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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Heimatforscher räumt mit Märchen auf

07.09.2017

Zetel War der Wolf je der „Riesenerzfeind der Ostfriesischen Halbinsel“ und damit auch der Menschen in dieser Gegend, die zitternd in ihren Kammern saßen, wenn das Raubtier um die Höfe strich? Nein, war er nie. Das ist die klare Aussage von Burkhard Schäfer. Er hat sich akribisch durch Archive gearbeitet. Nie habe es hier ganze Wolfsrudel gegeben, nicht einmal Jungtiere, nur erwachsene Einzelgänger wie jetzt auch.

Der Heimatverein Zetel mit Herbert Oltmanns hatte Dienstagabend zu einem Vortrag ins Zeteler Kino „Zeli“ eingeladen, rund 60 Zuhörer folgten den humorvoll präsentierten Fakten, Geschichten und Anekdoten Schäfers. „Tadellos dokumentiert“ sind zum Beispiel mehr als 450 Jahre die Jagden auf den Wolf. Sie begannen 1596 im Rheiderland, 1632 gab es das erste Opfer – ein Treiber wurde erschossen. 1705 folgte die größte Treibjagd in Ostfriesland überhaupt mit einem Kessel von 110 Kilometern Durchmesser. Die Strecke: null Wolf.

1722 wurde dann aber einer erlegt, im Hopelser Wald. Ein weiterer, schon angeschossener Wolf wurde 1733 von einem Bauern mit dem Torfspaten erschlagen. Im Jeverland traf es den letzten Wolf im Jahr 1738, sein Bild hängt im Schloss zu Jever. Insgesamt wurden in der ganzen Zeit sechs Wölfe erlegt, immer nur im Interesse der Grafen und Obrigkeiten, die ihr Rotwild schützen wollten, sagte Schäfer. „Die einfachen Menschen haben den Wolf nie ernst genommen.“ Angst vor den Tieren – sie gab es nur in den Märchen.

In anderen Gegenden waren die Zustände natürlich anders, in der Lüneburger Heide, wo heute wieder Rudel leben, gab es 1642 eine Treibjagd, die Strecke: 38 Altwölfe, 133 Jungtiere.

Schäfers These: „Die Tiere, die heute in dieser Gegend gesehen werden, sind Einzelgänger, die auf uralten Wolfspfaden nach Ostfriesland ziehen, bis zur See, und dann wieder umdrehen.“ So wie jüngst ein mit einem Sender versehener Wolf, dessen Stationen genau aufgezeichnet wurden. Er kam vom Truppenübungsplatz Munster, zog in Holland an die Küste, wieder zurück an Leer vorbei, wurde später überfahren.

Man sollte sich auch keine falschen Vorstellungen vom Aussehen der Tiere machen: „Die oft bedrohlich wirkenden Bilder stammen von Tieren aus Kanada, die einheimischen Wölfe sehen eher jämmerlich aus, wie wildernde Dorfköter.“ Schäfer sagte: „Das gefährlichste Wildtier für uns ist das Reh, wegen der Autounfälle.“ Die Rehe sind dafür die Hauptbeute der Wölfe (80 Prozent).

Der Referent zeigte aber auch auf: „Schäfer haben mit ihren Klagen recht, in den Herden wird der Wolf zum blutgierigen Raubtier. Wir leben hier in einer Kultur-, nicht mehr in einer Naturlandschaft. Die Frage muss gestellt werden: Wie viele und welche Wildtiere können wir uns leisten?“ In dieser dicht besiedelten Gegend komme es zu Konflikten, aber willkürlich geschürte Ängste zum Beispiel in Kindergärten sollten einer vernünftigen Toleranz weichen.

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