefertigte Straße hin zu einem Naturschutzgebiet oder Nationalpark“. Im Gegenteil. Der Landtag könne zwar immer Gesetze und Verordnungen erlassen, völlig unabhängig von der Anerkennung als Biosphärenreservatsgemeinde – „niemand weiß ja, was in der Zukunft ist“. Aber Südbeck sagt auch: „Wenn man das Konzept der Entwicklungszone gut lebt und mit Inhalt füllt, wird sich das auch bewähren und nicht von oben verändert werden.“

Sandra Binkenstein
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2506

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